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Review: Dreamscape
 
REVOICED

Album:
 REVOICED, 2008, Silverwolf

Stil:
 Progressive Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 U.B., 19.02.2008

Review:
 Ob bei der Namensfindung der gleichnamige Film mit Dennis Quaid von 1984 Pate stand für die 1986 gegründete Prog Band Dreamscape aus München weiß ich nicht. Bei Musikern die als Stil ihres Schaffens Progressive Metal gewählt haben liegt natürlich sofort auch die Assoziation zu Dream Theater nahe. Wie auch immer der Name zustande kam, die Bedeutung von Dreamscape, Dream within a Dream, passt ausgezeichnet zur Musik der Gruppe. Wer sich für die deutsche Prog Szene interessiert wird bemerkt haben, dass es ein Album mit dem Titel REVOICED bereits gab. Im November 2005 veröffentlichte Dreamscape die Scheibe. Ein Re-Release also? Ja und nein. Zwar enthält die neue REVOICED die gleichen Songs wie die Version von 2005 (plus einen neuen Song aus dem Material für das für dieses Jahr geplante neue Studioalbum), aber die Nummern wurden mit einer anderen Besetzung neu eingespielt. Nachdem das fünfte Album der Münchner, The 5th Season 2007 aufgenommen war, verließen gleich drei Musiker die Band. Ihr Ausscheiden stand bereits während der Aufnahmen für The 5th Season fest, Terminprobleme und nicht etwa musikalische Differenzen waren dafür verantwortlich. Und bevor man sich in aller Freundschaft trennte, legten sich alle noch einmal richtig ins Zeug und heraus kam das bisher reifste und beste Album. Wie gut man sich mit den ausgeschiedenen Kollegen noch versteht sieht man daran, dass Roland Stoll an den Tagen an denen der neue Sänger Mischa Mang wegen seiner Musical Tätigkeit verhindert ist, für ihn einspringt.
Mit der neuen Besetzung einer an Wechseln wahrlich nicht armen Band, so gibt es inzwischen den vierten Sänger und den fünften Drummer, wurde REVOICED, eine Art Kompilation der ersten beiden Alben TRANCE LIKE STATE und VERY, neu eingespielt. Ein Trip in die Vergangenheit mit neuem Line-Up.

