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Review: Harem Scarem
 
HOPE

Album:
 HOPE, 2008, Frontiers

Stil:
 AOR

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 03.07.2008

Review:
 Wenn es nicht gerade der millionenschwere Erbonkel aus Übersee ist, den man zeitlebens nie gesehen hat und nun zu Grabe trägt, so hat man üblicherweise bei Beerdigungen kaum ein Lächeln auf den Lippen. Seit 1991 sind die Kanadier Harem Scarem nun schon gemeinsam im Musikbusiness tätig und haben in den letzten Jahren immer wieder mit guten Alben überzeugen können. Auch die Kritiker meinten es häufig gut mit den Nordamerikanern, sogar für uns ist es bereits das vierte Album-Review. Nur nützen gute Alben und Kritiken alleine recht wenig. Davon herunter beißen und leben kann man nicht. Hier zählen nur Verkaufszahlen und gerade da hat es unverständlicherweise immer gehapert.
Und so reihen sich nun auch Harem Scarem in die lange Reihe der Bands ein, die dieses Jahr ihre musikalische Karriere beenden werden oder offiziell beendet haben. Toto, Stratovarius oder auch Savatage gehören dazu und gerade bei letzterer Band gibt es viele Parallelen, wie uns Jon Oliva vor Kurzem in einem Interview bestätigt hatte. Geniale Alben, tolle Kritiken, aber letztendlich kaum Gewinne führten zu dem Aus.
So ganz die Türe vor der Nase ihrer Fans zuschlagen, wollten die Kanadier scheinbar dann doch nicht, denn warum hätte man sonst das letzte Album HOPE (Hoffnung) genannt? Aber vielleicht ist es nur Zufall und soll die Aussichten für die eigene weitere Zukunft in ein "hoffnungsvolles" Licht rücken.

Schon nach wenigen Tönen lässt sich der "Opener Watch your Back" Harem Scarem zuordnen und spätestens wenn Sänger Harry Hess seine Arbeit aufnimmt, dürfen sich die Zuhörer auf qualitativ hochwertigen und eingängigen AOR freuen. In gewohnter Weise kombinieren die Kanadier griffige Hooklines mit einer wohldosierten Portion Melodic zu einem frisch klingenden Rocksong.
Für "Time Bomb" geht man noch einen kleinen Schritt weiter und bringt, abgesehen vom Ohrwurm-Refrain auch ein paar an Nu Metal erinnernde progressive Elemente ins Spiel.
Dem Titelsong "Hope" hat man einen kräftigen Groove verpasst, der Mitnicken zur Pflicht werden lässt. Klar, darf auch hier der mehrstimmige melodische Refrain nicht fehlen. Neben der dominanten Basslinie agieren die Gitarren mit einen dezenten Wah-wah-Effekt.
Auch die übrigen Songs haben alle ihre kleinen Harem Scarem-Trademarks, die wir über die Jahre schätzen gelernt haben, sei es das groovende "Dark Times", der sanft startende Mid-Tempo Rocker "Beyond Repair", der klassische AOR "Song Never too late" mit seinen auflockernden Synthie-Effekten, das balladeske "Shooting Star", welches Bryan Adams-Fans ebenso, wie Queen-Jünger in ihren Bann ziehen dürfte oder der alternativ angehauchte flotte Rocksong "Calm before the Storm".
Zum Abschluss wird es dann nochmal gefühlvoll, wenn Harry Hess seinen leidenschaftlichen Beitrag zu der mit Akustik-Gitarren unterstützten Ballade "Nothing without you" zum Besten gibt. Nicht zuletzt sind es die sanfteren Songs, denen Harem Scarem über die Jahre immer wieder ihren eigenen Stempel aufgedrückt haben.
Als Bonus für Europa haben die Kanadier eine Akustik-Version des Songs "Higher" von ihrem gleichnamigen 2003er Album drauf gepackt.

Fazit: Die Songs bewegen sich auf gewohnt hohem Niveau, können mich diesmal jedoch nicht so schnell mitreißen, wie auf manchen Alben vorher. Dazu fehlen mit die Titel mit wirklicher Langzeitwirkung. HOPE ist nicht die höchste und hellste Rakete eines lange Jahre dauernden musikalischen Feuerwerks, aber in jedem Fall ein solider Abschluss, der wohl kaum einen Fan enttäuschen dürfte.

In eigener Sache: Ich wünsche den Jungs auf alle Fälle viel Glück für die Zukunft, egal was sie sich vorgenommen haben und bedanke mich für die vielen musikalischen Leckerbissen, die mir mit den Jahren ans Herz gewachsen sind. Ich bin aber auch nicht wirklich traurig, denn ich denke, dass die Band lange genug für ihre "musikalische Idee" zu Gunsten von uns Fans verzichtet hat. Und irgendwann muss mal Schluss sein. Also sind wir glücklich über den musikalischen Nachlass aus dem amerikanischen Norden, anstatt Trübsal zu blasen.

Tipp:
 Für Harem Scarem-Fans natürlich ein Pflichtkauf, aber auch alle anderen AOR-Liebhaber sollten ist diese Scheibe einmal näher anhören um vielleicht auf den Harem Scarem-Geschmack zu kommen, falls dies bisher nicht sowieso schon längst geschehen ist.

Titel-Liste:
 
  1. Watch your Back
  2. Time Bomb
  3. Hope
  4. Days are numbered
  5. Dark Times
  6. Beyond Repair
  7. Never too late
  8. Shooting Star
  9. Calm before the Storm
  10. Nothing without you
    - - - Bonus Track - - -
  11. Higher (acoustic)

Laufzeit:
 42:14 Min.


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