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Review: Faces of March
 
CONFESSIONS

Album:
 CONFESSIONS, 2008, Kurfew

Stil:
 Modern Rock, Mainstream Rock

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 31.12.2008

Review:
 Was kann man von dem Debüt-Album CONFESSIONS des Quartetts Faces of March aus Miami, Florida mit Frontfrau Gia erwarten?
Schon nach dem ersten Durchlauf ist klar, dass die US-Amerikaner ein Scheibchen mit erheblicher Hitdichte abgeliefert haben. Sie bewegen sich mit ihren leicht beschwingten Rockmelodien eindeutig auf Mainstream-Pfaden und haben nahezu jedem Song nicht nur Radiotauglichkeit sondern auch ein gewisses Potenzial zum Hit mit auf den Weg gegeben.
Klar, das dies nur auf Kosten der Innovation und Härte gehen kann, aber es bleibt in jedem Fall genügend Abstand um nicht kitschig zu wirken. Das Rezept ist dabei recht einfach: Man nehme das kesse Auftreten der deutschen Die Happy und mische es mit italienischer Melancholie alá Lacuna Coil. Das Ergebnis lässt sich durchaus hören. Mit einem glücklichen Händchen für gefällige Melodien wird nun ein leicht beschwingter Groove nach dem anderen zusammen gebaut und von Frontfrau veredelt. Gerade sie ist es auch, die vielen Songs erst einen gewissen Stempel aufdrückt. Im Gegensatz zu vielen ihrer Kolleginnen schafft sie dies jedoch weniger mit aggressivem Vorgehen, sondern mit angenehm sonorer und niemals aufdringlicher Gesangsarbeit, wie man es vorallem im Pop- oder Jazz-Bereich antrifft, aber nur selten im harten Rock-Geschäft.

Das Album beginnt mit dem melancholisch angehauchten Mid-Tempo-Song "Not Enough", welches durchaus auch von den bereits erwähnten Lacuna Coil stammen könnte, was besonders bei den getragenen Synthie-Passagen auffällt.
Der Nachfolger "Drowning" könnte glatt als Fortsetzung des Openers durchgehen, denn die getragenen Grooves bleiben nahezu unverändert erhalten.
Für "Broken" wurde einiges der bisherigen Melancholie über Bord geworfen, jedoch der Grundtonus beibehalten. Hier ist es vor allem Gia, die ihre Stimme zwischen ausdrucksstark nachdrücklich und schmachtend gehaucht einsetzt und so für Spannung sorgt.
Gefühl pur ist bei der Ballade "Too Late" angesagt. Im ersten Teil wird Gia nur mit Klavier begleitet und kann ungehindert für Emotionen sorgen. Nach einem Break dürfen auch ihre Kollegen wieder mitspielen und verpassen dem besinnlichen Thema angenehm harmonisches Volumen.
Eines der druckvollsten Songs des Albums "Who's to blame" ist einer der wenigen, der sich auch etwas härterer Gitarren bedient und straffer arrangiert ist. Trotzdem wird die Grenze der Radiotauglichkeit nicht überschritten und um dies zu unterstreichen glänzt besonders der Refrain mit seiner Eingängigkeit.
So gefällig "Turn around" und das spätere "Alone" auch klingen mögen, hätte ich diese Songs nicht unbedingt erwartet. Auch wenn sie musikalisch astrein dargeboten werden, so vertragen sich die Harmonien nicht so ganz mit dem bisher gehörten und schielen eindeutig in die Ecke der freunde des Kuschelrocks, von dem Vorwurf "Schon tausendmal gehört" einmal ganz abgesehen.
"Maybe" bewegt sich ebenfalls in ruhigerem Mid-Tempo-Fahrwasser mit einerseits fröhlicher Ausrichtung, die jedoch immer wieder mit leicht melancholischen Untertönen einen Hauch von Gothic vermitteln. Überraschend ist hier der kurze Ausflug nach einem Break in harte Nu-Metal-Gefilde, die der Band recht gut zu Gesicht steht.
Für die Schlussrunde haben Faces of March mit dem frisch fröhlichen "Wanna be" die richtige Wahl getroffen. Mit ähnlich starker Melodie wie das vorangegangene "Nothing" gehört es zu den Highlight des Albums, auch wenn es ein gewisses Girlierock-Image nicht ganz ablegen kann. Dies mag nicht nur an den rockigeren Klängen liegen, sondern vor allem an der etwas höheren Gesangsstimme von Gia liegen.

Fazit: Die extrem warme aber dennoch druckvolle Abmischung unterstützt die leicht melancholische Grundstimmung ohne dabei ins Extreme zu verfallen. Mordern Rock, der berührt jedoch nicht deprimiert und genau hier haben Faces of March ein glückliches Händchen bewiesen. Auch die Alternative Rock-Schiene wird astrein befahren. Kein holpriges oder ungelenkes Ruckeln, sondern ein harmonisches Dahingleiten ist die erfolgreiche Basis für eine gelungene Reise im Zug des Mainstream-Rocks.
Nichtsdestotrotz hätte ich mir an einigen Stellen mehr Ecken und Kanten gewünscht, denn über weite Strecken sind eigene Konturen kaum erkennbar, was für den Anspruch von Eigenständigkeit eindeutig im Wege steht. Allzu häufig könnte ich unzählige Vergleiche mit bereits Gehörtem anstellen. Für Radiopublikum mag das OK sein (auch die etwas magere Spieldauer), denn man hört schließlich am Liebsten bereits Bekanntes. Für ernstzunehmende Fans mit einer gewissen kritischen Grundeinstellung ist das jedoch zu wenig auch wenn man versucht hat, immer wieder ein bisschen Progressive Rock hier und eine kleine Punk-Attitüde dort einzustreuen.

Tipp:
 Nicht so melancholisch wie Christina Scabbia, nicht so kess wie Marta Jandová und nicht so rockig wie Avril Lavigne, aber von jeder etwas. Eine Mischung, die angenehmes Musikhören garantiert.

Titel-Liste:
 
  1. Not Enough
  2. Drowning
  3. Broken
  4. Too Late
  5. Who's to blame
  6. Turn around
  7. Nothing
  8. Maybe
  9. Alone
  10. Wanna be

Laufzeit:
 35:30 Min.

Band-Infos:
 
  • www.facesofmarch.com 


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