Mit vollem Sound legt "Thorn in my Side" druckvoll los. Die Stimme des neuen Sängers Mischa Mang ist klar und sehr angenehm. Wobei mir sein Vorgänger Roland Stoll sogar noch eine Spur besser gefallen hat. Auch von den Instrumenten ist alles voll im grünen Bereich. Alle beherrschen ihr Handwerk und so schallen die Genre typischen Tempowechsel und kurzen Soli wunderbar frisch aus den Boxen.
"Fateful Silence" geht beschaulicher zur Sache. Michael Schwager an den Drums hat ein tolles Timing und sein variables Spiel ist wirklich hörenswert. Er harmoniert auch gut mit dem Neuzugang am Bass Ralf Schwager. Das mag auch daran liegen, dass die beiden Brüder sind. Wie auch immer, die Rhythmustruppe ist klasse. In einer ruhigen Phase mit schönen Pianoklängen und sanften Vocals dient als Kontrast zu der folgenden Tempoverschärfung. Ein pfeilschnelles Keyboard Soli und die intensiven Vocals möchte ich besonders hervorheben.
"Alone" startet mit den schon erwähnten tollen Drumeinlagen und kurzen Keyboardakkorden. Wie bei allen Dreamscape Songs auf diesem Album ist die Produktion absolut spitze. Jedes Instrument läst sich exakt orten was auch daran liegt, dass alle gleichberechtigt sind und keiner der Musiker dominant im Vordergrund steht. Anleihen bei den Vorbildern Dream Theater und Symphony X, mit letzteren ist die Band während ich diese Zeilen schreibe gerade auf Tour, lassen sich nicht leugnen, man vermeidet aber ausufernde Soli wie sie auf manchen Alben Dream Theater zum Vorwurf gemacht werden. Wolfgang Kerinnis an der Gitarre, dem von der Urbesetzung einzig noch verbliebenen Musiker, gelingt es hier einige Kabinettstückchen mit einzuflechten. Der Chorus ist ruhig, getragenen und melodisch.
Sanftes Keyboard wird bei "She`s flying" von heftigen Drums und schneidenden Gitarrenriffs verdrängt. Schnelle Wechsel mit ruhigen und sehr schnellen Abschnitten sorgen für Abwechslung. Zum Schluss steigert sich die Nummer und Kerinnis an der Gitarre hat einen kurzen aber intensiven Auftritt. Den Abschluss, der Kreis schließt sich, bildet erneut das pianoartige Keyboard.
Auf "Changes" wird die Keule geschwungen. Wie ein Rennwagen nach dem grünen Ampelsignal wird das Gaspedal durchgetreten. Die Drums drücken mächtig, die Gitarre heult mit lang gezogenen Tönen bevor sie sich in abwechselnden Hochgeschwindigkeits- Einlagen mit den Keyboards duelliert. Man nimmt nur kurz etwas das Tempo zurück bevor es erneut mit flirrenden Gitarren und schnellen Keys dahin geht. Nachdem der Bass kurz im Vordergrund steht hat Michael Schwager an den Drums die Möglichkeit zu demonstrieren wie vielseitig sein Können ist. Schnelle, sehr energiegeladene Nummer.
"Fearing the Daylight" ist abwechslungsreiches, sehr detailverliebt und mit allen Zutaten einer guten Prog Nummer. An dieser Stelle sei nochmals auf den klaren, transparenten Sound hingewiesen der bei diesem Stück besonders bei Gitarre und Keyboards zum Ausdruck kommt.
Das Titelstück "Unvoiced" beginnt verhalten mit akustischer Gitarre bevor die Rhythmusinstrumente und die harten Riffs unvermittelt angreifen. Dann folgen schnelle stakkato- hafte Keyboardläufe bevor sich alle Instrumente in einer gelungenen Melodie entladen. Es schließt sich ein harter Abschnitt an, in dem die Drums dominieren. Sehr schön der gefühlvolle Piano Part der in ein kraftvolles Gitarrensolo übergeht. Hoher Prog Anteil ohne die Melodie zu vernachlässigen.
Kurze harte Riffs und wummernde Drums leiten "Reborn" ein, was sich dann zu einer treibenden Nummer mit vielen Tempo- und Stilwechseln entwickelt. Ganz schön vertrackt aber daher auch nach vielen Durchläufen nicht langweilig.
Gleich mit zwei akustischen Gitarren und sanften Vocals stimmt "Face your Fears" wie auf eine Ballade ein. Der Titel verheißt aber etwas anderes und so geht es dann auch recht flott ab, schnelle Gitarren- und Keyboardeinlagen am laufenden Band. Toll wie rasant und gut akzentuiert die Instrumente hier zur Sache gehen. Den Schluss bildet leises Piano und die einfühlsamen Vocals.
"Winter Dreams" versetzt mit akustischer Klampfe und zarten Vocals in eine Traumstimmung. Der Titel lässt grüssen. Der Song steigert dann langsam aber kontinuierlich das Tempo. Der zweite Teil ist eine ausgewachsene Prog Nummer. Gitarre und Keys wetteifern in rasanten Läufen. Die Vocals erheben sich nun auch in größere Höhen. Schade, dass Mischa Mang nicht öfter davon Gebrauch macht seine Stimme klingt nämlich auch in den oberen Regionen sehr gut.
Etwas düster und bedrohlich mit abgehackten Riffs beginnt "Lonliness". Von zahlreichen Rhythmuswechseln wird ausgiebig Gebrauch gemacht. Die Gitarre flitzt teils mit irrem Tempo dahin, da hat jemand aber deutlich nach John Pertrucci geschielt. So dunkel der Anfang so harmonisch ist der Song im späteren Verlauf.
"When Shadows are gone" läutet mit einem Glockenspiel ein bevor Bass und Drums loslegen. Tolle Melodie und ein sehr eingängiger Chorus gehen gut ins Ohr. Wie bei einigen anderen Songs zuvor gibt es mehrere Gitarren- und Keyduelle die hier aber noch besser sind. Auch die Drums sind vom Feinsten. Für mich ist das das Highlight des Albums. Derselbe Song ist auf der CD auch als Video enthalten, allerdings in der Besetzung von 2004. Das Video ist eine Mischung aus Live und Studioaufnahme. Es soll jeder selbst entscheiden welche Version besser gefällt, die von 2004 oder die von 2008. Mischa Mang am Mikro interpretiert den Song etwas anders als sein Vorgänger Roland Stoll. Mein persönlicher Favorit ist Stoll, er ist bei den hohen Passagen einfach etwas besser, aber auch das ist Geschmacksache.
Zum Schluss präsentiert uns Dreamscape mit "Breathing Spaces" einen Song der auch auf dem nächsten Album enthalten sein wird, das gerade in Arbeit ist. Die Nummer ist ein richtiger Kracher, ungleich härter als alle bisherigen. Eine verzerrte Gitarre und die ballernden Drums beginnen fast apokalyptisch. Auch die Vocals sind viel dunkler, schwer zu glauben, dass das der gleiche Sänger ist. Er beherrscht die tiefen Tonlagen aber überzeugend. Die Keyboards klingen im harten Kontrast dazu freundlich und hell. Ab der Mitte gibt man Vollgas, vor allem die Drums knüppeln was die Felle hergeben. Ein ungemein kraftvoller Abschluss. So habe ich Dreamscape noch nicht erlebt.

