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Review: Grenouer |
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Album:
| | LIFE LONG DAYS, 2008, Locomotive |
Stil:
Wertung:
| |  4,5 von 7 Punkten | | J.G., 18.06.2008 |
Review:
| | Wenn ich lese, dass die Band aus Russland kommt, brauche ich nicht lange in der Klischee-Schublade wühlen. Nachhaltig in Erinnerung sind mir das zunächst die damals von Bon Jovi entdeckten Gorky Park mit dem Smash-Hit "Bang", die leider wieder völlig in der Versenkung verschwunden sind. Oder ich denke an die Viking Metal-Recken von Nomans Land, die in den letzten Jahren verzweifelt versucht haben, den skandinavischen Drachenbooten Paroli bieten zu können.
Und nun liegt das neue Album LIFELONG DAYS der Russen Grenouer im Player, um sich zu beweisen. Stilistisch sollte man nicht den Fehler begehen, auf eine Thrash-Band zu schließen, nur weil sie demnächst als Support für Testament auf Tour gehen werden.
Die Band hat durchaus die Zeichen der Zeit erkannt und sich nicht nur ideologisch von Hammer und Sichel befreit, sondern auch von allem "Classic Metal". Hier wird gnadenlos Modern Metal gezockt, was ungefähr so klingt, wie ein gitarrenlastiger Wayne (Static-X) kombiniert mit Riff-Anleihen von Rammstein und verrückten Berg- und Talfahrten von Meshuggah. Sänger Ind wartet dabei mit der maximal möglichen Bandbreite auf. Egal ob cleaner oder rauer Gesang, Shoutings, Grunts oder elektronisch verzerrt, schöpft er aus den Vollen. Dass daraus nicht unbedingt ein schlechter Klon entstehen muss, sondern durchaus ansprechende eigenständige Mucke ist schon mal die erste angenehme Überraschung.
Da mag es auch nicht verwundern, wenn die schon seit den 90ern existierende Band in ihrer Heimat Kultstatus erreicht hat.
Mal sehen, wie sie abschneiden, diese Russen, gegen die Schweden. Ach, hoppla, da habe ich den falschen Ton aufgeschaltet, denn lustigerweise muss sich heute auch Fußball-Russland bei der Europameisterschaft gegen Schweden beweisen und alles geben, um noch das Halbfinale zu erreichen. Und Klatsch, nach wenigen Momenten liegt schon der erste Russe am Boden nach einem unabsichtichen Tritt ins Gesicht durch Ibrahimovic. Aber das ist "andere Baustelle"...
Der Opener "Indecent Loyalty" geht schon mal richtig nach vorne los. Als wäre Wayne Static Pate gestanden und hätte lediglich sein Keyboard gegen Gitarren getauscht, pflügt sich der Song mit rauen Hardcore-Shouts schon mal in die Gehörgänge. Lediglich einen etwas griffigen Refrain vermisse ich.
Auch "Addicted to you" überzeugt mit druckvollen Riffs und einem, trotz harten Shoutings, melodischen Refrain. Damit erschöpft sich dann aber auch schon wieder die Gefälligkeit.
"Taken off the List" beginnt mit einem durchaus viel versprechenden Groove, der jedoch im weiteren Verlauf zu häufig mit Tempowechseln unterbrochen wird, um wirklich zum Mitnicken einzuladen.
Fulminanter Start mit Drum-Blasts und harten Gitarren bei "With no Concern", dass trotz toller Leistung aller Beteiligten eher den Titel "With no Concept" verdient hätte. Da hilft auch der leidenschaftliche Einsatz von Ind's Stimmbändern nicht wirklich.
So richtig melodisch für Grenouer-Verhältnisse präsentiert sich "Away from Now" und gehört deshalb auch zu den wenigen Songs mit einer gewissen Dauerwirkung.
"Jaaaaa... Wayne Static is back" - ach nein, das kann Ind bei "Finding the one" genauso gut. Würde man sich die Hardcore-Anleihen wegdenken, so könnte der Song auch auf einem Album der ehemaligen Klassenfeinde aus dem Amiland zu finden sein. Auch hier hinterlässt es einen recht guten Eindruck und erweckt Hoffnung auf mehr.
Mit Volldampf knüppelt Drummer Grave mit "The Unexpected" alles nieder, was sich ihm in den Weg stellt. Dafür packt er auch schon mal die großen Kessel aus. Auch die Gitarren schlagen sich achtbar. Lediglich bei Fonstmann Ind gibt es nichts Neues zu vermelden. Brachial rau vorgetragene Abschnitte wechseln sich ab mit elektronisch verzerrten cleanen Stellen. Alles, wie gehabt.
Zu erwähnen ist noch der letzte Titel "Patience" mit seinen überwiegend synthesizerlastigen spacigen Einlagen, ultratief gestimmten Gitarren und der verzerrt klingenden Gesangsarbeit. Ein durchaus gefälliger, wenn auch etwas blasser Schlusspunkt, der nicht wirklich zu einem sofortigen Neustart motivieren kann - vielleicht morgen wieder. Jetzt bin ich nur gespannt, wie sich die russischen Fußakrobaten schlagen werden...
Fazit: In jedem Fall hat sich die Produktion mit Anssi Kippo im finnischen Astia Studio, wo auch Children of Bodom zugange sind, gelohnt. Brachial, crazy und druckvoll verlassen hier die Riffs die Boxen, um sich dann beim Zuhörer richtig zu entfalten. Mit diesem Werk, dem es an Eingängigkeit und tempomäßiger Ausgewogenheit fehlt, können sie in diesem Genre durchaus auch den Großen der Szene ein paar Fans abringen. Lediglich den eigentlichen Masterplan vermisse ich etwas. Nichts gegen Tempowechsel, aber was zuerst variantenreich klingen mag, wandelt auf schmalem gefährlichen Grat entlang mit der Gefahr in die Konfusion zu stürzen. Vielleicht mentalitätsbedingt, wird von den Russen manchmal einfach zu dick aufgetragen, frei nach dem Motto: Viel hilft auch viel. Mal sehen, vielleicht treibe ich zum Vergleichen auch mal den Vorgänger TRY auf. |
Tipp:
| | Hier sind die stiloffenen Metal- und Hardcore-Fans gefordert, die mit Sicherheit genügend Stoff zum Headbangen finden werden. |
Titel-Liste:
| | - Indecent Loyalty
- Addicted to you
- Taken off the List
- With no Concern
- Away from Now
- Finding the one
- Off the Back of Others
- The Unexpected
- Employed Beggar
- Re-Active
- Patience
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.grenouer.com  |
Probehören und Kaufen:
Empfehlen:
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