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Review: Hammerfall |
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Album:
| | INFECTED, 2011, Nuclear Blast |
Stil:
Wertung:
| |  4 von 7 Punkten | | V.R., 20.05.2011 |
Review:
| | Mit NO SACRIFICE, NO VICTORY hatten Hammerfall nach einigen etwas schwächeren Alben endlich wieder eine richtig gute Platte veröffentlicht. Klar, die ungestüme Genialität des Debüt-Albums GLORY TO THE BRAVE konnte das Album genauso wenig erreichen wie die Perfektion des zweiten Albums LEGACY OF KINGS, doch letzten Endes bot die Scheibe endlich mal wieder richtig gute, hochklassige Hammerfall-Songs mit ordentlich Power. Neuartige Ideen oder kreative Neuausrichtungen bot das letzte Album dagegen gar nicht, NO SACRIFICE, NO VICTORY stand letzten Endes für Altbekanntes auf hohem Niveau. Bei ihrem neuen Album INFECTED verfolgen Hammerfall nun einen anderen Ansatz. Sie wollen weg vom perfekt produzierten, glattgebügelten True Metal und hin zu einem erdigeren, ursprünglicheren Metalsound und komplexeren Songstrukturen. Konsequenterweise wurde die neue Scheibe nicht wie sonst von Charlie Bauerfeind produziert. Stattdessen durfte mit James Michael ein Ami den letzten Schliff an INFECTED anlegen. Auch der gewohnte Hammerfall-Schriftzug ist verschwunden und das Bandmaskotten Hector kann man ebenfalls lange auf dem Cover suchen. Stattdessen scheint sich die ganze Scheibe, optisch wie textlich, um Zombies und Untote zu drehen. Was sich sonst noch geändert hat im Hause Hammerfall und ob anders auch gleich besser ist, klärt die folgende Rezension.
Schon beim Opener "Patient Zero" sind deutliche Stilveränderungen auszumachen. Anstelle von fröhlichem True Metal erwartet den Hörer hier leicht düsterer, schleppender Stampfmetal, welcher weitgehend ohne eingängige Ohrwurmmelodien auskommt. Zumindest in Sachen Geschwindigkeit legt der Song im weiteren Verlauf noch ordentlich zu, doch die typischen, häufig von Chören unterlegten Mitsingmelodien sind hier auch später nicht auszumachen. Dadurch kommt der Song aber auch etwas monoton und ehrlich gesagt auch langweilig daher und gehört nicht gerade zu den Höhepunkten der Bandhistorie.
"B.Y.H." ist die Hammerfall’sche Kurzform für ‘Bang your Head’. Der gleichnamige Song ist deutlich straighter als der Opener ausgefallen und erinnert sogar ein wenig an die Frühwerke der Band. Im Gegensatz zu den Bandklassikern fehlt dem Titel allerdings ein interessanter Refrain mit Langzeitwirkung. Der Chorus ist hier nämlich erschreckend belanglos ausgefallen und könnte simpler nicht sein, was wiederum auch ein bisschen dem neuen Ansatz der Band widerspricht, auf komplexere Songstrukturen zu setzen.
Weiter geht es mit der Vorabsingle, "One more Time", welche sich als klassischer Grower herausstellt. Mutet der Song anfangs noch eher belanglos und simpel an, so entwickelt er sich nach mehrfachem Hören doch noch zu einem klassischen Hammerfall-Ohrwurm mit Mitsinggarantie.
"The Outlaw" ist der Song auf INFECTED, welcher noch am ehesten in die klassische Hammerfall-Richtung tendiert und dabei auch noch eine richtig gute Figur macht. Alle wichtigen Elemente, die Hammerfall bisher ausmachten, sind vorhanden, inklusive Ohrwurmrefrain.
Bisher hatte es auf jedes Hammerfall-Album mindestens ein ruhiger Titel geschafft und auch dieses Album kommt nicht ohne Quotenballade aus. Das ruhige, weitgehend von Akustikgitarren und Joacim Cans immer noch hervorragendem Gesangsorgan bestimmte "Send me a Sign" übernimmt dabei gleichzeitig auch noch die Funktion der Coverversion, denn im Original stammt der Titel von der ungarischen Kulttruppe Pokolgep und heißt "Hol Van a Szó". Zwar hatten Hammerfall auch schon stärkere Balladen, dennoch sticht der Song auf dem Album positiv hervor.
Noch wesentlich stärker ist allerdings der nächste Song namens "Dia de los Muertos" ausgefallen. Stellenweise geht auch dieser Song sehr stark in die klassische Hammerfall-Richtung und kann mit seinem hymnischen Refrain und den amtlich bratenden Gitarren voll überzeugen. Darüber hinaus bietet der Song aber auch noch den einen oder anderen Tempowechsel und auch diese leicht düstere Atmosphäre ist man von Hammerfall nicht unbedingt gehört. Damit bietet der Titel die perfekte Mischung aus gewohnten und neuen Elementen und ist klar als stärkster Titel des Albums auszumachen.
"I refuse" symbolisiert dagegen eindeutig die ‘neuen’ Hammerfall, hält einige Tempowechsel bereit und ist von der Songstruktur für Hammerfall-Verhältnisse ganz schön komplex ausgefallen. Dennoch ist der Titel immer noch eingängig genug, um die alten Fans nicht abzuschrecken.
