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Review: Funeral
 
AS THE LIGHT DOES THE SHADOW

Album:
 AS THE LIGHT DOES THE SHADOW, 2008, Indie

Stil:
 Doom Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 V.R., 30.07.2010

Review:
 Als Funeral im Jahr 1993 ihre Debüt-EP TRISTESSE veröffentlichten, boten sie für die damalige Zeit etwas völlig Neues. Funeral Doom gab es zwar schon, doch die Vorreiterbands dieser Zeitlupenmusik wie Thergothon oder Skepticism agierten musikalisch wesentlich minimalistischer. Funeral scheuten dagegen nicht vor dem Einsatz von Keyboards und Frauenstimmen zurück und angelten sich mit ihrer unglaublich traurigen Musik schnell den Titel der "most depressing band in the world". Doch Funeral musizieren nicht nur unglaublich finster, sie leben ihre Musik. Das hatte leider auch zur Folge, dass bereits zwei Bandmitglieder den Freitod wählten. Inzwischen hat sich der Stil der Gruppe etwas verändert. Statt Frauengesängen bekommen wir heuer die bewusst monoton eingesetzte Stimme von Frode Forsmo zu hören. Funeral Doom spielt die Band heutzutage auch nicht mehr, sondern eher klassischen Doom Metal mit dezenten symphonischen Anleihen. Obwohl sich das Tempo deutlich erhöht hat, ist die Musik kein bisschen fröhlicher geworden. Im Gegenteil, so depressiv wie auf ihrem Album AS THE LIGHT DOES THE SHADOW, auf dem die Band sogar mit einem ganzen Orchester zusammenarbeitet, klangen Funeral noch nie.

Gleich der erste Song "The Will to die" enthält alle Markenzeichen der "neuen Funeral". Neben den depressiven Melodien, dem schleppenden Tempo und den schweren Riffs ist das vor allem Frode Forsmos einzigartige, stark gewöhnungsbedürftige Stimme. Irgendwie passt dieser monotone Gesang trotz seiner manchmal anklingenden Disharmonie zur Musik. Für Stimmung sorgt hier aber besonders der Einsatz eines Orchesters. Man spürt förmlich das Leid, das die Band nach dem Verlust zweier Bandmitglieder durchlebte.
Ganz ähnlich gehen Funeral auch bei "Those fated to fall" zu Werk. Nichts anderes als Trauer und Verzweiflung strahlt der Song aus. Trotz einer Länge von über sieben Minuten ist der Titel abwechslungsreich genug, um den Hörer zu keiner Zeit zu langweilen. Auch hier hebt das Orchester den Titel weit über den Durchschnitt. Wo andere auf schnöde Keyboards setzen, sind es hier echte Instrumente, die Atmosphäre schaffen.
Die tonnenschweren Gitarrenriffs zu Beginn von "The Strength to end it" erinnern stark an My Dying Bride. Auch sonst klingt die Band hier sehr nach den britischen Trauerweiden und baut mit finsteren Melodien und unerwartet aggressivem Gesang eine bedrohliche Stimmung auf.
Ganz anders ist da "The elusive Light". Dieser Titel wird wieder von extrem depressiven Klängen bestimmt. Auch das Tempo wird etwas heruntergefahren, doch von Funeral Doom ist man immer noch ein gutes Stück entfernt. Stellenweise wirkt der Gesang bei diesem sonst sehr gelungenen Song leider etwas unpassend.
Bei "In the fathoms of Wit and Reason" ist Frode Forsmos Stimme fast nicht wiederzuerkennen. Hier versucht er sogar zu singen, was ihm leidlich gelingt. Ansonsten wird der Titel hauptsächlich von Drums im Zeitlupentempo und schweren düsteren Gitarrenriffs bestimmt, denn das Orchester hat weitgehend Sendepause. Das Niveau der bisherigen Lieder wird dabei nicht erreicht.
Auch "Towards the end" beginnt mit tiefergestimmten Gitarren, doch kurze Zeit später tauchen auch die anderen inzwischen liebgewonnenen musikalischen Elemente der Band wieder auf. Auch der Sänger lässt seine Stimme im gewohnt monotonen Sangesstil erklingen. Hier schafft es die Band wieder, Atmosphäre aufzubauen.
Mit "Let us die alone" gelingt es Funeral, die ohnehin schon depressive Stimmung des Albums noch weiter zu verfinstern. Nach einem kurzen tieftraurigen Oboenintro presst die Band hier derart viel Melancholie in den Song, dass die Idee des Wunsches, alleine zu sterben, musikalisch perfekt umgesetzt wurde.
Auch "The Absence of Heaven" ist tieftraurig geraten, so stellt man sich wohl eine tongewordene Beerdigung vor. Wenn man sich erst mal an die Eigenheiten der Band gewöhnt hat, kann sich die düstere Stimmung voll entfalten. Dieser Song ist mit über acht Minuten allerdings etwas zu lang geraten.
"Hunger" bietet eine noch üppigere Spieldauer. Ganze neun Minuten und achtzehn Sekunden Trauer und Leid wurden hier in ein Lied gepackt. Da aber mehr Abwechslung als beim letzten Titel geboten wird, ist dieser Song zwar lang, aber nicht langatmig.
Zum Abschluss gibt es mit "Fallen one" das kürzeste Lied der CD. Nach gut vier Minuten ist der Song wieder vorbei. Das soll aber nicht bedeuten, dass wir es hier mit chartskompatiblen Weichspül-Doom zu tun haben. Ganz im Gegenteil, diese Nummer ist wirklich speziell, da auf Instrumente komplett verzichtet wird. Frodes Stimme wurde mehrfach aufgenommen und acappella-mäßig übereinandergelegt. Das erzeugt eine sehr choralähnliche Stimmung, die fast an gregorianische Mönche erinnert. In jedem Fall handelt es sich um einen äußerst interessanten Ausklang für das Album.

