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Review: Hammerfall
 
NO SACRIFICE, NO VICTORY

Album:
 NO SACRIFICE, NO VICTORY, 2009, Nuclear Blast

Stil:
 True Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 20.02.2008

Review:
 Die Könige des europäischen True Metal, die Skandinavier von Hammerfall präsentieren knapp drei Jahre nach dem eher mäßigen THRESHOLD ihr neues Werk NO SACRIFICE, NO VICTORY. Die Erwartungen, die an einen Throninhaber gestellt werden sind bekanntlich sehr hoch, denn die Menge der Möchtegern-Thronerben wird immer größer. Es wird interessant sein, in wie weit der Ausstieg der beiden sympathischen Musiker Magnus Rosen und Stefan Elmgren durch die Neuzugänge Frederik Larsson und Pontus Norgren kompensiert werden konnten - zumindest im Studio.

Der flotte Einstieg mit dem Opener "Any Means Neccessary" sorgt bereits nach wenigen Strophen für vertraute Groove-Stimmung, die mit gefälligem Refrain und fetten Chören untermauert werden. Neben einem etwas harmlos wirkenden Gitarren-Solo fehlt es etwas an wirklichen Überraschungen. An jeder Kreuzung ist vorhersehbar, wohin der Weg wohl führen mag.
Leicht, locker und fröhlich beschwingt sorgt auch das nachfolgende "Life is now" mit seinen hymnischen Chören für angenehme Partystimmung, lässt jedoch, abgesehen vom engagierten Gitarrensolo, schmerzlich Ecken und Kanten vermissen.
Deutlich mehr "heavy" bietet da schon das tierisch groovende "Punish and enslave", welches trotz melodischer Chöre und etwas simpel gestricken Riffs die gesunde Härte auch über die gefälligen Refrains hinaus beibehält. In jedem Fall das erste Highlight des Albums. Oscar, du kannst es doch, warum bisher so verhalten?
Die Enttäuschung folgt mit "Legion" auf dem Fuße. Was mit elektronisch generiertem Tiergeknurre und verfremdeten Stimmen aus der Gruft beginnt, entwickelt sich leider zu einer glattpolierten melodischen Up-Tempo-Hymne, anstatt auf metallisch gruseligem "Powerwolf"-Kurs zu bleiben. Daran ändern auch die doppelläufigen Gitarren in Helloween-Tradition oder das flotte Solo mit galoppierender Drum-Unterstützung nichts.
Elektronik gibt es auch im Intro zu "Between two Worlds", jedoch sind es satte Orgelklänge, die hier wirklich gut in Szene gesetzt werden, bevor die eigentliche Ballade startet. Obwohl man sich fast fünfeinhalb Minuten Zeit nimmt, muss ich den Song mit Ausnahme des Intros allerdings in die Schublade "Reißbrett-Dutzendware" einsortieren, die gerade noch durch Joacims Gesangsleistung über den Tellerrand der Massenware gehievt werden kann.
Endlich ein stampfender True Metaller nach Maß. "Hallowed be my Name" lässt von Anfang an kaum jemanden ruhig verharren und bewahrt sich seine metallische Härte bis zum Schluss. Highlight Nummer #2.
Mit knackigem Gitarren-Intro und jeder Menge Schwung ist "Something for the Ages" sicherlich ein hörenswertes Instrumental. Ob man sich jedoch angesichts der Gesamtspieldauer und abzüglich der Cover-Version dafür gleich satte fünf Minuten Zeit nehmen muss?!? Offensichtlich wurden hier auch alle "Ecken und Kanten" hineingepackt, die man in den übrigen Songs schmerzlich vermisst...
Der anschließende groovende Titelsong "No Sacrifice, No Victory" hält wacker die Flagge des True Metals hoch in den Himmel und sorgt für stilistische Abwechslung. Mit Gitarren-Riffs, die ich seit den guten alten Zeiten des Duos Hoffmann/Fischer (Accept) nicht mehr gehört habe, kann er auf der ganzen Linie überzeugen, ist nach meinem Geschmack jedoch etwas zu kurz geraten.
Und schade, dass hier nur die Studio-Version des hymnischen Nackenbrechers "Bring the Hammer down" auf dem Album vertreten ist. Zu gerne würde mich eine Live-Version interessieren, wo sich die beiden Gitarristen auf der Bühne austoben und die Fanscharen in Verzückung versetzen.
Bevor das Album in die Schlussrunde ein läuft haben Hammerfall mit "One of a Kind" einen episch dichten Edelbrocken abgeliefert, den man nach dem bisherigen Verlauf kaum noch erwartet hätte. Umso erfreuter bin ich, dass es die Schweden wirklich drauf hätten, wenn sie denn wollten. Transparente verspielte Passagen wie zu Zeiten von Iron Maiden's X-FACTOR wechseln mit rhythmusbetonten und vollfetten Hooklines. Nach dem Titelsong hat sich knapp vor dem Torschluss damit noch ein viertes Highlight eingeschmuggelt.
Noch heute kann man den Hit der Jungs The Knack im Radio hören. Genauso zwiegespalten, wie zu Grave Digger's Cover-Version des Thin Lizzy-Klassikers "Jailbreak", bin ich auch hier. Mit "My Sharona" hat man sich an einen perfekten Party-Hit heran gewagt, den man eigentlich nur "schlechter" nachspielen kann. Was bei Russ Ballads dünnem "God gave Rock'n'Roll to you" von Kiss zum Edelbrecher umgebaut wurde, ist hier im Vergleich gut gemeint und handwerklich solide umgesetzt, aber auch nicht mehr.

