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Review: Hell Nī Diesel
 
PASSION FOR POWER

Album:
 PASSION FOR POWER, 2007, Smilodon

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 3,5 von 7
3,5 von 7 Punkten
 S.M., 12.09.2007

Review:
 PASSION FOR POWER ist das Debüt-Album einer jungen schwedischen Band namens Hell NīDiesel, die vor fünf Jahren gegründet wurde und deren beide bisherigen EPīs von schwedischen Rock-Magazinen sehr hochgelobt wurden. Sie selbst bezeichnen ihren Stil als Heavy Rock`nīRoll und geben auf ihrer Website an, von Bands wie Skid Row, Mötley Crüe und Guns NīRoses beeinflusst worden zu sein. Letzterer Band-Name stand wohl auch ein wenig Pate bei der Namensfindung des Quintetts. Das Line-Up der Formation liest sich teilweise wie aus einer Death-Metal-Scheibe entnommen: Evil (Vocals), Sledge (Guitar), Maxx Whyte (Guitar), Sudden (Bass) und Blanco (Drums). Vernünftigere Namen sind auch der Homepage nicht zu entnehmen, aber es bleibt ja jedem freigestellt, welchen Künsternamen er sich zulegt. Schauen wir mal, was uns die skandinavischen Nachwuchsrocker präsentieren:

"Sweet Sister" knallt dann auch gleich ganz gut aus den Boxen. Eindeutige GNR-Gitarrentöne vermischt mit einer Rhythmus-Fraktion im Mötley-Stil laden zum Mitrocken ein. Der Refrain setzt sich zeitweise im Ohr fest. Leider wird der Song durch eine Sprechgesang-Einlage kurz unterbrochen, die absolut fehl am Platz wirkt. "Shook Me" haut in dieselbe Kerbe: Derber, aber dennoch bluesiger Hard-Rock nach Vorbild der genannten Bands, jedoch diesmal ohne Schwachpunkt. Evils Stimme passt sehr gut zur Musik und er muss sich keineswegs vor den Shoutern seiner selbsternannten Vorbilder verstecken. Im Gegenteil: Er singt in einer etwas tieferen Stimmlage als Axl Rose und dabei sehr kräftig und ausdrucksstark. Dadurch natürlich auch viel klarer und deutlicher als Vince Neil.
Etwas langsamer und schleppender kommt Track drei: "Crosses [Kixxx]". Hier haben wir Guns Nī Roses in Reinkultur. Eigentlich nur am Gesang erkennt man den Unterschied. Ebenso bei "Sexual Suicide". Genauer muss man deswegen auf dieses Stück auch nicht eingehen.
Mit Regengeplätscher-Übergang beginnt "Falling". Nachtigall (in diesem Fall: "November Rain") ick hör dir trapsen. Richtig! Eine Ballade in allerbester GNR-Manier mit starkem, charismatischem Gesang und schöner Melodie. Trotz der Klonerei: Bislang das beste Stück.
"Miss Cocaine" bringt uns endlich eine willkommene Abwechslung zu den allgegenwärtigen Guns Nī Roses-Takten. "Rotziger" Hardrock irgendwo an der Schnittstelle zwischen frühen Raven-Scheiben und Skid Row (womit dann auch das letzte Vorbild untergebracht wäre). Die Hookline wird von der Rhythmus-Gitarre bestimmt und ein passendes Lead-Solo rundet das gelungene Stück ab, welches leider nur eine Spur zu kurz geraten ist.
"Attitude" fällt gegenüber dem Album-Standard etwas ab. Recht konfuses Gitarrenspiel und auch der Gesang kann das Stück nicht retten. Ein Lückenfüller, auf den man nicht näher eingehen muss und über dessen Kürze ich dankbar bin.
Nach kurzem Motorrad-Geknatter-Intro bläst mit "S.O.Y.L" wieder ein waschechter Heavy-Rocker die Gehörgänge frei. Hier besinnt man sich auf harte Mötley-Töne. Könnte gut von der TOO FAST FOR LOVE stammen. Passt punktgenau, nur dass Evils Gesang besser ist.
"Love Me Hard" ist ein Mid-Tempo-Stück mit Dominanz der Rhythmus-Fraktion. Wenn es auf PASSION FOR POWER einen Track gibt, in dem die Jungs einer gewissen Eigenständigkeit frohnen: hier haben wir ihn.
Bei "Ride Away" erkennt man dann schon nach den ersten Tönen wieder, wer Vorbild steht: Mötley Crüe. Ich spare es mir, detailliert darauf einzugehen, da es gegenüber "S.O.Y.L. deutlich schwächer ist.
Mit "Sweat" wird die Platte von einem Stück beendet, welches in die Skid-Row-Schublade passt. Nicht ganz so heavy, aber trotzdem schnell und fetzig und mit dem Versuch eines Mitsing-Refrains, was aber nicht ganz hinhaut.

Fazit: Nach dem Hören der Scheibe bin ich ein wenig zwiegespalten. Ich will den Jungs keineswegs ihr Talent absprechen. Dieses ist zweifellos vorhanden, wird jedoch nicht sinnvoll eingesetzt. Braucht man einen Guns Nī Roses-Klon mit kleinen Abtauchern in Mötley-Crüe und Skid-Row-Gefilde? Meiner Meinung nach: Nein!
Ich habe kürzlich eine CD von Bai Bang gehört, die Einflüsse der o.g. Bands auch nicht leugnen können. Doch die haben es um Klassen besser gemacht, denn sie haben dies mit einer deutlich hörbaren Eigenständigkeit verbunden.
Die 5 Schweden von Hell NīDiesel sollten lieber ihr eigenes Ding aufziehen und mehr eigene Ideen in die Kompositionen einbringen. Schließlich wollen sie keinen GNR-Cover-Wettbewerb gewinnen, sondern im Rock-Milieu Fuß fassen. Ich kann mir schon vorstellen, dass sie auf der Bühne eine ordentliche Hard-Rock-Party loschlagen können, aber wenn sie ihre Vorbilder vergöttern wollen, dann sollten sie es doch bitte mit dem Hören derer Platten tun und nicht mit zwangvollem Kopieren. Ich persönlich nehme mir lieber eine GNR- oder Mötley-Scheibe aus dem Regal, wenn ich deren Musik hören will. Ergo: Welchen Stellenwert hat dann eine Hell NīDiesel-CD?
Mein ganz klarer Tipp an die Schweden: Bei der nächsten Produktion auf eigene Aspekte setzen. Schließlich versteht ihr euer musikalisches Handwerk und habt einen tollen Sänger. Schon das allein hebt euch von etlichen 08/15-Nachwuchs-Bands ab.

Titel-Liste:
 
  1. Sweet Sister
  2. Shook Me
  3. Crosses [Kixxx]
  4. Sexual Suicide
  5. Falling
  6. Miss Cocaine
  7. Attitude
  8. S.O.Y.L
  9. Love Me Hard
  10. Ride Away
  11. Sweat

Laufzeit:
 44:07 Min.

Band-Infos:
 
  • www.hellndiesel.net 


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