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Review: Her Whisper
 
THE GREAT UNIFIER

Album:
 THE GREAT UNIFIER, 2008, STF-Records

Stil:
 Dark Symphonic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 31.01.2009

Review:
 "Aus Spaß wurde ernst, Ernst ist jetzt drei Jahre alt". Wer kennt nicht diesen Spruch. In gewisser Weise trifft dies auch auf Her Whisper zu, die aus der Band DragonFly hervor ging. Damals im Frühjahr 2004 im schwedischen Lysekil von dem Sänger und Gitarrist Magnus af Nestergaard, dem Bassist André Samuelsson dem zweiten Gitarrist Christian Lind, Keyboarder Marcus Christensen und dem Drummer Kenneth K Gilbert gegründet, wurde Power Metal pur geboten. Schon nach dem ersten Live-Gig befindet Sänger Magnus, dass der Name einfach zu schwul klingt und ändert ihn in Her Whisper.
Nach jahrelangen Problemen mit den Labels warf Christian Lind 2006 das Handtuch, weil er nicht mehr an die erfolgreiche Veröffentlichung des Debüts glaubte und es verging erneut Zeit, bis man mit Christian Widén einen Ersatz fand. Das deutsche Label STF-Records bot den Schweden schließlich einen vernünftigen Vertrag an und nach recht ordentlichen Verkäufen ist man mit dem 2008er Album THE GREAT UNIFIER bereits bei Nummer Zwei angelangt.

Schade, dass es zu solch Verzögerungen kam, denn die gebotene Leistung ist wirklich beachtenswert. Stimmliche Vergleiche beispielsweise zwischen dem Frontmann Magnus und dem ex-Candlemass-Sänger Messiah Marcolin sind durchaus zulässig und unterstreichen einmal mehr die qualitative Leistung des Schwedischen Fünfers.
THE GREAT UNIFIER bezeichnet die Band stilistisch als Dark Symphonic Metal, was die Sache durchaus treffend beschreibt. Die Power Metal Wurzeln sind noch spürbar, werden jedoch mit Keyboard-Teppichen und orchestralen Einlagen in Richtung Symphonic gedrängt. Am wenigsten habe ich das "Dark-Feeling" erlebt. Auch wenn einigen Songs eine Grund-Melancholie mitgegeben wurde, so ist es noch ein großer Schritt zu den meisten Düster-Metal-Combos.