Fazit: Will man AS THE LIGHT DOES THE SHADOW mit einem Wort beschreiben, passt vor allem ein Ausdruck: gewöhnungsbedürftig. Nach dem ersten Hören wollte ich die CD ursprünglich wesentlich schlechter bewerten. Doch nach und nach habe ich das Album doch noch für mich erschließen können. Die Stimmung der Band ist wirklich einzigartig, was zu einem großen Teil auch an dem speziellen sehr monotonen Gesangstil liegt. Wer damit keinen Umgang findet, für den ist dieses Album gar nichts. Alle Lieder sind zudem sehr lang geraten, was zu einer Gesamtspielzeit von über 70 Minuten führt. Bei manchen Songs macht das gar nichts aus, andere Lieder hätte man aber auch kürzer halten können. Das Album jetzt zu benoten, fällt mir auch nach mehrmaligem Hören äußerst schwer. Die traurige Stimmung wurde wirklich perfekt eingefangen, aber an einigen der Eigenarten der Band störe ich mich bis heute. Die fünf Punkte sind somit als fauler Kompromiss anzusehen. In jedem Fall sind Funeral aber eines nicht: kommerziell glattgebügelt.

Anspieltipps:
 Da fast alle Song extrem lang geraten sind und mehrmals gehört werden müssen, um zu wirken, kann ich keinen Song als Anspieltipp empfehlen.

Tipp:
 Generell könnte das Album für alle Doom Metal-Fans interessant sein, insbesondere für aber My Dying Bride-Anhänger, da manche der Songs in eine ähnliche Richtung gehen. Man muss sich dafür aber erst mal an die Besonderheiten der Band gewöhnen, um Gefallen an der Musik zu finden.

Titel-Liste:
 
  1. The Will to die
  2. Those fated to Fall
  3. The Strength to end it
  4. The elusive Light
  5. In the Fathoms of Wit and Reason
  6. Towards the End
  7. Let us die Alone
  8. The Absence of Heaven
  9. Hunger
  10. Fallen one

Laufzeit:
 71:57 Min.

Band-Infos:
 
  • www.funeralband.no 

  • Probehören und Kaufen:
    Funeral: AS THE LIGHT DOES THE SHADOW

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