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Review: H.I.M. |
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Doppelschlag:
Album:
Stil:
Wertung:
| |  5 von 7 Punkten | | J.G., 16.09.2007 |
Review:
| | Endlich gibt es neues Futter von den melancholisch angehauchten Romantic Metal-Göttern aus Finnland nachdem nun auch Ville nach einer erfolgreichen Alkoholentziehungskur hoffentlich den Weg zu einem gesünderen Leben gefunden hat.Immerhin schon einmal ein guter Schritt in die Zukunft, auch wenn dies nicht direkt etwas mit der Musik zu tun hat.
Eines ist in jedem Fall geblieben. Jeder Fan wird schon nach wenigen Tönen seine Idole erkennen können, denn die Hooklines, die tief gestimmten Gitarren und Villes wiedererstarkte Form können beim Opener und gleichzeitigem Titelsong "Venus Doom" voll überzeugen. Hier schließt sich der Kreis endlich wieder zu erfolgreichen Frühwerken wie GREATEST LOVESONGS VOL. 666 oder RAZORBLADE ROMANCE. Bei dem Gitarren-Solo hat man sogar noch ein Schippchen Härte drauf gepackt, was einen interessanten Kontrast zur anschließenden doomartig walzenden extrem tiefgestimmten Bridge ergibt. Ein Auftakt nach Maß, dem hoffentlich noch weitere Highlights folgen werden.
Die ersten Takte zum recht flotten "Love in cold Blood" klingen zumindest schon vielversprechend und tatsächlich kann der Anschluss zum fulminaten Opener gehalten werden. Dezent eingebrachte Keyboard-Effekte verleihen dem Ganzen eine verspielte Leichtigkeit, die im mildernden Gegensatz zu den ansonsten recht hart agierenden Gitarren stehen. Die Anzeigetafel zeigt schon mal 2:0 für H.I.M..
Ähnlich hart geht man bei "Passion's killing Floor" vor. Weniger eingängig als die beiden Vorgänger und erneut mit den beiden Gegenspielern Gitarre und Keyboard agierend, überwiegt gegen Ende sogar die an Doom grenzende tiefe Gitarrenarbeit. Und wieder gibt's einen Punkt auf der Anzeige.
Spätestens bei "The Kiss of Dawn" werden sich die eingefleischten Fans langsam fragen, was ihre Jungs für diese Scheibe denn eingeworfen haben oder was zumindest den Sinneswandel weg von konfuser Kost, hin zu konkreter Härte bewirkt haben mag. Schlummerte denn schon immer der metallische Tiger unter der Oberfläche seicht-romatischer Gothic-Kost? Aber egal was es auch gewesen sein mag, ich registriere es mit überwiegend Wohlwollen aber auch manch kurzem Kopfschütteln.
Und keine Angst ihr Kuschel- und Romantik-Fans. H.I.M. lassen euch nicht im Regen stehen. Mit dem längsten Song "Sleepwalking past Hope" liefern sie für ihre Fans gleich einen Mega-Brocken ab, den es erst zu verdauen gibt. Sanfte Piano-Klänge führen ziemlich schnell zu einem etwas härteren Halb-Balladenthema, dass mit allen Tugenden der vergangenen Jahre überzeugen kann. Es wird Abwechslung ohne Ende geboten, egal ob gefühlvoll schmachtend oder metallisch wild, das hat nicht mehr viel mit den blassen Lichtgestalten zu tun, die in den letzten Jahren verzweifelt ihrer alten Form hinterher gerannt sind. In jedem Fall laden die mehr als zehn Minuten zu einer interessanten Berg- und Talfahrt ein, die auch nach mehrmaligem Ticketlösen noch nicht langweilig wird.
