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Review: Evig Natt
 
DARKLAND

Album:
 DARKLAND, 2010, Black Bards

Stil:
 Gothic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 V.R., 19.01.2011

Review:
 Die Hochphase des Gothic Metal liegt inzwischen schon gut ein Jahrzehnt zurück. Mitte bis Ende der 90er Jahre hatten Bands wie Theatre of Tragedy, Tristania oder auch The Sins of thy Beloved Hochkonjunktur, doch die Übersättigung kam schnell, zumal die Plattenfirmen nach einiger Zeit auf den Zug aufsprangen und immer abgeschmacktere und billiger produzierte Werke veröffentlichten. Gothic Metal verschwand nach und nach in der Versenkung, dafür etablierte sich im Anschluss der Symphonic Metal und Bands wie Within Temptation oder Nightwish waren plötzlich der neue Trend. Heutzutage ist es schon eine Besonderheit, wenn mal ein Album in der alten Theatre of Tragedy-Machart erscheint, zumal die alten Bands, die heute noch aktiv sind, ihren Stil längst angepasst haben. Evig Natt klingen auf ihrem zweiten Album DARKLAND dagegen wie zu besten Zeiten Mitte der 90er, was viele Fans dieser Richtung sicher freuen wird. Soll heißen: typischer Theatre of Tragedy-Sound mit dezenten Black Metal-Anleihen, als Vergleich fallen mir am ehesten die ähnlich gelagerten Dismal Euphony ein. Doch ist denn auch qualitativ alles im Lot im Hause Evig Natt?

Gleich beim Opener "Darkland" kommt beim Hören ein wohliges Gefühl auf, wie bei einem alten Freund, den man jahrelang nicht gesehen hat. Der typische Gothic Metal der alten Theatre of Tragedy-Schule wird hier mit dezenten Black Metal-Einschüben vermengt. Das tiefe Grunzen ist natürlich genauso vorhanden wie die zarte weibliche Stimme, die allerdings nicht so engelsgleich daherkommt wie die von Liv Kristine. Alle Elemente sind vorhanden, als wurde nach Lehrbuch gearbeitet, nur die besondere Atmosphäre, die fehlt hier doch noch ein bisschen. Zudem fällt schon hier auf, dass die Produktion druckvoller hätte ausfallen können.
Die beim Opener noch vermisste Atmosphäre gibt es beim zweiten Song "Evig Natt" zu Genüge. Hier machen Evig Natt alles richtig und präsentieren uns einen perfekten tieftraurigen Gothic Metal-Kracher mit dezenter Doom-Schlagseite. Hier agiert die Band viel näher an den alten Theatre of Tragedy als beim letzten Song und lässt dabei Stimmungen entstehen, die man in den letzten Jahren musikalisch nur selten geboten bekam. So und nicht anders muss professioneller Gothic Metal klingen.
Leider kann schon der nächste Titel namens "Until the End" dieses hohe Niveau nicht halten. Dennoch soll dies nicht bedeuten, dass wir es dabei mit einem durchweg schlechten Song zu tun hätten. Im gehobenen Midtempo agieren Evig Natt hier und vermengen so den typischen Gothic Metal mit einer Prise Gothic Rock. Dementsprechend hält sich der Sänger beziehungsweise Grunzer hier weitgehend zurück und lässt der Sängerin mehr Raum. Und hier liegt auch eines der Hauptprobleme des Songs, denn über ein ‚nett’ kommt ihre Stimme nun mal einfach nicht hinaus. Mit gut sieben Minuten ist der Titel zudem ein wenig zu lang für das, was er bietet.
"I die again" ist dann auch wieder eine Spur besser und kann mit schleppendem Tempo und melancholischer Atmosphäre überzeugen. Die Stimme der Sängerin fällt hier allerdings besonders negativ auf, da für diese spezielle Stimmung einfach ein kräftigeres Organ vonnöten wäre. Im Refrain agieren Sängerin und Grunzer dann gemeinsam und der Song wird wuchtiger und kräftiger. Insgesamt ist der Song doch deutlich über dem Durchschnitt anzusiedeln.
Wer es lieber etwas härter mag, der sollte mal in "Sjelelaus" reinhören, denn hier wird das Gaspedal ordentlich durchgetreten, sogar vor Blastbeats schreckt man dabei nicht zurück. Die Atmosphäre bleibt dabei aber immer erhaben und die Musik melodisch, die Black Metal-Einflüsse sind dementsprechend als eher dezent zu bezeichnen. Auf jeden Fall gehört der Titel eindeutig zu den besseren Songs des Albums.
Das düstere "The Wanderer" erinnert wieder stark an Theatre of Tragedy, doch auch Draconian schimmern hier durch. Der Song bietet leicht doomigen Gothic Metal in Reinkultur, doch was fehlt, ist ein Höhepunkt, ein Ohrwurmrefrain oder einfach ein Spannungsbogen. Zu gewöhnlich und belanglos agieren Evig Natt hier, als dass sie wirklich überzeugen könnten.
Auch "Withered Garden", bei dem Evig Natt wieder mehr auf Härte und Geschwindigkeit setzen, ist nur bedingt gefällig. Zwar bringt die Band hier viel Abwechslung ins Spiel und streut hier und da auch mal eine schleppende Zwischenpassage ein, doch fehlt einfach so etwas wie ein übergreifender Spannungsbogen. Dementsprechend verzettelt sich die Band hier in Einzelheiten, ohne für eine durchgehende Songatmosphäre zu sorgen.
Wie man es besser macht, zeigt "My Sin". An das düstere Keyboardintro schließen sich melancholische getragene Gothic Metal-Klänge an, die sich mit heftigen Black Metal-lastigen aber dennoch melodischen Headbang-Passagen abwechseln. Dabei gelingt es Evig Natt, eine erhabene Stimmung zu erzeugen und auch an den Spannungsbogen wurde dieses Mal gedacht. So wie bei diesem Titel sollte die Band viel öfters agieren!
Leider ist die Platte an dieser Stelle schon fast zu Ende und auf genannten genialen Song folgt nur noch das abschließende schleppend-düstere "Epitaph". Dieser Titel ist so ganz anders als der letzte, aber dennoch von hoher Qualität. Hier zeigen sich Evig Natt noch einmal von ihrer ruhigen Seite und lassen noch ein letztes Mal selige Theatre of Tragedy-Zeiten aufleben, als jene noch wussten, wie man eine romantisch-düstere Atmosphäre erzeugt. Dabei agieren Evig Natt sogar weit weniger kitschig als die großen Vorbilder und lassen das Album somit auf erstklassige Weise ausklingen.

