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Review: Helloween
 
GAMBLING WITH THE DEVIL

Album:
 GAMBLING WITH THE DEVIL, 2007, SPV

Stil:
 Heavy Metal, Speed Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 J.G., 30.10.2007

Review:
 Schon auf das Schlimmste vorbereitet, versprach doch der Vorgänger, der Kürbistruppe alleine durch die Wahl des Titels KEEPER OF THE SEVEN KEYS - THE LEGACY sehr viel und hielt dann aber doch nur mittelmäßigen Erwartungen stand, so hat sich beim Neuling GAMBLING WITH THE DEVIL einiges getan.
Langjährige Die-Hard-Fans werden sicherlich ihre wahre Freude daran haben, erleben sie doch ihr Lieblingsgemüse in alter Power- und Speed-Laune, wie schon lange nicht mehr.
Dies ist dem Umstand zu verdanken, dass man endlich unnötigen Ballast über Bord geworfen hat und alte Tugenden, wie melodische Gesangslinien, die sofort ins Ohr gehen und Gitarrenduelle, die Weikath und Gerstner zu wahren Höchstleistungen anstacheln, aufleben lassen.

Na, wer hat das erste Rästel "Crack the Riddle" gelöst? Zugegeben, macht es die verzerrte Stimme etwas schwerer den Sprecher als Saxon-Frontmann Biff Byford zu identifizieren, aber mit solcher Prominenz lässt sich leicht punkten. Naja zumindest einmal, denn danach wird man die CD wohl zukünftig mit Track 2 starten.
"Kill it" schafft es dann im Anschluss jedoch einige Kritiker Lügen zu strafen und überrascht mit energiegeladenem Speed Metal wie es nur Judas Priest zu ihren Painkiller-Hochzeiten zellebrierten. Helloween-typisch wurden noch ein paar Pfund hynische Refrains draufgepackt, die hervorragend mit den messerscharfen Gitarrenriffs harmonieren.
Auch "The Saint", übrigens das längste Lied der CD schafft es das Tempo beizubehalten. Allerdings ist hier der Anteil der Hymnen deutlich höher. Eine klasse Bridge für den Refrain - und es geht noch etwas mehr - ja, ja, das lieben die Fans. Fast ist man geneigt, sich an die "guten alten Keeper-Zeiten" zu erinnern.
Pianos leiten den weichgespülten Hard Rock-Ohrwurm "As long as I fall" ein, der zunächst Andis Stimme verzerrt wiedergibt. Die Melodie geht sofort ins Ohr und auch die Gitarren-Soli kommen gut und überzeugend aus den Boxen. Man hätte sich jedoch einige elektronische Spielereien sparen können, die einerseits zu poppig und andererseits auch zu billig klingen. Spätestens wenn "Paint a new World" loslegt, hat man jedoch "As long as I fall" wieder vergessen. Dafür hatte der "Ohrenschmeichler" einfach zu wenig "Ohrwurm-Qualitäten". Dafür legt sich "Paint a new World" mit seinem bestechenden Drang nach vorne zu sehr ins Zeug. Es wird jedoch versäumt, in den viereinhalb Minuten bleibende Akzente zu setzen. So bleibt dann nur ein kurzweiliger Nackenbrecher, der es in jedem Fall in sich hat - aber eben nur viereinhalb Minuten.
Da hat es die Hymne "Final Fortune" schon leichter, Langzeitfreuden zu bescheren. Mit gesundem Marschtempo pflügt man hier tiefe Furchen und füllt diese randvoll mit fetten Refrains und Chören. "Future World" rückt in fast greifbare Nähe. Zu erwähnen wäre dann noch "The Bells of the 7 Hells", das mit brachialen Gitarren versucht ganze Burgmauern einzureißen. Dass dafür der Refrain etwas zu schmeichelnd ausfällt, daran werden sich echte Helloween-Fans bestimmt nicht stoßen.
Und das war's dann auch schon mit der richtigen Freude, denn ab jetzt folgt ausnahmslos Füllkost, die man früher gerne auf die Rückseite (B-Seite) von Vinyl-Platten gepackt hat (außer bei Queen, die immer brav zwei A-Seiten ablieferten). Auch wenn "I.M.E." duchaus ein paar nette Gitarren-Riffs in petto hat oder "Can do it" mit Power-Drumming versucht, dem Kinderlied-Tralala Paroli zu bieten, ist es einfach nur Mittelmaß. Letzteres hat dabei sogar noch Probleme mit dem Charme von Bands wie Freedom Call mitzuhalten.
Erwähnte ich "Fallen to Pieces"? Nicht? Nun, dann hat das vielleicht den Grund, dass ich noch nicht ganz bis zum Tiefpunkt vorgedrungen bin.
Mit dieser zweiten Spielhälfte fällt es einfach zu schwer, die anfängliche Spannung und Freude gänzlich bis über die Ziellinie zu retten.

Fazit: Ohne Zweifel haben Helloween (endlich) die Messlatte wieder etwas über das Mittelmaß des letzten Albums gehoben und bescheinigt der Band eine Aufenthaltsbereichtigung in der Oberliga des melodischen Speed Metal.
Aber wo es Licht gibt, da ist auch der Schatten nicht weit. Was sich anfänglich als angenehme Überraschung geäußert hatte, war nach dem ersten Durchlauf einfach verpufft. Dafür war, trotz einiger genialen Einfälle einfach zu wenig Langzeitkleister im Gepäck. Was lief gerade? Ach, ja, Helloween...
Nun, die guten alten Zeiten der Mitsing-Kracher "I want out", "Future World" und "Judas" sind damit wohl noch ein Stück mehr in weite Ferne gerückt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, wirkt Andi Deris Stimme besonders in den hohen Lagen nur mäßig überzeugend und kommt auch nach ziemlich langer Eingewöhnungsphase nicht an die Leistungen eines Michael Kiske heran, der nach eigener Aussage die hohen Lagen gar nicht so toll fand. Da frage ich mich dann schon, warum man immer noch darauf besteht, sich diesen Vorbildern anzubiedern und Andi nicht mehr Eigenständigkeit zugesteht, die ihn endlich aus der Schusslinie überstapazierter Vergleiche schuppst.
Ich höre schon wieder die Rosa-Brillen-Träger-Fraktion schimpfen, ich würde keinen guten Kern im Kürbis lassen und das auch noch einen Tag vor Halloween, aber fünf Punkte empfinde ich angesichts der zweiten Hälfte noch fast zu milde. Tschüss GAMBLING WITH THE DEVIL! Willkommen THE BEST - THE REST - THE RARE! ...und Play!

Titel-Liste:
 
  1. Crack the Riddle
  2. Kill it
  3. The Saint
  4. As long as I fall
  5. Paint a new World
  6. Final Fortune
  7. The Bells of the 7 Hells
  8. Fallen to Pieces
  9. I.M.E.
  10. Can do it
  11. Dreambound
  12. Heaven tells no lies

Laufzeit:
 57:38 Min.


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