"Dead Lovers' Lane" fackelt nicht lange, auch wenn die ersten Gitarrenklänge vielleicht Sanftes erwarten ließen. Es fehlt noch etwas zur 100%igen Eingängigkeit und Dauerhaftung für's Gehör, aber mit diesem weiteren schwungvollen Track, lässt H.I.M. von seiner neu entdeckten Stärke nicht ab, dass sogar mancher Gitarrenfan bei einigen Songs etwas genauer hinhören wird.
"Song or Suicide" dauert glücklicherweise mit schmachtendem Ville und Akustikgitarren nur 70 Sekunden, denn wäre die ganze CD so ausgefallen, hätte ich mich für letzteres entschieden.
Aber Hallo! Wann gibt's denn endlich die in letzter Zeit übliche seichte nichtssagende Einheitskost? Nun, zumindest bei "Bleed Well" werden (noch) keine Kompromisse gemacht und abwechslungsreiche leicht melancholische Musikkost mit dem unverkennbaren H.I.M.-Flair geboten.
"Cyanide Sun" läutet bereits die Schlussrunde ein und beginnt mit bleischweren doomartigen Riffs, die bald Villes leidenschaftlicher Stimme weichen müssen. Endlich gibt es die (schon ersehnte) Ballade für alle, die mit den letzten Alben schon vergessen hatten, dass die Finnen durchaus auch etwas von Rock und Metal verstehen.
Fazit: Was bleibt, ist zunächst ein erstauntes (aber auch leicht verhaltenes) "Boah!" Schwomm man bei den letzen Alben durch den Teich seichter Pop-Balladen, die so blass und farblos blieben, dass selbst ein Albino-Hase in Pulverschnee noch einen wahren Farbfleck darstellen würde, so hat sich das Bild grundlegend gewandelt. Es mangelt weder an der nötigen Leidenschaft, noch fehlt es an dem nötigen Biss und Schwung früherer Tage. Stellenweise hatten James Blunt & Co. (ja, ich schaue auch über den Tellerrand) inzwischen mehr Schwung als unsere Finnen auf ihre aktuellen Scheiben gepackt, aber VENUS DOOM wird alle Kritiker Lügen strafen.
Die einzigen Mängel sind z.B die fehlenden sofortigen Wohlfühl-Ohrwurm-Wirkungen, die radiotaugliche Hits benötigen. Auch fand ich es nicht unbedingt geschickt, den gerade einsetzenden Groove mancher Songs mit einem Break zu killen.
In jedem Fall zeigen die Daumen wieder deutlich nach oben und wenn auch echte Hard- und Heavy-Fans über diese scheibe müde lächeln werden, so lässt sie mit Sicherheit so mach unschuldiges Mädchenherz höherschlagen und das Taschengeld in die Kassen der Plattenläden fließen. |
Wertung:
| |  5,5 von 7 Punkten | | N.Z., 05.04.2010 |
Review:
| | Das Entfachen eines Streichholzes, ein rauchgeschwängerter Atemzug, welcher dem 2007 erschienenen 6. Studioalbum der finnischen Soft-Metal-Band Leben einhaucht - kann man sich einen klischeehafteren aber auch perfekteren Auftakt für das nunmehr zweitjüngste H.I.M.-Werk vorstellen?
So klassisch H.I.M.-lisch VENUS DOOM auch daher kommt, so untypisch ist es auch. Die erste Überraschung bietet der optische Auftritt der CD. Weder ein entblößter Leadsänger noch das zum Markenzeichen der Band gewordene Heartagram schmücken das Cover (so wie bisher üblich), sondern ein Gemälde des amerikanischen Künstlers David Harouni.
Und bereits mit den ersten Klängen wird klar, dass sich der Wandel nicht auf die grafischen Elemente des Albums beschränkt. Bereits das Intro des Openers und gleichzeitigen Titelsongs "Venus Doom" präsentiert sich in einer Härte, an welche wir uns noch schwach aus den Erstlingswerken der Finnen erinnern können, und die wir schmerzlich auf dem eher lauen und wenig beeindruckenden Vorgänger DARK LIGHT vermisst haben. Doch schon mit den ersten gesungenen Silben wird klar: härtere Gitarrenriffs hin oder her, geschmachtet wird dennoch, und zwar ordentlich.