Fazit: Die Integration gleich drei neuer Bandkollegen hat erstaunlich gut geklappt. Wenn ich es nicht besser wüsste wäre ich sicher, hier eine Truppe vor mir zu haben die schon seit Jahren ein eingespieltes Team ist. Von der technischen Seite spielt Dreamscape ganz weit oben. Vom Songwriting hat mir The 5th Season zwar besser gefallen, aber man darf auch nicht vergessen, dass das Material von REVOICED schon einige Jahre alt ist und nur neu eingespielt wurde. Die Scheibe braucht einige Durchläufe, vielleicht nicht Liebe auf den ersten Blick, aber dafür schließt man sie dann umso mehr ins Herz. Ob der letzte Song der CD, ein Vorgeschmack auf das momentan entstehende neue Album ist weiß ich nicht. Er fällt jedenfalls erheblich härter und düsterer aus. Das scheint im Moment ohnehin der Trend in der Prog Szene zu sein den Härtegrad zu erhöhen.

Anspieltipps:
 "Changes", "Unvoiced", "Face your Fears", "When Shadows are gone"

Tipp:
 Allen die Dream Theater und Symphony X mögen, dürfte auch dieses Album gefallen. Die großen Vorbilder erreicht man nicht ganz, aber das hier Gebotene ist wahrlich auch nicht schlecht. Die Musik von Dreamscape ist nicht so überladen und komplex wie die der oben erwähnten Amerikaner und daher etwas eingängiger. Und so bin ich zuversichtlich, dass die Progressive Metal Landschaft in Deutschland neben Vanden Plas, Lanfear und Sieges Even hier ein weiterer, qualitativ überzeugender Vertreter erwächst, sofern sie das nicht ohnehin schon sind.

Titel-Liste:
 
  1. Thorn in my Mind
  2. Fateful Silence
  3. Alone
  4. She`s flying
  5. Changes
  6. Fearing the Daylight
  7. Unvoiced
  8. Reborn
  9. Face your Fears
  10. Winter Dreams
  11. Loneliness
  12. When Shadows are gone
  13. Breathing Spaces

Laufzeit:
 70:47 Min.

Band-Infos:
 
  • www.dreamscape.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Dreamscape: REVOICED (+Bonus)

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