Das Intro "The Shape of Things to come", eine astreine orchestrale Bombast-Einlage ist die perfekte Überleitung zum eigentlichen Opener "Structures of Deceit". Bei dem flotten treibenden Power Metal-Sahnestückchen hat man ebenfalls massiv mit Keyboards gearbeitet, die jedoch organisch in die Gitarrenfront eingebettet wurden und für gehöriges Klangvolumen sorgen. Über allen dominiert der Frontmann Magnus mit seiner markanten Stimme, der nur noch die Gitarren bei ihren Soli Paroli bieten können.
Ähnlich setzt sich das Schema bei "Path of the Redeemer" fort. Mit einem Tick weniger Tempo schieben die treibenden Riffs den Headbanger mächtig vor sich her, wenn sich Keyboards und Gitarren gegenseitig mit Soli befeuern.
Sprach-Effekte und spaciges Intro können nur kurz davon ablenken, dass sich hinter "Artificial Intelligence" ein weiterer druckvoller Symphonic-Stampfer verbirgt, der schon nach wenigen Strophen zur Höchstform auf läuft und mit harmonischem Refrain glänzt. Über allem herrschen jedoch diesmal die harten Gitarrenklänge, die Synthesizer-Teppiche mühelos im Zaum halten. Rhythmisch verschwimmen die grenzen zwischen dem traditionellen Power und modernerem Nu Metal.
Trotz einiger Tempoverschärfungen bewegt sich "Emperor of Sorrow" in deutlich gemäßigteren Geschwindigkeitsbereichen, was der getragene Gesang und einige langsame Gitarren-Riffs noch verstärken. Selbst in den Up-Tempo-Passagen sind es dann die melancholischen Keyboards, die das forcierte Drumming subjektiv langsamer erscheinen lassen, als es ist. Hier trifft auch zum ersten Mal der Begriff "Dark" wirklich zu.
Piano-Klänge und tiefer Gesang starten die erste Ballade "Fiend Angelical", bevor Orchester und E-Gitarrenfront für Bombast-Stimmung sorgen. Nach einem Break mit Gewitterstimmung, darf man sich auf ein kurzes Gitarren-Solo freuen und die Bombast-Ballade geht in ihre Schlussrunde.
Power Metal-Freunde aufgewacht, denn "Schadenfreude" macht seinem Namen alle Ehre. Neben dem hohen Tempo ist es vor allem Magnus, der hier auch Mal die raue whiskeyschwangere Stimme aus dem Keller holt.
Für "Their finest Hour" ist dann wieder Headbangen angesagt, denn dem bestimmenden Rhythmus kann man sich kaum entziehen. Der melodische Refrain mit fetten Chören bleibt diesmal recht gut im Gehörgang hängen und animiert zum mitgröhlen.
Kaum eine Spur von Düsternis bei "Sinners Paradise" mit seinen klassischen Power Metal Gitarren und melodischen Keyboard-Klang-Teppichen. Bisher für mich der Song mit der besten Dauerwirkung, die nicht zuletzt durch eine Vielzahl harmonischer eingängiger Riffs zementiert wird. Hier darf sich Drummer Kenneth richtig austoben und erreicht bei seinem Part fast schon Thrash-Niveau.
Nach dem düsteren Up-Tempo-Stampfer "Elegy for a dying Rose" mit seinen langsamen Gesangspassagen und einem fast zuckersüßen gefälligen Refrain, geht es in der Schlussrunde noch einmal richtig zur Sache.
Das Beste zum Schluss und deshalb hat man sich den Titelsong "The Great Unifier" auch bis zuletzt aufgespart. In jedem Fall erwartet einem ein überwiegend flotter Power Metal-Song, mit gehörigem Drang nach vorne, der jedoch gerade durch sein variables Tempo und eine abwechslungsreiche Gitarrenarbeit glänzt. Dass sich dabei auch wieder Gitarren und Keyboard gegenseitig zur Höchstform anstacheln, versteht sich von selbst. Schade nur, das der Schluss ziemlich abrupt ausfällt, aber für was hat man eine Repeat-Taste.

Fazit: Es ist mir völlig unerklärlich, warum diese CD so lange unbeachtet auf meinem Stapel lag. Es mag an dem düsteren Cover und dem "Dark" im Stil gelegen haben, was sich im Nachhinein als Fehlannahme herausstellte. Musikalisch und stimmlich bieten die Schweden alles, was man sich als Symphonic Metal Fan nur wünschen kann, außer vielleicht einen gefüllten Tourkalender. Aber das kann sich ja noch ändern.
Ungeachtet des hervorragenden und eigenständigen Songwritings und der abwechslungsreichen Arrangements, fehlt mir bei einigen Liedern etwas die Eingängigkeit und vor allem die Dauerwirkung. Allzu kurzweilig rauschen die einzelnen Titel am Ohr vorbei. Das ist umso mehr schade, denn ich bin überzeugt, dass dies ohne weiteres möglich gewesen wäre.
Sieht man darüber hinweg, könnte man Her Whisper ohne Probleme als eine der vielen unentdeckten Perlen bezeichnen.

Anspieltipps:
 "Structures of Deceit", "Artificial Intelligence", "Elegy for a dying Rose", "Sinners Paradise" und "The Great Unifier".

Tipp:
 Für Freunde des Symphonic Metal sind Her Whisper ein wahrer Geheimtipp, den man unbedingt genauer anhören sollte.

Titel-Liste:
 
  1. The Shape of Things to come
  2. Structures of Deceit
  3. Path of the Redeemer
  4. Artificial Intelligence
  5. Emperor of Sorrow
  6. Fiend Angelical
  7. Schadenfreude
  8. Their finest Hour
  9. Sinners Paradise
  10. Elegy for a dying Rose
  11. The Great Unifier

Laufzeit:
 47:56 Min.

Band-Infos:
 
  • www.herwhisper.net 


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