Fazit: Endlich mal wieder ein richtiges Gothic Metal-Album im Stile alter Theatre of Tragedy und Tristania, das war mein erster Impuls. Hm, die großen Vorbilder werden aber nur bedingt erreicht, das war leider gleich der zweite Gedanke. Das Album enthält zwar einige großartige Songs, die an die Klassiker genannter Bands durchaus heranreichen, zwischendurch schleichen sich aber leider immer wieder auch schwächere Titel ein, die die Gesamtstimmung des Albums auf diese Weise zunichte machen. Die Platte ist somit leider nicht dafür geeignet, sie in einem Stück zu hören, denn gerade, wenn man sich wieder in die melancholisch-düstere Atmosphäre eingefunden hat, wird man mit dem nächsten Song schon wieder herausgerissen. Wenn man sich aber nur die Sahnestücke herauspickt, hat man immerhin doch eine Handvoll gute bis sehr gute Songs, die die seligen Gothic Metal-Zeiten Mitte der 90er noch einmal aufleben lassen, und das ist doch auch schon mal was. Mit viel Nostalgiebonus reicht das auch noch so eben für 5,5 Punkte.

Anspieltipps:
 "Evig Natt", "I die again", "Sjelelaus", "My Sin", "Epitaph"

Tipp:
 Die Vorbilder der Band heißen eindeutig Theatre of Tragedy, Tristania, Dismal Euphony und Draconian und in einigen Songs erreicht die Band auch das Niveau genannter Bands. Fans der Gruppen sollten dementsprechend dringend mal reinhören.

Titel-Liste:
 
  1. Darkland
  2. Evig Natt
  3. Until the End
  4. I die again
  5. Sjelelaus
  6. The Wanderer
  7. Withered Garden
  8. My Sin
  9. Epitaph

Laufzeit:
 56:44 Min.

Band-Infos:
 
  • www.evignatt.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Evig Natt: DARKLAND

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