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Review: Edge of Forever
 
ANOTHER PARADISE

Album:
 ANOTHER PARADISE, 2010, 7hard

Stil:
 AOR, Melodic Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 15.05.2010

Review:
 Neben seiner Arbeit als Produzent und damit verantwortlich für aktuelle Werke wie die selbstbetitelten Alben von Skill in Veins und Shining Line juckt es dem Italiener Alessandro Del Vecchio auch immer wieder selbst in den Fingern, eigene Musik zu spielen. Eines seiner aktuellen Band-Projekte hört auf den Namen Edge of Forever und hat sich mit dem bereits dritten Output ANOTHER PARADISE weiterhin voll und ganz dem melodischen Rock verschrieben. Dass es sich dazu neben seiner Stammbesetzung auch noch jede Menge Gäste mit an Bord holt, ist er sich und seinen vielen Beziehungen im Musik-Biz schuldig. Und so tummeln sich neben dem U.D.O.-, Gotthard- und Jorn-Gitarristen Igor Gianola noch drei namhafte Sänger, wie Carsten "Lizard" Schulz, der ex-Domain und Evidence One-Sänger aus deutschen Landen oder Bob Harris aus den Anfängen von Edge of Forever, der auch bei Frank Zappa und Steve Vai am Mikro stand. Nicht zu vergessen auch Del Vecchios Landsmann Roberto Tiranti von Labyrinth. Damit sollte in Sachen AOR wohl kaum noch etwas schief gehen können.

Tut es auch nicht, wie bereits der Opener "Distant Voices" eindrucksvoll zeigt. Hier wird von Anfang an Wert auf Vertrautes gelegt, wie es auch die Genre-Größen Toto oder Journey bis zum heutigen Zeitpunkt zelebrieren. Fette Chöre und Wohlfühl-Refrains, die sich sofort im Gehörgang fest krallen. Mit diesem Rezept gewinnt man sicherlich heutzutage keinen Innovationspreis mehr, aber funktionieren tut es allemal.
Etwas rockiger gibt sich der gitarrenlastige Titelsong "Another Paradise", bei dem ein gesunder Kompromiss zwischen Melodie und Härte gefunden wurde. Hier weiß vor allem das Duett von Alessandro und seinem Landsmann Roberto zu gefallen, dass für eine besondere emotionale Spannung sorgt und den Song nur selten und Richtung "zu gefällig" abdriften lässt. In jedem Fall ein würdiger Titeltrack und gleichzeitig einer meiner persönlichen Lieblingssongs.
Mit dezenten Gitarren und üppigen aber ebenfalls zurückhaltenden Keyboard-Teppichen ist das druckvolle "Lonely" tief in althergebrachten AOR-Traditionen verwurzelt, sodass ein gewisser Journey/Toto-Touch sicherlich nicht von ungefähr kommen mag.
"Edge of Life" mit seinem Whitesnake-like-Intro, was vor allem am Keyboard-Sound liegt, kann als druckvoller Mid-Tempo mit seinen äußerst gefälligen Hooklines und einem Carsten Schulz als Background-Sänger ebenfalls auf der ganzen Linie überzeugen. Mit viel Wert auf Ausgewogenheit sticht sogar das üppige Gitarren-Solo nicht störend hervor, sondern wurde prima in das Songgeflecht eingebunden.
Für Freunde des Kuschelrocks kommt "I won't call you" sicherlich genau recht. Die Halbballade mit einem etwas zu kommerzlastigen pianogetragenen Einstieg mausert sich im weiteren Verlauf schnell zu einem AOR-typischen Wonneproppen, dem aber ein paar mehr Kanten, vielleicht nichts geschadet hätten.
Ähnlich wie bereits der Titelsong lebt "My Revenge" von den Kontrasten zwischen gesunder rockiger Härte und melodischer Gefälligkeit, wobei hier noch ein Hauch morgenländischer Anleihen für etwas Exotik sorgen.
Etwas minimalistisch mit überwiegend Piano-Begleitung lebt die erste nun echte Ballade "What I've never seen" hauptsächlich von Transparenz und räumlicher Tiefe. Das Strickmuster ist bestens bekannt und hätte meiner Meinung nach ein bisschen mehr prickelnde Spannung vertragen. Ansonsten sehr solide, aber nicht überraschend.
"What a Feeling", den Titel kenne ich doch? Genau hier Alessandro den Flashdance-Song von Irene Cara neu aufleben lassen und kommt nach anfänglich spacig-verspieltem Vorspiel recht schnell auf den rockigen Punkt. Einmal mehr zeigt es sich, wie leicht es gelingt auch dem poppigsten Song ein passendes Rockkleid zu verpassen ohne dabei etwas vom Wesen und der Eingängigkeit zu verlieren.
Schade, dass "Eye of the Storm" nach anfänglichem Retro-Rock-Intro alá Deep Purple oder Whitesnake doch recht schnell und allzu oft in etwas zu glatt polierte Kommerzstrukturen abdriftet. Denn gerade stimmlich mit dem etwas rauen Retrosound wäre hier sogar ein weiterer persönlicher Favorit drin gewesen.
Zum Abschluss bietet "Against the Wall" noch einmal eine gesunde Dosis moderner AOR-Kost, die mit leicht forciertem Marschtempo und einem Retro-Hammond-Orgel-Solo wie aus den guten alten Styx-Zeiten recht passabel nach vorne abgeht und damit das Album recht geschickt abschließt. Wer einen Zugang gefunden hat, und das werden wohl viele AOR-Freunde sein, wird dem Silberling wohl schnell eine weitere Runde spendieren.

Fazit: Mit ANOTHER PARADISE hat Alessandro Del Vecchio ein weiteres hervorragendes Album abgeliefert und beweist einmal mehr, dass er sich nicht nur als Produzent schon längst seine Sporen verdient hat, sondern auch überzeugende eigene Musik performen kann. Es sind manchmal auch die Kleinigkeiten, die ein Album zu etwas Besonderem machen, denn obwohl er selbst Musik produziert, hat er bei seinem eigenen Werk das Mischen keinem geringeren als Michael Voss überlassen, der mit Bonfire, Mad Max und seinen Voices of Rock beeindruckende Referenzen aufzuweisen hat. Ergo, auch Fachleute holen sich Fachleute, warum auch nicht.

Tipp:
 AOR-Fans, die immer wieder einmal Klassiker wie Toto, Journey und House of Lords aus dem Regal holen, sind hier gut beraten.

Titel-Liste:
 
  1. Distant Voices
  2. Another Paradise
  3. Lonely Journey
  4. Edge of Life
  5. I won't call you
  6. My Revenge
  7. What I've never seen
  8. What a Feeling
  9. Eye of the Storm
  10. Against the Wall

Laufzeit:
 50:21 Min.

Band-Infos:
 
  • www.edgeofforever.it 

  • Probehören und Kaufen:
    Edge of Forever: ANOTHER PARADISE

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