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Review: Gynger Lynn |
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Album:
| | BABY'S GONE BAD, 2010, Eonian |
Stil:
Wertung:
| |  3,5 von 7 Punkten | | V.R., 27.07.2010 |
Review:
| | Wenn sich im Jahr 1989 fünf junge Männer zusammentun, um gemeinsam Musik zu machen und ihre Band dann Gynger Lynn nennen, muss man wohl kaum dazu sagen, welcher Musikrichtung man dann frönt. Klar, dabei kann es sich nur um Glam Rock mit einer ordentlichen Portion Sleaze handeln. Ende der 80er waren diese sehr ähnlichen Musikstile dank des Erfolgs von Mötley Crüe und besonders von Guns n' Roses extrem angesagt. Damals war besonders der Glam Metal als sogenannter Hair Metal verschrien, da vielen Bands ihre Optik wichtiger war als die Musik selbst, die oft kraftlos aus den Boxen dröhnte. Bei BABY'S GONE BAD handelt es sich jedenfalls um eine Wiederveröffentlichung des zweiten Albums, das noch einmal neu abgemischt wurde. Bereits im letzten Jahr erschien das nach der Band betitelte Debüt-Album, das alte Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1989 und 1991 enthielt. Die neue Platte erschien ursprünglich im Jahr 1993, also in einer Zeit, während die ganze Welt unter der Grunge-Welle litt. Ein schlechtes Vorzeichen für das Album BABY'S GONE BAD?
Ungewöhnlich beginnt das Album mit Motorradgeräuschen und einem Stimmenwirrwarr im Hintergrund. Nach einer knappen Minute beginnt dann der eigentliche erste Song "Take me away", der ganz ordentlich Gas gibt. Gefälligen Hard Rock bieten Gynger Lynn hier, der besonders beim Gitarrensolo kräftig ausdreht. Die Vocals vom Dean Pressley sind allerdings etwas gewöhnungsbedürftig geraten.
Der erste Eindruck stimmt, dann wollen wir mal weiter abrocken - doch was ist das? Schon der zweite Song "Need to know" ist eine Halbballade. Nichts gegen ruhige Klänge, viele Rockballaden sind wunderschön, doch zu hoch darf die Soft Rock-Dichte auf einer Rockscheibe halt auch nicht sein. Glücklicherweise gewinnt der Song im weiteren Verlauf doch noch an Kraft. Ein bisschen an Skid Row erinnert die Band hier.
Bei "Baby's all talk" ist dann wieder alles im Lot. Nach dem pianounterlegten Intro erwartet den Hörer eine straighte Sleaze Rock-Nummer mit Ohrwurmrefrain. Bisher der beste Song.
Danach wird es wieder ruhiger. "Along the Way" ist die erste richtige Ballade des Albums, die sehr schön und verträumt ausgefallen ist. Auch der Kitschfaktor hält sich im erträglichen Maß.
Jetzt aber bitte wieder härtere Klinge - doch nein, als nächstes gibt es eine leicht bluesige Nummer namens "Yes it's true". Das muss ja per se nichts Schlechtes bedeuten, schließlich gibt es gute und weniger gute Bluestitel. Dieser hier gehört aber leider zur zweiten Sorte.
Der sechste Song "Need a little Love" gibt dann endlich wieder Gas. Die Nummer hat wenigstens ordentlich Drive, ist aber ansonsten ein bisschen schnulzig ausgefallen. Darüber hinaus unterscheiden sich die Melodien von Strophe und Refrain kaum, so dass wir auch hier leider von einem Lückenfüller sprechen müssen.
Damit sich hier keiner einen steifen Nacken holt, wird das Tempo bei "Goin' Home" gleich wieder gesenkt. Als Ballade kann man das zwar nicht bezeichnen, mehr als eine doch sehr langsame und dazu noch langweilige Rock-Nummer ist das aber auch nicht geworden.
Jetzt geht es ab auf die Kirmes, zumindest im Intro zu "Summertime". Und endlich spielen Gynger Lynn auch wieder ihre Stärken aus. Nicht nur, dass der Song ordentlich Druck macht, auch in Sachen Melodie ist hier alles stimmig. Songs von dieser Sorte müssten viel mehr auf der Platte enthalten sein.
Sollte der Wunsch tatsächlich in Erfüllung gehen? Es scheint fast so, denn auch "Lonely lonely" kann überzeugen. Besonders der schöne Refrain geht sofort ins Ohr. Sie können es also doch.
Weiter führt uns die Reise, weg vom Rummelplatz, hin zum Meer. Von schreienden Möwen werden wir begrüßt, bis sie langsam entschwinden und von sanften Akustikgitarren und einem Piano abgelöst werden. Richtig geraten, "Never find a better Girl" ist wieder eine Ballade, aber eine gute. Ganz romantisch gehen Gynger Lynn hier zu Werke, dabei natürlich mit extrem hohen Schmalzfaktor, der hier aber gar nicht stört.