Fazit: Bei allem Bemühungen und erkennbaren Verbesserungen, der längst überfällige absolute Überhammer ist es auch diesmal nicht geworden. Solide Kost mit gewissen Steigerungen seit THRESHOLD sind spürbar. Es wurde Wert auf eine druckvolle Produktion und abwechslungsreiche Songkost gelegt, wobei jedoch gerade bei Letzterem einige Schwächen in der Ausführung auffällig sind. Allzu sehr gleichen sich die höchst melodiösen Refrains, sodass häufig die Grenzen zwischen "ehrlichem True Metal" und "kalkulierter Berechnung" verschwimmen. Dieses Urteil mag hart klingen, denn Hammerfall bieten nach wie vor Musik, die gefällt und bewegt. Wer jedoch an der Spitze eines Genres stehen möchte, dem muss klar sein, dass "oben" ein deutlich eisigerer und kritischerer Wind weht, als an der Basis, im Sumpf der namenlosen Möchtegern True Metaller. Hier und da werden Ecken und Kanten genau so, wie kleine Überraschungen erwartet, die man seit GLORY TO THE BRAVE schmerzhaft vermisst.
Klar, der angenehme Nebeneffekt des Kalküls ist, dass man auch nach ein paar Maß zu viel, immer noch mühelos die Refrains aus vollem Hals mitträllern kann, was für gehörig Partystimmung sorgen mag. Manche sind damit schon zufrieden und so lange die Merchandise Maschine mit "Zip Hoods" in "Hammered Deluxe"-Ausführung noch massenhaft über den Ladentisch gehen, müssen sich die Schweden auch noch keine Sorgen machen.

Anspieltipps:
 "Punish and enslave", "Hallowed be my Name", der Titel-Song "No Sacrifice, No Victory" und die epische Edelkost "One of a Kind".

Tipp:
 Wer Gefallen an den letzten Hammerfall-Alben gefunden hat, der wird hier sicherlich ebenfalls voll auf seine Kosten kommen. Freunde der ersten Stunde, die besonders von THRESHOLD enttäuscht waren, sollten hier wieder etwas genauer hinhören.

Titel-Liste:
 
  1. Any Means Neccessary
  2. Life is now
  3. Punish and enslave
  4. Legion
  5. Between two Worlds
  6. Hallowed be my Name
  7. Something for the Ages
  8. No Sacrifice, No Victory
  9. Bring the Hammer down
  10. One of a Kind
  11. My Sharona

Laufzeit:
 49:43 Min.


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