Ebenfalls eher ungewöhnlich für Hammerfall klingt "666 – The Enemy withinquot;, da die Band in den Instrumentalpassagen voll auf Keyboards setzt, um damit eine etwas düstere Stimmung zu erzeugen. Das ist im Metal-Bereich zwar nichts Neues, aber von Hammerfall bekam man das in dieser Form bisher nicht zu hören. Ansonsten macht der Song im späteren Verlauf ebenfalls durch etwas komplexere Strukturen auf sich aufmerksam, was in Verbindung mit den simplen, stark auf Eingängigkeit getrimmten Melodien allerdings etwas seltsam anmutet.
Zu den schwächsten Liedern des Albums gehört "Immortalized;, welches im Original von der Death Metal-Band Ceremonial Oath stammt, bei der Oskar Dronjak vor seiner Zeit bei Hammerfall aktives Bandmitglied gewesen ist. Zu Hammerfall will der Titel aber einfach nicht passen, die Umsetzung ist definitiv nicht gelungen, zumal der Song in dieser Form auch einfach extrem melodiearm und sperrig anmutet.
Umso eingängiger ist das extrem simpel gestrickte "Let’s get it on; ausgefallen, das mit seinem Zwei-Zeilen-Refrain sicher gut zum Mitgrölen geeignet ist, ansonsten aber selbst für Hammerfall-Verhältnisse zu banal anmutet. Wenn man sich weiterentwickeln möchte, warum zieht man diese Linie nicht komplett durch und packt Songs wie diese mit aufs Album, welche vermutlich selbst den Fans der ersten Stunde zu simpel sein werden?
Zum Abschluss gibt es mit "Redemption; dann noch mal einen Song zu hören, welche wieder mehr in die neue Richtung tendiert. Durch die sehr in den Vordergrund gemischten Keyboards erinnern Hammerfall hier etwas an Sabaton, mit denen sie ja auch schon gemeinsam auf Tour waren. Darüber hinaus ist der Song sehr abwechslungsreich ausgefallen und hält einige interessante Ideen parat. Zu guter Letzt haben Hammerfall hier auch in Sachen Melodik alles richtig gemacht, so dass ein insgesamt durchwachsenes Album zumindest richtig stark zu Ende gehen darf.
Fazit: Da ist sie nun, die neue Hammerfall-Scheibe. Anders sollte sie sein, härter und komplexer, vom besten Hammerfall-Album aller Zeiten war gar die Rede. Komplexer ist das Album zumindest stellenweise tatsächlich geworden, härter vielleicht nicht unbedingt, doch ist zumindest der Sound ein wenig erdiger und rauer als sonst ausgefallen. Von der besten Hammerfall-Scheibe aller Zeiten kann hier aber definitiv nicht die Rede sein. Dafür ist INFECTED dann doch viel zu belanglos ausgefallen. Zwar sind auf dem Album einige starke Songs enthalten und einige der neuen Ideen fügen sich auch wunderbar ins Hammerfall-Konzept ein. Manches mutet aber auch eher unpassend an und will nicht so recht zur Band passen. Das ist aber nicht das eigentliche Problem des Albums. Als Hauptschwäche stellen sich nämlich bei vielen Songs die fehlenden zündenden Melodien, Spannungsbögen und schlüssigen Songstrukturen heraus heraus. Dadurch werden einige der Titel langweilig und belanglos und plätschern so vor sich hin. Glücklicherweise gilt dies nur für etwa die Hälfte der Lieder, während die restlichen Titel durchaus stark ausgefallen sind. Um es noch mal klarzustellen: Die Entscheidung von Hammerfall, das doch sehr eng gesteckte bisherige Konzept zu überdenken und die Musik der Band um weitere neue Facetten zu erweitern, war richtig und wichtig. Auf lange Sicht kann nämlich nur auf diese Weise ein richtig geniales Album entstehen. Das letzte Album beispielsweise war nämlich zwar durchaus stark, aber eben auch eine Selbstkopie. Diesen Vorwurf kann man INFECTED definitiv nicht machen. Leider hat man dieses Mal nur zu viel Wert auf ein neues Image gelegt und dabei die eigentlichen Songs und deren Qualität außer Acht gelassen. Somit kann das Fazit nur lauten, dass sich Hammerfall mit INFECTED durchaus auf dem richtigen Weg befinden. Dennoch ist INFECTED leider das bisher schwächste Album der bisherigen Karriere geworden, doch immerhin es macht Hoffnung, dass Hammerfall in Zukunft doch noch mal ein richtig starkes Album mit frischen Ideen herausbringen könnten, vielleicht ja schon beim nächsten Mal. |
Anspieltipps:
| | "One more Time", "The Outlaw", "Send me a Sign", "Dia de los Muertos", "Redemption". |
Tipp:
| | etzten Endes haben Hammerfall nur eine dezente Kurskorrektur hingelegt, so dass alte Fans auch mit den ‚neuen’ Hammerfall keine Probleme haben dürften, vorausgesetzt, sie erwarten keine Topscheibe, denn INFECTED ist leider nur mittelmäßig. |
Titel-Liste:
| | - Patient Zero
- Bang your Head
- One more Time
- The Outlaw
- Send me a Sign
- Dia de los Muertos
- I refuse
- 666 - The Enemy within
- Immortalized
- Let's get it on
- Redemption
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Laufzeit:
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