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Review: Heavenly
 
CARPE DIEM

Album:
 CARPE DIEM, 2009, AFM

Stil:
 Symphonic Metal, Power Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 19.12.2009

Review:
 Endlich ist im Hause Heavenly etwas Ruhe eingekehrt und die Band konnte sich auf die Musik konzentrieren, anstatt über das richtige Line-Up zu grübeln oder einen Label-Marathon zu absolvieren. Zwei Jahre nach VIRUS kommt nun 2009 mit CARPE DIEM ein weiteres bei AFM aufgelegtes Power Metal-Scheibchen auf den Markt und außer dem neuen Mann Piwee hinter den Drums hat sich rein äußerlich kaum etwas geändert.
Ok, die erste rein äußerliche Verbesserung ist sicherlich das Cover-Artwork, wenn man damit wohl auch überwiegend Männerphantasien bedienen mag oder zumindest Frauen, die lieber ihren "Mann" stehen möchten, so ist es zumindest angenehmer fürs Auge, als der halb verweste Zombie des letzten Albums - Virus hin oder her.
Heavenly wären jedoch nicht Heavenly, wenn man sich mit einem geschaffenen Status Quo zufrieden geben würde und so hat man sich diesmal im Symphonic Metal-Bereich etwas umgesehen und einigen Songs mit orchestralen Bombast-Einlagen, der ansonsten sowieso schon recht dichten Arrangements noch etwas mehr Volumen verpasst. Zusätzlich hat sich Ben Sotto auch noch stimmliche Unterstützung besorgt und mit Geraldine Gadant und Oliver Hartmann (dem deutschen "Gast-Sänger" schlechthin) sowohl einen weiblichen und männlichen Part in der Reserve.

Gespannt angesichts der Rahmendaten war ich dann, was mich wohl erwarten würde. Dass man mir mit dem Opener und gleichzeitigen Titelsong "Carpe Diem" aber gleich so eine bombastische Hymne hin knallen würde, hat mich dann doch beeindruckt. Hier wird nicht lange gefackelt. Auch wenn der Start mit so manchen Stöhnern und den heavy Gitarren Riffs erst in eine andere Richtung zeigen, so wird doch schnell klar, dass Heavenly eine astreine Power Metal-Hymne aufs Parkett legen. Geraldine sorgt dabei für dezentes Gothic-Flair bevor die Gitarrenfront mit einem Solo zeigt, wer wirklich den Ton angibt. Erstaunlich auch in jedem Fall, wie viele Themen sich in den knapp fünf Minuten unterbringen lassen, und dann doch wie aus einem Guss klingen.
Melodisch, mit forciertem Tempo und fetten Chören kommt auch "Lost in your Eyes" schnell zur Sache. Sicherlich noch etwas gewöhnungsbedürftig, dass Heavenly offensichtlich zur Power Metal-Ausgabe von The Poodles mutiert sind, wenn es darum geht eine Hymne nach der anderen abzufeuern.
Besinnlicher geht es bei dem balladesk angelegten "Farewell" zu, wobei man sich hier tief in der Spielkiste der Pop-Rocker von Queen bedient hat, deren Stilelemente aus jeder Strophe tropfen.
Bombast gefällig? Dann ist man bei "Fullmoon" gut aufgehoben, das jedoch etwas Zeit braucht, bis die Nachbrenner gezündet werden und man sich in Kürbiskopf-Regionen bewegt. Dazwischen gibt es immer wieder kurze melodische Verschnaufpausen, die an dem hymnischen Charakter der ersten Songs festhalten.
Apropos Verschnaufpause. Mit "A better me" gibt es eine Klavierbegleitete balladeske Einlage, die jedoch bald zu einem bombastischen leicht poplastigen Hymnenmonster anwächst und sich erneut in Queen-Gefilden wohl zu fühlen scheint.
Waren da nicht Vergleiche mit Gamma Ray und Helloween gezogen worden? Keine Angst, die Jungs haben dem Highspeed nicht abgeschworen und legen mit "Ashen Paradise" die Messlatte schon einmal recht hoch. Auch wenn hier der Bombast-Faktor im Vergleich zu älteren Stücken deutlich zugenommen hat, so tut dies der Spielfreude keinen Abbruch.
Mit "The Face of Truth" lauert der erste, etwas weniger fröhlich klingende Song, der jedoch im weiteren Verlauf nicht nur an Volumen, sondern auch an Tempo gehörig zulegt. Im richtigen Moment schafft es Heavenly, mit nur einem Song, den allzu gefälligen Faktor auf ein gesundes Heavy-Maß zurück zu stutzen.
Ludwig van Beethovens "An die Freude" mag wohl jedem Klavierspieler bestens bekannt sein, denn dies ist wohl eines der ersten Stücke, an denen man seine Fingerakrobatik trainiert (war zumindest bei mir der Fall). Hier dient es bei "Ode to Joy" nicht nur als keiner Einsteiger, bevor man mit Kürbiskopf-Tempo ein melodisches Riff nach dem anderen in die Fangemeinde schleudert, sondern streng genommen könnte man fast von einer Coverversion sprechen. Gelungen ist die Idee, das Thema immer wieder aufzunehmen und Beethoven auch das letzte Wort zu geben. Da sieht man mal, dass manchen Song-Ideen auch ein paar hundert Jährchen nichts anhaben können. Auch Ulytau aus Kasachstan hat sich vor Kurzem solcher Klassiker, von Vivaldi bis Bach bedient.
Und schon haben wir mit "Save our Souls" die Schlussrunde erreicht, die mit skandinavisch angehauchtem Power Metal und vertrautem Helloween-Tempo für einen mehr als beeindruckenden Ausklang sorgt. Der letzte Ton ist ausgeklungen und irgendwie ist es plötzlich still - viel zu still. Angesichts des hohen Gesamttempos ist der "Heavenly Power Metal-Zug" so schnell aus den Boxen gerauscht, dass man trotz der guten Dreiviertel Stunde noch lange nicht genug hat. Ergo: Press Play-Button again".

