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Review: Ephrat
 
NO ONE`S WORDS

Album:
 NO ONE`S WORDS, 2008, Inside Out

Stil:
 Progressive Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 03.08.2008

Review:
 Eine Progressive Rock Band aus Israel, das klingt interessant. Aber klingt es auch gut? Welche Einflüsse stecken in der Musik? Ich muss zugeben ich war sehr gespannt als ich NO ONE´S Words in den CD Player legte. Omer Ephrat der Kopf der Band hat nicht nur alle Songs geschrieben, er spielt auch Gitarre, Keyboards und Flöte. Lior Seker Vocals, Gili Rosenberg am Bass und Tomer Z an den Drums bilden den Rest der Truppe. Porcupine Tree Mastermind Steven Wilson persönlich hat das Album abgemischt.

"The Show" startet mit futuristischen Klängen bevor die kraftvollen aber melodischen Riffs einsetzen. Starke Basslinien und einfühlsame Vocals, schnelle Drum Attacken und orientalisch anmutende Zwischensequenzen gestalten den Midtempo Song. In einem Abschnitt hört man leise Bongo Trommeln, akustische Gitarre und Flöte bevor die Nummer sich mit einem Gitarrenlauf steigert. Die Flöte klingt weniger nach Jethro Tull dafür stark nach dem Song "I talk to the Wind". Das Album IN THE COURT OF THE CRIMSON KING läßt grüßen. Keine schlechte Idee sich kleiner Anleihen bei diesem Kultalbum zu bedienen. War doch genau diese Scheibe die Geburtsstunde des Prog Rock. Eingepackt ist das Ganze in eine tolle Melodie. Ein sehr verheißungsvoller Auftakt.
Noch progressiver ist "Haze" ausgefallen. Als Gastsängerin hat Petronella Nettermalm von der Band Paatos den Platz am Mikro eingenommen. Die düstere Grundstimmung wird unterbrochen durch die heiter klingenden Akustik Gitarren. Die Vocals sind wie hingehaucht und melancholisch. An einigen Stellen hört man eine elektronisch verzerrte Stimme, die und die Melodie weckt Erinnerungen an "21st Century Schizoid Man" von King Crimson. Harte Drums und viel Bass bilden einen interessanten Kontrast zu den kurz aufblitzenden Keyboard- Streichern in Moll. Gegen Ende wird der Song beständig härter und schneller mit disharmonischem Unterton, nach einem Break erneut melodisch und klingt leise aus. Ein Stück bei dem es auch nach vielen Durchläufen noch Neues zu entdecken gilt.
Mit leisen Klängen einer einzelnen Gitarre beginnt "Better than anything" verhalten. Die Vocals und Querflöte sind ähnlich zurückhaltend. E-Gitarren, Bass und Drums spielen hingegen heftig auf. Und erneut klingen Abschnitte deutlich nach King Crimson. Kurze arabische Klangmuster sind gekonnt eingearbeitet in diesen doch sehr komplexen und facettenreichen Song. Besonders schön sind die Wechsel von scharfem Instrumenteneinsatz und sehr melodischen Teilen. Die Vocals sind teils mehrstimmig und auch mal elektronisch verfremdet. Den Schluss bildet ein Orgel artiges Keyboard.
Scharfe Gitarrenakkorde und voller Bass, wirbelnde Drums, so lässt sich "Blocked" beschreiben. Besonders die Gitarren stehen im Vordergrund, mal schneidend scharf, mal sanft und verspielt. Dazu gibt es untermalende Keyboards. Das Stück ist rein instrumental.
"The Sum of Damage done" gefällt durch den intensiven Gesang. Machte Lior Seker bisher schon eine gute Figur, so setzt Daniel Gildenlöw von Pain Of Salvation als Gastsänger noch einen drauf. Die Stimme wird noch mit elektronischen Effekten angereichert. Die Nummer ist sehr rockig verleugnet aber nicht seine ausgeprägten Prog Gene. Überblendungen mit waberndem Keyboard wechseln mit aberwitzigen Gitarreneinlagen. Die prasselnden Drums und Dream Theater artigen Instrumental Ausflüge verlangen dann schon eine gewisse Aufmerksamkeit. Die Vocals werden unterstützt durch einen Chor im Hintergrund. Besonderes Augenmerk liegt auf dem gelungenen Wechselspiel von eingängigen Melodiebögen und härteren Einlagen.
"Real" ist mit 18 Minuten selbst für Prog Verhältnisse üppig ausgefallen. Das Schöne daran ist nicht nur die Länge, sondern auch die Qualität. Hier zieht Ephrat nochmals alle Register. Perlende Gitarren dann thrashige Akkorde, kurz aufblitzende Keyboards, Piano und Blechbläser verschmelzen zu einem volltönenden Sound und Konglomerat von Klängen die die Länge der Nummer viel kürzer erscheinen lassen. Das Beeindruckende daran ist, es wirkt nie zerstückelt dafür sehr harmonisch. Hammond Orgel und Drums treiben an, die härteren Phasen werden immer wieder aufgelöst in sehr melodischen Zwischenspielen. Ein würdiger Abschluss des Erstlings einer neuen Band die aufhorchen lässt.

Fazit: Ephrat liefert ein Album ab was bei aller Komplexität wie aus einem Guss wirkt. Die virtuosen instrumental Parts sind nicht Selbstzweck und zur Schaustellung des technischen Könnens sondern Bestandteile der einzelnen Nummern. So unterschiedlich die einzelnen Tracks auch sind, die ganze Bandbreite des Prog Rock wird genutzt und doch hat man nie das Gefühl der Fluss wäre unterbrochen. Eindrucksvolle Klangwelten, eine Vielzahl neuer Ideen und tolles Songwriting münden in einem echten Sahnestück des Genres. Direkt mit dem Debüt beschert uns Ephrat eine Stunde Musikgenuss und macht mich bereits neugierig wie es mit der Band weitergeht. Hoffentlich findet die Scheibe den Anklang den sie verdient hat und bleibt nicht in den Regalen liegen. Hinter dem schlichten Cover verbirgt sich nämlich ein feines Album.

Anspieltipps:
 "The Show", "Blocked", "The Sum of Damage done", "Real"

Tipp:
 Fans von Rush, King Crimson und Neil Morse dürften so manches Deja-Vu Erlebnis haben. Doch Ephrat kopiert nicht einfach sondern bringt neben diesen dezenten Anleihen so viele eigene Elemente in die Musik ein und vermischt sie dermaßen gekonnt, dass Anhänger des Prog Rock ihre helle Freude haben. Und da der Sound auch so manches Mal an der Schwelle zum Prog Metal kratzt ist das Album auch eine Kaufempfehlung für die, die auf Dream Theater und Porcupine Tree stehen.

Titel-Liste:
 
  1. The Show
  2. Haze
  3. Better than anything
  4. Blocked
  5. The Sum of Damage done
  6. Real

Laufzeit:
 59:41 Min.

Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/omerephrat 

  • Probehören und Kaufen:
    Ephrat: NO ONE`S WORDS

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