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Review: Elvira Madigan |
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Album:
| | REGENT SIE, 2008, Black Lodge |
Stil:
Wertung:
| |  4,5 von 7 Punkten | | J.G., 24.05.2008 |
Review:
| | Ohne große Kenntnisse um was es sich hier handelt, spricht schon die Titelliste für sich. Das ist kein 08/15-Album mit obligatorischen zehn Titeln von der Stange.
Wir schreiben das Jahr 1995, als der Schwede Marcus Hammarström sein Düstermetall-Projekt Elvira Madigan taufte. Wer nicht gerade ein Kind des 19. Jahrhunderts ist, dem wird vermutlich dieser Name kein Begriff sein.
Elvira Madigan ist der Künstlername von Hedvig Antoinette Isabella Eleonore Jensen, die 1867 in Flensburg geboren wurde. Sie wurde berühmt als Seiltänzerin und bekam dafür 1886 vom dänischen König Christian IX. das Kreuz in Gold verliehen. Tragische Berühmtheit erlangte sie jedoch erst, als sich 1888 der aus altem Adel stammende schwedische Dragonerleutnant Sixten Sparre in sie verliebte. Die mögliche Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt, beginnen beide trotzdem einen Briefwechsel. 1889, als der Zirkus Madigan in Sundsvall (Schweden) gastiert, beschließen Elvira und Sixten ihre schon brieflich geplante Flucht in die Tat umzusetzen. Der Zirkus verlor dadurch seine Hauptattraktion Elvira und der unglücklich verheiratete Vater von zwei Kindern, Sixten beging faktisch Desertion. Als dem Paar auf der Fluch allmählich das Geld ausgeht und sie immer öfter erkannt werden fassen beide einen finalen Entschluss. Sixten erschießt am 20.07.1889 mit seiner Dienstwaffe erst seine Geliebte und dann sich selbst.
Mit REGENT SIE will Marcus Hammarström nun bei seinem vierten Album als Konzept das ewig lockende Weib in den Mittelpunkt stellen, was angesichts des geschichtlichen Hintergrunds auch passend erscheint. Wer jedoch nun auf romantische Verklärtheit mit zuckersüßen Hooklines und Ohrwurm-Refrains en masse spekuliert, der wird sein blaues Wunder erleben.
Auf diesem Album regiert Geschwindigkeit, gepaart mit fauchenden "Gesangslinien", die nur selten von melodischen Verschnaufpausen sekundenlang unterbrochen werden.
Es dauert nur wenige Augenblicke, bis der Opener "Mortal Man & the King" deutlich die Marschrichtung des Gesamtwerks vorgibt. Der gesang spielt mit dem Wechsel aus männlichem Fauchen, aber auch cleanen Pasagen und weiblichem Kreischen. Mit Romantik hat das also nichts zu tun. Hier fällt es vielmehr leicht in eine Welt der Hexen, Vampire (oder auch Dampire) abzutauchen, als an sonnenüberflutete Blumenwiesen und Vogelgezwitscher erinnert zu werden.
Sogar die episch verpackten Songs wie "Silvertounged" setzen gesanglich auf Extreme, selbst wenn die musikalische Untermalung überwiegend gothictypisch arrangiert wurde.
Kurz vor dem Dauerstress hat man dann doch immer wieder mal Gnade bewiesen und mit Songs wie "Solstice & Sleepwalking" ein orchestrales Ruhekissen eingeschoben, das mit teils verspielten Klängen zu verzaubern versteht.
Aber man darf nicht übersehen, es existieren vier Teile mit dem Titel "Demonaria", die wiederum aus drei Unterthemen bestehen. "Demon" und "Aria" sind also die Hauptthemen und da ist für Träumereien nur wenig Platz. Wer dies berücksichtigt, der wird auch nicht allzu enttäuscht, wenn die ruhigen Abschnitte mit überwiegend orchestraler Begleitung wie bei "Lambmendtations", "Demonaria II: Luminouse's Gift" oder auch "The Harkencraft & the Witch of Marbeled Halls", die kurzweilig zum Träumen verführen oft abrupt enden. Denn das Erwachen mit Schrecken folgt stets auf dem Fuße, entweder noch im selben Song und wenn nicht, dann spätestens beim nächsten Titel. Wahrlich keine Alltagskost, die uns der Schwede hier geboten hat, die aber durchaus ihre Reize entfalten kann.
Fazit: Angesicht des recht komplexen Stoffes wäre eine druckvollere und differenziertere Produktion dringend nötig gewesen. Hier verschwimmen doch zu of Spoken-Words mit Synthie-Samples, Nähmaschinen-Drumming mit fauchendem Gesang. Ein Defizit, welches den wahren Genuss des Epos deutlich schmälert. Sicherlich ist dieses Album nicht für zartbesaitete Feingeister gedacht. Wer hier genießen möchte, der braucht schon ein gewisses Maß an musikalischer Toleranz und starke Nerven für diesen wahrlich randvollen Silberling. |
Tipp:
| | Alle, die auf Gothic angehauchte dramatische Songs stehen und Melancholie und Düsternis der Freude und dem Sonnenschein vorziehen, bekommen hier eine volle Dröhnung - rezeptfrei versteht sich. |
Titel-Liste:
| | - Mortal Man & the King
- Silvertounged
- Solstice & Sleepwalking
- Demonaria I: Heart of the Devil's Keep
- My Blood - Wit - Simeons Monologue - Lambmendtations
- Sister Fairytale
- Demonaria II: Luminouse's Gift
- Spells of Six and Tears of Three - Miss Fortune - Ribbons - The Harkencraft & the Witch of Marbeled Halls
- Demonaria III: Grin
- Murder of Kroues - Severed - Vow of Freeble Man - Soul Search King
- Rekindleself
- Lairs in Wait
- Demonaria IV: Warring
- Crosses and Biblewars - Battlelost - Hell hath no Fury like a Woodwoman scorned - The true Worth of the Lie
- Regency
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Laufzeit:
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