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Review: Hard Spirit
 
WALK THE WILD

Album:
 WALK THE WILD, 2008, Triple a Metal

Stil:
 Heavy Rock, Hard Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 10.01.2009

Review:
 Auch wenn man es kaum glauben mag, so ist Skandinavien immer wieder für eine Überraschung gut. Und so hat man sich inzwischen mit dem Gedanken abgefunden, dass offensichtlich die Rock'n'Roll-Bands in den skandinavischen Wäldern von Norwegen bis Finnland ebenso gut gedeihen, wie Bäume, Elche und Pilze.
Was jedoch eher zu den Ausnahmen gehört, sind Rock'n'Roll und Heavy Rock-Bands mit englischen Texten aus dem Süden Europas und hier besonders aus Spanien. Klar, epischer Heavy Metal von Arwen und Dark Moor oder Pop-Punk von Killer Barbies schwappt auch ab und an bis zu uns herauf, aber ansonsten ist es ziemlich ruhig.
Genau diesen Missstand haben sich Hard Spirit zu Herzen genommen und so versuchen Sänger und Gitarrist Toni Amboaje, Gitarrist Gansan, Bassist Davo Camporro und Drummer Gus Velasco den Hard und Heavy Rock auch ihren Landsleuten schmackhaft zu machen. Ihr Rezept ist dabei recht einfach. Man nehme einen Schuss Bon Jovi-Gesang - das kann nie verkehrt sein - füge einige traditionellen Hard Rock-Elemente der nördlichen Nachbarn hinzu, würde alles mit ein paar Punk-Ecken und Kanten und verpacke alles in melodische, mitreißende Songstrukturen. Wie gut den Spaniern das gelungen ist, zeigen sie auf ihrem Album WALK THE WILD. Und um es vorweg zu nehmen, das Album hat es in sich.

Schon der Opener "Rock is Life" zeigt, es wird nicht lange gefackelt. Mit hohem Tempo werden hier die Heavy Rock-Riffs von der Gitarrenfront wie am Fließband abgefeuert. Tonis Gesang passt dabei wie der berühmte Arsch auf den Eimer so dass der Bastard-Song auch wirklich gut zur Geltung kommen kann. Abfeiern ist dabei Pflicht.
Weniger Tempo, aber dafür mehr Groove und einen gesunden Schuss Bon Jovi-Attitüde lassen auch "Daydream on the Ground" recht gut wirken. Für die Doppelrahm-Stufe sorgt vor allem der mehrstimmige fette Chor im Refrain. Tja, so ähnlich klang es auch mal bei dem US-Blondschopf vor 20 Jahren...
Für "Every Street of Sorrow" setzt besonders Toni noch eins drauf und gibt der Power-Halb-Ballade mit seinem Timbre sowohl Gefühl als auch gewisse rockige Härte mit auf den Weg. Dass es dabei nicht in einer Schmalzorgie endet, ergibt sich fast von selbst, denn dazu ist seine Stimme nicht sonor und schnurrend genug. Aber egal, der Refrain bleibt jedenfalls sofort im Gehörgang und lässt sich auch sofort problemlos mitsummen.
Der Bandname ist Programm und so ist man sich nicht zu schade, dem Song "Hard Spirit" besonders gesanglich mit einigen Punk-Elementen Ecken und Kanten zu verpassen. Das Ergebnis ist ein richtig schmutziger Straßenfeger, der sich hören lässt und mit seinem Gitarren-Solo auch die letzten Zweifel ausräumt.
Nach so viel Tempo und wildem Rock gibt man mit dem Titelsong Walk the Wild diesmal ein Balladenthema zum besten. Der anfänglich ruhige Start mit dezenter Gitarrenbegleitung soll jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass sich das ganze noch zu einer rauen Powerrock-Ballade steigert. Wer auf Kuschelrock getippt hatte, der lag falsch.
Genug der ruhigen Töne, das dachten sich bestimmt auch die vier Jungs und so startet die zweite Hälfte, wie bereits die erste mit einem wilden Heavy Rocker "Waiting on the Storm". Trotz melodischen Riffs im Refrain und eingängigem Gesang, will sich jedoch kaum Dauerwirkung einstellen - schade.
Mit "Slave of Twilights" folgt wieder ein etwas gebremster Mid-Tempo-Rocker, der mehr Wert auf gefällige Melodien legt, es aber trotzdem nicht versäumt mit harten Gitarrenklängen und rotzigen, räudigen Chören für eine gesunde Grundhärte zu sorgen.
"Dreaming", die erste richtige Ballade mit dezenter instrumenteller Ausgestaltung ist einerseits ziemlich gefühlvoll gehalten, hat aber andererseits schon durch die Kürze von knapp zwei Minuten kaum eine Chance als Kuschelrocker ernstgenommen zu werden.
In Kombination mit dem nachfolgenden Song macht es jedoch durchaus Sinn, denn "Dreaming" ist quasi das Intro zu "Alive in the Hole", der sich schnell als richtig gut groovender Stampfer entpuppt und kaum einen Rockfans ruhig verharren lassen sollte.
Wieder mit etwas mehr Punk im Gesang, kehrt man bei "Knock your Door" den ungehobelten Streetrocker heraus und beweist erneut, dass man sich beim Songwriting nicht unbedingt auf einen reinrassigen Stil festlegen möchte.
Und nun ist es doch noch wahr geworden, in der Schlussrunde lassen Hard Spirt mit "Winter Days" doch noch eine gefällige Herzschmerz-Ballade vom Stapel, die sicherlich nicht den Kuschelfaktor vieler Konkurrenten aufweist, aber dafür auch nicht im eigenen Schmalz versinkt. Ein krönender Abschluss für ein abwechslungsreiches Album.

Fazit: Hard Spirit zeigen, dass nicht allen Spaniern der Heavy und Hard Rock völlig unbekannt ist. Es gibt auf diesem Album jede Menge gute Songs und wenn es den Jungs noch gelingt, die gesunde dargebotene Wildheit besser zu kanalisieren und ihre Songs mit etwas mehr Spannungsbögen aufzubauen, dann gebe ich ihnen gute Chancen, sich - wenn vielleicht auch nicht national - aber in jedem Fall international, durchzusetzen. Weiter so Hard Spirit!

Tipp:
 Heavy und Hard Rock Freunde, die besonders Lieder mit jeder Menge Ecken und Kanten mögen, sollten hier unbedingt zugreifen. Auch können richtig rocken, wenn man sie lässt.

Titel-Liste:
 
  1. Rock is Life
  2. Daydream on the Ground
  3. Every Street of Sorrow
  4. Hard Spirit
  5. Walk the Wild
  6. Waiting on the Storm
  7. Slave of Twilights
  8. Dreaming
  9. Alive in the Hole
  10. Knock your Door
  11. Winter Days

Laufzeit:
 53:56 Min.

Band-Infos:
 
  • www.hard-spirit.com 


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