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Review: Helliön
 
DIVINE DECADENCE

Album:
 DIVINE DECADENCE, 2008, Starfish Music

Stil:
 Rock, Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 18.03.2010

Review:
 Wenn diese Bremer in Sachen Rock und Metal unterwegs sind, dann nutzen sie jedes auch nur vorstellbare der üblichen Klischees für ihre Zwecke. Egal ob Metal-Umlaute (es lebe das "Ö"), Künstlernamen (es leben die Doppel-Xe), einem freizügigen Cover-Artwork (es leben nackte Girls und behaarte Kerle) oder textliche Nähe zu bekanntem Liedgut durchsetzt mit frivolen Lyrics. So leicht es fällt, den Hang zum echten Rockertum zu erkennen, so schwer fällt es jedoch die Jungs aus dem Norden stilistisch fest zu nageln. Da wird im einen Moment ganz tief in der Mottenkiste des Rock gegraben und im nächsten Augenblick den Metal-Größen wie Iron Maiden oder Blind Guardian Tribut gezollt, bevor mit viel Sinn zur (Selbst-)Ironie genretypische Trademarks durch den Kakao gezogen werden. Ob dieser Stilmix der Sache förderlich ist, soll der Probedurchlauf des "göttlichen Verfalls" bzw. DIVINE DECADENCE zeigen.

Spätestens seit der deutschen Edgar Wallace Krimiparodie "Der Wixxer" hat man den Witz mit dem Nachbarn schon intus: "Hallo hier spricht Edgar Wallace, sein Nachbar." Kombiniert mit Iron Maidens "666 The Number of the Beast" schustern die Bremer kurzerhand ihren recht wild losrockenden Opener: "667" (The Neighbour of the Beast), der vor allem durch seine textliche Nähe an bekanntem Stoff mühelos mitgrölbar ist.
Der Supergau für alle Gleichstellungsbeauftragten folgt in Form des rotzfrechen Rockers "Farmer's Pride" mit dem durchaus dominanten Refrain: "...my cock is much bigger than yours...", was ich hier mal nicht übersetze...
Hymnisch angehaucht mit einem kräftigen Schuss Groove und gefällig melodischem Refrain pflügt Helliön ihren "Merlin" durch die epischen Gefilde der Metalwelt bevor es mit "Hell's Granny" ganz im Bikerstil mit schnurrenden Motoren, Mundharmonika und jeder Menge Schmackes unter der Haube wieder zurück auf den Pfad des Rocks geht. Klar gibt es dazu auch noch die fetten Chöre im Refrain zum Abfeiern.
Etwas abgedrehtere Kost in Richtung Psychedelic bietet "The only 1" mit tiefgestimmter Rhythmusgitarre und sowohl verzerrtem als auch tief grunzähnlichem Gesang.
Für "The glorious Ship" hat man sich ein bisschen Seemannsflair ins Studio geholt und gleich noch den Stedinger Shantychor als stimmkräftige Unterstützung verpflichtet, bevor in der Schlussrunde mit "When the Ice turns to Water" und seinen fast neun Minuten Spieldauer (netto sieben Minuten) ein richtig dicker Brocken lauert. Hier beweist man spielerische Qualitäten auch in niedrigen Geschwindigkeitsbereichen mit einer an Crossover grenzenden Bandbreite und jeder Menge kompositorischer Details.
Wirklich Schluss ist aber erst nach dem nicht ganz ernst zunehmenden "Song for Sheer Amusement" oder soll ich sagen "The Look"? Nana, nana, nana, lasst euch einfach überraschen...

Fazit: Das längst überfällige Debüt DIVINE DECADENCE hat es nach zehn Jahren Bandgeschichte mit lediglich einigen Demos nun doch geschafft, 2008 die Ladentheke zu erobern. Mit hörbarer musikalischer Erfahrung und jeder Menge Anleihen bei bekanntem Material quer durch die ganze Rock- und Metal-Welt haben Helliön ihren ganz eigenen Stil gefunden, der sich zielsicher, und ich zitiere: "...zwischen Grübelei, Schelmerei und Schweinerei..." bewegt. Was nach dem ersten Höreindruck durchaus positiv wirken mag, das ist die Stiloffenheit, die sich jedoch nach mehrmaligen Durchläufen meinem Empfinden nach als Bumerang erweist, weil einfach kein rechter Fluss entsteht und man sich nur von Lied zu Lied hangelt. Das kann live vermutlich besser funktionieren, als bei einem Album, es mag aber auch Geschmackssache sein.

Titel-Liste:
 
  1. 667
  2. Farmer's Pride
  3. Unicorn
  4. Let the Dragon fly
  5. Merlin
  6. Hell's Granny
  7. The only 1
  8. Hear the Storm
  9. The glorious Ship
  10. When the Ice turns to Water
  11. Song for Sheer Amusement

Laufzeit:
 48:31 Min.

Probehören und Kaufen:
Helliön: DIVINE DECADENCE

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