Das erste Hören verläuft abwechslungsreich - ein Wechselspiel der Gefühle, irgendwo zwischen Verzückung und Irritation. Die teils überlangen Arrangements wirken unzusammenhängend, auseinander gerissen; die zahlreichen instrumentalen Soli zwar interessant und kraftvoll, jedoch auch deplatziert. Doch der erste Eindruck schwindet mit jedem erneuten Hören. Beinahe körperlich spürt man, wie die Stücke sich ins Ohr graben und im Hirn reifen, bis sich sämtliche Songfragmente zu einem stimmigen Gesamtkunstwerk zusammenfügen, welches genau so und nicht anders sein sollte / sein muss.
Wie schon bei den vorherigen Alben warten die, wie immer von Frontman und Kopf der Band Ville Valo ersonnenen Tracks, mit Stärken sowie Schwächen auf. Die Strophen gleiten gewohnt schwermütig mit behäbigem Tiefgang durch die weichen Abgründe aus Melancholie und Düsternis, während der ein oder andere Chorus in poppig angehauchter, radiotauglicher Leichtigkeit eine etwas ungeschickte Brücke zur alten H.I.M.-typischen Eingängigkeit schlägt. Mit besonderer Intensität bepinselt schmettert, knurrt und jauchzt einem Valo in beeindruckenden Middleparts (z. B. in "Venus Doom", "Love in Cold Blood", "Sleepwalking Past Hope") seinen (größtenteils Liebes-) Kummer direkt ins weichgespülte Herz und lässt die kleinen Mädchen seufzen. Inhaltlich verlassen sich H.I.M. auf das Althergebrachte: viel sorrow, death und love, allerdings wie gewohnt in recht schöner, wenn auch stark an der Oberflächlichkeit schabender Form. Warum ändern, was funktioniert?
Während Songs wie "Venus Doom" oder "Sleepwalking Past Hope" einen in ihren düsteren Fängen halten und gekonnt genussvoll mit sich in die Tiefe ziehen, in welche man bereitwillig folgt, ziehen andere Stücke wie etwa "The Kiss of Dawn" oder "Dead Lovers Lane" eher spurlos an einem vorbei. Eingängig und stimmungsvoll sind sie alle, jedoch gelingt es nur einigen Tracks (und hier spricht das kleine Mädchen in mir) einen an geheimster Stelle zu packen so dass man in leidvoller Verzückung der dunklen Macht zu erliegen droht. Mit "Cyanide Sun", welches mit metallisch rostigem Sound aufwartet, fanden die Finnen einen perfekten Abschluss für das nach eigenen Aussagen düsterste Album ihrer bisherigen Karriere. Wenn der letzte Ton verklingt bleibt man zurück in einem warmen, bittersüßen Sud aus Wehmütigkeit und Sehnen in freudiger Erwartung darauf, erneut den Start-Knopf zu drücken, und von Vorne zu beginnen.
Fazit: VENUS DOOM ist in jedem Fall eins der stärksten H.I.M.-Alben - wunderschön hart und dennoch butterweich, welches einigen, jedoch nicht allen, Schwächen seiner Vorgänger und des Nachfolgers zu entgehen vermag. |
Tipp:
| | Wem die Grundideen der H.I.M.-Musik gefallen, bzw. ihnen nicht vollkommen abgeneigt ist, wird von VENUS DOOM positiv überrascht sein. |
Titel-Liste:
| | - Venus Doom
- Love in cold Blood
- Passion's killing Floor
- The Kiss of Dawn
- Sleepwalking past Hope
- Dead Lovers' Lane
- Song or Suicide
- Bleed Well
- Cyanide Sun
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