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Review: The Flaw
 
DIFFERENT KINDS OF TRUTH

Album:
 DIFFERENT KINDS OF TRUTH, 2008, Yonah

Stil:
 Gothic Metal, Doom Metal, Wave

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 29.05.2008

Review:
 Manchmal stellen Bands nicht nur an die Zuhörer, sondern auch an sich selbst, recht hohe Anforderungen. Was soll ich davon halten, wenn vor Kurzem lese, dass eine Combo versucht, Gothic mit Black Metal zu verwursten? In jedem Fall stelle ich mir da schwer verdauliche Kost vor, jenseits von Blutwurst.
Da hört sich die stilistische Beschreibung des Vierers aus Dortmund doch deutlich bekömmlicher an. Gothic und Doom mit einem Schuss Wave lassen sich schon besser kombinieren oder wahlweise sortenrein genießen.
Was beim ersten Schnelldurchlauf bereits angenehm auffällt, ist die Tatsache, dass man zur Abwechslung einmal nicht versucht hat, gleich jede musikalische Ritze mit Bombast zu ertränken, wie es so viele Genre-Kollegen gerne tun. Das Debüt DIFFERENT KINDS OF TRUTH wirkt authentisch und erfrischend eigenständig trotz der nahezu zwangsläufigen Nähe zur Gothic-Dutzendware.

Mit Piano-Klängen startet der Opener "The Gift". Wer jedoch denkt, hier wird schon zu Beginn pathetisch eingelullt, der hat die Rechnung ohne die recht kantige Gitarrenfront und druckvolle Rhythmusfraktion gemacht. Druckvoll wird hier nach Vorne marschiert und Alexandra Leu lässt schon Mal ihr Können aufblitzen.
Etwas düsterer mit interessanten Breaks präsentiert sich "Strange Land". Die Frontfrau bekommt dabei eine dezente männliche Background Vocal zur Unterstützung. Genre-untypisch sind in jedem Fall die Double-Bass-Attacken, die allerdings recht gut ins gesamte Konzept passen.
"On a Windowshelf" zeigt seine doomigen Krallen nicht sofort, die Hinführung ist durchaus eher vom Gothic geprägt. Wenn sie dann jedoch gezückt sind, so krallen sie sich gnadenlos fest und verwandeln die Hooklines in zähflüssigen süßen Honig mit ein paar Stückchen Bitterorange. Lediglich die Breaks sorgen für einige kurzweilige Tempo-Forcierungen.
Auch wenn die Glocken-Klänge gleich zu Beginn von "Fragile" vielleicht an ein Kinderlied erinnern, so mausert sich der Song schnell zu einer abwechslungsreichen Achterbahn-Fahrt der Emotionen und Tempowechsel. Leider ist er fast ein bisschen zu kurz geraten.
Klassischer groovender Gothic mit dezentem Chor und eingängiger Keyboard-Linie begleiten Alexandra bei "All the Worlds Darkness", die hier mit emotionsgeladener Stimme schlafwandlerisch sicher nicht nur alle düsteren Stellen hervorragend meistert. Anders wie beim Vorgänger passt auch die Länge des Songs perfekt.
Gitarren-Intro und sehr verhalten begleitender Double-Bass bilden das Fundament für "The Tempest". Hier haucht sich Alexandra mit männlicher Unterstützung durch die balladesken Windungen und lässt trotz Melancholie keine düstere Finsternis aufkommen.
Die restlichen Songs bieten nicht mehr viel an Neuem oder Interessantem. "Dark Light District" lässt noch ein bisschen den "Rammstein" durchblitzen, aber das war's dann schon.
Nach einer knappen Dreiviertelstunde, wenn der letzte Ton des Outro verklungen ist, fällt es mir jedoch nicht schwer, nochmal den Start-Knopf zu drücken. Play again...

Fazit: Ein durchaus gelungenes und abwechslungsreiches Debüt mit einer lobenswerte Frontfrau, die punktgenau auf männliche Backing-Vocals Hilfe zählen kann. Trotz düsterer Atmosphäre bleibt die Luft jedoch zu jeder Zeit atembar und erdrückt nicht mit Bombast. In diesem Genre nicht gerade häufig anzutreffende Double-Bass-Einsätze, spürbare Gitarrenhärte und der Verzicht auf allzu dominante Keyboards werten den Gesamteindruck deutlich auf.
Lediglich zum Ende des Albums lässt man die Zügel etwas zu sehr schleifen. Hier wäre ein schnelleres Auf-den-Punkt-kommen und variableres Songwriting wünschenswert gewesen.

Tipp:
 Sicherlich eine interessante Sache für Gothic-Fans, die sich auch ohne Bombast in ihren Lack- und Lederklamotten wohl fühlen. Wer jedoch immer im Takt bleiben möchte, der sollte schon geübt sein im schnellen Tanz mit Plateau-Schuhen.

Titel-Liste:
 
  1. The Gift
  2. Strange Land
  3. Seven Hours
  4. On a Windowshelf
  5. Fragile
  6. All the Worlds Darkness
  7. Revelation
  8. The Tempest
  9. Dark Light District
  10. Mute
  11. Outro

Laufzeit:
 44:49 Min.

Band-Infos:
 
  • www.theflaw.de 

  • Probehören und Kaufen:
    The Flaw: DIFFERENT KINDS OF TRUTH

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