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Review: Gurd
 
YOUR DRUG OF CHOICE

Album:
 YOUR DRUG OF CHOICE, 2008, Twilight

Stil:
 Thrash Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 03.02.2009

Review:
 Wie die Zeit vergeht. Da zocken die Schweizer Gurd doch tatsächlich schon seit 15 Jahren ihre ganz spezielle Art des Thrash und werden immer noch mehr oder weniger als Underground-Band gehandelt. Das mag sicherlich daran liegen, dass Bandchef V.O. Pulver und seine Combo auch nach dieser langen Zeit immer noch gerne jedem passenden Stil hinterher rennen, der irgendwie thrashig klingt und diese Einflüsse in ihren Eigenkompositionen durch den Fleischwolf drehen. Das Ergebnis ist abschnittsweise durchaus überzeugend, aber allzu häufige stilistische Breaks machen es schwer, den Songs wirklich zu folgen. So war es zumindest in der Vergangenheit und wer weiß, vielleicht beginnt mit YOUR DRUG OF CHOICE bei den Schweizern eine neue Zeitrechnung...

Mit mächtig Dampf unter der Haube geht der Opener und gleichzeitig Titelsong "Your Drug of Choice" in die erste Runde. Die Partylaune steigt und das schon nach nur wenigen Riffs.
Nicht zuletzt wegen Gastsänger Schmier entpuppt sich "Seven Starz" als eines der Highlights des Albums. Bleischwere Killer-Riffs schüren die Groove-Maschine und Power gibt mit Schmier sein Bestes. Gurd wären jedoch nicht Gurd, wenn der Song nach einem satten Break nicht zum Speedkiller mutieren würde. Genau so macht Thrash Spaß und ich hoffe auf noch mehr solche Kost.
"Once for all", an was erinnert mich der Song? Klar, Peavy's Rage mit BLACK IN MIND und END OF ALL DAYS zockten bereits Mitte der 90er solche Mucke, allerdings eine Spur melodischer. Anleihen aus der Vergangenheit tun jedoch der bisherigen Partystimmung keinen Abbruch und für Gurd-Verhältnisse ist der Song bereits "extrem" melodisch geraten.
Bei "Beneath the Sea" kommen einem zu Beginn sofort die Deutschen Thrash-Könige Kreator in den Sinn, die jedoch allzu schnell das zepter an neuzeitliche Größen, wie Machine Head & Co. abgeben zu müssen, um dann irgendwann im Nu Metal unterzugehen. Wäre man doch nur bei "Kreator" geblieben.
Als hätte der Frontmann nicht nur ein paar Gläser Hochprozentigen zu viel hinter die Binde gekippt, sondern auch einen Sack voll Steine verschluckt, schleppt sich "Madness Reigns" mit tief gestimmten Gitarren von Hookline zu Hookline. Thrash muss nicht immer schnell sein, um zu gefallen. Bei Songs wie "Nothing to lose" oder "Let me die in Dignity", wird dann schon mal die Turbokeule ausgepackt und mit hoher Drehzahl über den Köpfen der Fans geschwungen.
Wer's gerne etwas komplexer liebt, kommt mit "Refused" sicher auf seine Kosten. Tempowechsel bis zum Abwinken begleiten das gitarrenlastige Stück und sorgen für (etwas zu viel) Abwechslung bis zur letzten Sekunde. Das wilde Gitarren-Solo hat sich natürlich die Up-Tempo-Passage ausgesucht...
Mit dem Kiss-Cover "Cold Gin" geht es dann in die Schlussrunde und wer sich bisher nicht vorstellen konnte, dass Kiss und Thrash funktionieren würde, darf angenehm überrascht sein. Da haben Gurd wirklich ein feines Händchen beweisen, als sie diesen Klassiker in ihr Gewand gepresst haben.

Fazit: Auch nach 15 Jahren dreschen die Schweizer ihre Felle mit Inbrunst und liefern einen Keulenschwinger nach dem anderen ab. Mit über 55 Minuten ist der neue Silberling auch lobenswert reichhaltig ausgefallen.
Aber... bei aller Liebe zur Stiloffenheit stehen sich die Alpenländer manchmal selbst im Weg und opfern eingängiges geradliniges Songwriting der Vielfalt. Wer genauer hingeschaut (nicht gehört) hat, der hätte bei dem üppig bestückten Bauchladen des Covers schon stutzig werden sollen. Nein, ich meine nicht die beiden hübsch verpackten..., sondern den bunt gemischten Drogencocktail, der optisch geboten wird.
Ob es da nicht besser wäre, jeweils einzelne Songs pro Stil anzubieten, anstatt alles in ein Werk zu pressen, ist zu überlegen. Rühmliche Ausnahme aber auch Beweis, dass sie Thrash verinnerlicht haben, zeigt "Seven Starz" eindrucksvoll genug. Es bleibt die Hoffnung auf eine Besinnung in den nächsten 15 Jahren und mehr Songs vom Kaliber "Seven Starz".

Tipp:
 Stiloffene Thrash Fans finden hier sicherlich einige hörenswerte Songs. Und Gurd-Fans bekommen natürlich wieder genau das geboten, was sie sich gewünscht haben - nehme ich an.

Titel-Liste:
 
  1. Your Drug of Choice
  2. Seven Starz
  3. Once for all
  4. Colony Collapse Disorder
  5. Beneath the Sea
  6. Madness Reigns
  7. Nothing to lose
  8. Sceptic
  9. Refused
  10. Stuck in a Box
  11. Let me die in Dignity
  12. We stand up Today
    - - - Bonus - - -
  13. Cold Gin

Laufzeit:
 55:36 Min.

Band-Infos:
 
  • www.gurd.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Gurd: YOUR DRUG OF CHOICE

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