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Review: Haggard
 
TALES OF ITHIRIA

Album:
 TALES OF ITHIRIA, 2008, Drakkar

Stil:
 Symphonic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 S.M., 19.10.2008

Review:
 Haggard sind eine äußerst ungewöhnliche Band. Und damit meine ich nicht nur ihren Musikmix, der sich aus Elementen des Heavy Metal, des Death Metal, der Mittelaltermusik und Klassik zusammensetzt. Auch die Bandgröße ist ungewöhnlich, denn das Orchester ist voll in die Band integriert. Lediglich der Chor und klassische Sänger erfüllen einen Gaststatus. Insgesamt wirken bei Haggard rund 20 feste Musiker mit. Der Kopf hinter diesem faszinierenden Projekt heißt Asis Nasseri und kümmert sich neben dem Songwriting und Gitarrenspiel vor allen Dingen um die aggressiven Parts der Gesangsabschnitte.
Seit dem letzten Album EPPUR SI MUOVE sind bereits vier Jahre vergangen. Eine recht lange Zeit, die auch vermuten lässt, dass Nasseri sich unheimlich viel mit dem Komponieren und Austüffteln eines Konzepts befasst hat. Nun liegt uns das neue Werk TALES OF ITHIRIA vor. Im Gegensatz zu den diversen Vorgängern beruht es nicht auf historischen Tatsachen, sondern ist eine reine Fantasy-Geschichte, die den alten Kampf von Gut gegen Böse zum Inhalt hat.

Es gibt auf TALES OF ITHIRIA aber noch einen grundlegenden Unterschied zu den Vorgängern. Die einzelnen Phasen fließen viel besser ineinander über. Ein Death Metal-Abschnitt wird beispielsweise mit klassischem Thema kombiniert, wie es mir besonders gut bei "Chapter II - Upon fallen autumn Leaves" und " Chapter IV - The sleeping Child" auffällt. Nasseri growlt mit symphonischem Hintergrund und auch der Chor meldet sich im Death-Metal-Sound mal klassisch zu Wort. Auf den früheren Alben wurden die Elemente deutlicher getrennt und bestanden mehr aus Wechseln, doch der neue Weg scheint mir ein klarer Fortschritt zu sein.
Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen von der Regel wie beispielsweise "Chapter III - La Terra Santa" zeigt, bei dem das Wechselspiel zwischen metalischen und klassischen Abschnitten nach älteren Vorgaben noch beibehalten wurde.
Das größte Plus dieses Albums sind aber sicherlich die starken Melodien, die den Hörer zu bezaubern wissen und von der Band und den klassisch ausgebildeten Gastsängern auch hervorragend vorgetragen werden.
Die mittelalterlichen Anteile wurden zurückgeschraubt und sind spärlicher gesät. Lediglich bei dem ritterlich anmutenden Interlude " In des Königs Hallen (Allegretto Siciliano)" wird mit starken Bläserabschnitten dieser Schiene gefrönt.
Manchem wird in der Tracklist bereits der Titel "Hijo de la Luna " aufgefallen sein. Es handelt sich in der Tat um eine weitere Interpretation dieses spanischen Liedes, das durch die Pop-Sängerin Loona recht bekannt wurde. Haggards Variante ist sowohl metalischer, als auch symphonischer und kann mich alleine dadurch schon begeistern. Wie der Song in das Fantasy-Konzept passt, ist mir allerdings nicht klar.
Erwähnenswert sind darüberhinaus noch die gesprochenen Ein- und Überleitungen von Drummer Mike Terrana, der auf TALES OF ITHIRIA wohl aber nur den Erzähler mimt. Sein tiefes, kraftvolles Organ ist hierfür auch bestens geeignet und er braucht sich in dieser Funktion auch nicht hinter der Stimme des bei solchen Gelegenheiten häufig gehörten Christopher Lee verstecken.

Fazit: Im Fazit kann man ohne Zweifel sagen, dass Haggard erneut ein starkes Album abgeliefert haben. Im Großen und Ganzen wird die Metal-Power etwas zurückgefahren und den klassischen, opernhaften Abschnitten mehr Raum gegeben. Die Kompositionen sind einfach nur beeindruckend und vor Nasseris Leistung in Punkto Songwriting muss man den Hut ziehen. Aber natürlich ist auch die musikalische Umsetzung von dem Bandleader und seiner umfangreichen Truppe ohne Makel.
Es gibt auf TALES OF ITHIRIA sicherlich leichte Veränderungen gegenüber den Vorgängerwerken, aber diese wirken sich keinesfalls negativ aus. Sicherlich muss man diese Vermischung solch unterschiedlicher Musikarten abkönnen, aber in meinen Augen ist TALES OF ITHIRIA eine absolut empfehlenswerte Scheibe geworden, die sich mit Haggards bisher stärkstem Werk EPPUR SI MUOVE messen kann. Ich hoffe nur, Meister Nasseri lässt bis zum nächsten Longplayer nicht wieder so viel Zeit verstreichen.
Ein bisschen ernüchternd finde ich die für die lange Entwicklungszeit sehr kurze Spieldauer, denn wenn man die Coverversion abzieht, verbleiben gerade mal 38 Minuten eigenes Material.

Anspieltipps:
 Das ganze Album präsentiert sich als eine perfekte Einheit, so dass die Nennung von speziellen Anspieltipps müßig wäre.

Tipp:
 Wer der Symbiose von Metal-Elementen und klassischer Musik etwas abgewinnen kann, sollte sich TALES OF ITHIRIA nicht entgehen lassen.

Titel-Liste:
 
  1. The Origin
  2. Chapter I - Tales of Ithiria
  3. From Deep within
  4. Chapter II - Upon fallen autumn Leaves
  5. In des Königs Hallen (Allegretto Siciliano)
  6. Chapter III - La Terra santa
  7. Vor dem Sturme
  8. Chapter IV - The sleeping Child
  9. Hijo de la Luna
  10. On these endless Fields
  11. Chapter V - The hidden Sign

Laufzeit:
 42:50 Min.

Band-Infos:
 
  • www.haggard.de 


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