Wem bis jetzt die rockigen Midtempo-Nummern zu kurz gekommen waren, der wird sich über "Wanna be your Lover" freuen. Oder auch nicht, denn gut ist dieser Titel wirklich nicht. Derart saftlose Riffs und solche langweiligen Melodien konnten weder 1993 noch im Jahr 2010 für Spannung sorgen. Nur das fetzige Gitarrensolo rettet den Song vor dem Totalausfall.
Mit einem Keyboard-Intro startet "The Chance" - wollen Gynger Lynn hier etwas Europes "The Final Countdown" covern? Na gut, die Melodie ist eine andere, aber originell ist der Song wirklich nicht. Gerade die Strophen klingen wie 1000 Mal gehört. Der Refrain geht zwar ganz gut ins Ohr, kann den Titel aber auch nicht mehr vom Mittelmass retten.
Inzwischen sind wir mit "Stay with me" schon bei Lied Nummer 13 angelangt. Eigentlich eine Unglückszahl, aber in diesem Fall nach einer langen Durststrecke endlich wieder ein guter Song! Nach einem sphärischen Keyboardintro rocken Gynger Lynn los und treten ordentlich aufs Gaspedal. Da der Refrain zudem eine sensationelle Ohrwurmmelodie aufweisen kann, ist dieser Titel mit Abstand der beste des Albums.
Zu Beginn von "Baby's gone bad" beweist Dean Pressley, dass er auch kräftig schreien kann. Der Song selbst könnte so schön sein, wäre der Refrain nicht extrem eintönig ausgefallen. Die Strophen sind nämlich sehr melodisch geraten und machen Lust auf mehr.
Bei "Way of the World" wird es noch mal etwas ruhiger. Der Titel ist vom Tempo her zwar eine Midtemponummer, härtemäßig ist er aber durchgehend ruhig gehalten. Was hier fehlt ist so etwas wie ein Spannungsaufbau. Von Anfang bis Ende plätschert der Song ohne Höhepunkte vor sich hin.
Nummer 16 ist dann der letzte Song. Glücklicherweise ist wenigstens der Abschluss wieder einigermaßen stimmig. "Bad Luck" fällt in die berüchtigte Rubrik "ganz nett". Man kann sich das Lied gut anhören, es tut nicht weh, hängen bleibt allerdings auch nichts.
Fazit: Mussten es wirklich ganze 16 Songs werden, die hier aufs Album gepresst wurden? So schlecht ist BABY's GONE BAD nämlich eigentlich gar nicht und enthält acht wirklich ordentliche bis gute Songs, besonders in der zweiten Hälfte der Platte. Wären alle Titel so gut wie "Stay with me", hätten wir es hier sogar mit einem absoluten Topalbum zu tun. Wären da nur nicht die restlichen acht acht Songs, die man leider größtenteils als Totalausfälle bezeichnen muss. Genau die Art von Liedern, die man beim zweiten Durchhören, wenn es denn ein solches überhaupt gibt, konsequent überspringt. Es wäre wirklich schlauer gewesen, weniger Songs aufzunehmen und an denen noch ein bisschen länger zu feilen. Dann hätten Gynger Lynn vielleicht ein gutes Album abgeliefert. Zumindest die anfängliche Befürchtung, dass das Album zu großen Teilen aus Balladen bestehen könnte, bewahrheitet sich nicht, denn in der zweiten Hälfte geben Gynger Lynn fast durchgängig ordentlich Gas. Es ist also nicht mangelnde Härte, die man der Band ankreiden muss, sondern eher mangelnde Qualität. Dieses Endergebnis kann leider nur hartgesottenen Glam-Fans empfohlen werden. Wer richtig guten Glam Metal oder Sleaze Rock hören will, muss weiterhin zu den alten Platten von Skid Row, den L.A. Guns, Ratt oder Guns n' Roses greifen. |
Anspieltipps:
| | "Baby's all talk", "Along the way", "Summertime", "Never find a better Girl", "Stay with me" |
Tipp:
| | Wer gerne die L.A. Guns oder Lillian Axe mag, könnte mit Gynger Lynn vielleicht was anfangen. |
Titel-Liste:
| | - Take me away
- Need to know
- Baby's all talk
- Along the way
- Yes it's true
- Need a little Love
- Goin' home
- Summertime
- Lonely lonely
- Never find a better Girl
- Wanna be your Lover
- The Chance
- Stay with me
- Baby's gone bad
- Way of the World
- Bad Luck
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.myspace.com/gyngerlynnrocks  |
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