Fazit: Mit CARPE DIEM haben es die Franzosen Heavenly nun endgültig geschafft, sich in der Szene der europäischen Power Metal-Bands einen Dauerplatz zu erstreiten. So wie man es eben sich unbedingt von unseren westlichen Nachbarn gewohnt ist, wird hier nicht nur Standard Power Metal geboten, sondern man ist immer für eine kleine Überraschung gut. Diesmal hat man nicht nur die orchestralen Arrangements, verglichen mit den Vorgänger-Alben deutlich ausgebaut, sondern auch weibliche und männliche Gaststimmen eingeladen, die den bombast-hymnisch-symphonischen Songs noch mehr Farbe verliehen haben. Wäre ich Nicki Lauda, würde ich hier wohl meine Kappe ziehen...
Manche Die-Hard-Fans werden vielleicht etwas die Nase rümpfen, angesichts der stellenweise poplastigen Hooklines, den verspielten Orchester-Parts und dem Beleihen so mancher Queen-Attitüde, aber meist zeigen Heavenly gleich im Anschluss, dass sie es doch selbst nicht so ganz ernst damit nehmen und mit ihren Highspeed-Einlagen alá Helloween und Gamma Ray kaum zu einer AOR-Band mutiert sind.
Jetzt hoffe ich nur, dass sich endlich mehr Bands bei unseren Nachbarn aus dem Underground erheben, und ein ernst zu nehmendes Rock- oder Metal-Statement abliefern.

Tipp:
 Egal ob man Heavenly, Helloween oder gar Queen im Regal stehen hat. Hier bekommt jeder etwas über das er sich freuen kann, auch wenn die Zusammenstellung eine gewisse musikalische Toleranz voraussetzen mag.

Titel-Liste:
 
  1. Carpe Diem
  2. Lost in your Eyes
  3. Farewell
  4. Fullmoon
  5. A better me
  6. Ashen Paradise
  7. The Face of Truth
  8. Ode to Joy
  9. Save our Souls

Laufzeit:
 45:27 Min.

Probehören und Kaufen:
Heavenly: Carpe Diem

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