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Review: Honigdieb |
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Album:
| | SEELENTROPFEN, 2007, Idiots Records |
Stil:
Wertung:
| |  5 von 7 Punkten | | M.K., 08.10.2007 |
Review:
| | Das Dortmunder Quintett Honigdieb bringt mit SEELENTROPFEN das bereits dritte Album unter die Leute. Frontmann Sir Hannes, der in Dortmund den Kult-Szeneladen Idiots Records betreibt und seine Truppe brauchten drei Jahre, um SEELENTROPFEN fertig zu stellen. Ob es sich gelohnt hat?
Mit "Verkehrt" beginnt die CD und das erste von dreizehn Stücken wird von einem simplen Gitarrenriff eingeläutet. Der verzerrte Gesang von Hannes setzt kurz darauf ein, im weiteren Verlauf setzen die restlichen Instrumente ein. Ein Mid-Tempo Hard Rock-Song entsteht so, die "Nanana"-Melodie bleibt sofort im Kopf, während in den Strophen härter gesungen und gerifft wird. Unterstüzt wird der Sir von Anca Pop an der Querflöte. Sehr interessantes Arrangement, schlüssiges Songwriting und ein guter Ohrwurm zeichnen "Verkehrt" aus.
Weiter geht es an zweiter Stelle mit "Augenöffner", welches mit einer ruhigen Bassline sowie abstrakten Flötentönen beginnt. Dazu kommt ruhiger, fast flüsternder Sprechgesang von Hannes, wie man ihn von der Solo-Platte von Thomas D. (Die Fantastischen Vier) kennt. Der Refrain bietet da schon mehr und lauteren Gesang sowie härtere Gitarren. Nach dem zweiten Refrain folgt ein sehr cooler Ska-Part, wonach es mit dem Chorus weiter geht. Interessante Kombination. Dieses Spielchen wird noch einmal wiederholt, dann ist schon Ende.
Der Titelsong namens "Seelentropfen" startet im Anschluss recht Reggae-lastig und im angenehmen Mid-Tempo. Sir Hannes duelliert sich in den Strophen mit der Geige, während im Refrain das Tempo leicht angezogen wird. Der Song macht soweit richtig Spaß und überzeugt durch das flotte Arrangement, obwohl die Bridge das komplette Gegenteil darstellt und recht abgedreht ist. Auch der Tempowechsel kurz vor Ende tut dem Song gut. Der Refrain ist ein purer Ohrwurm, anders lässt sich das nicht erklären. Guter Song.
Nun folgt "Immer für dich da" und beginnt seht ruhig mit gefühlvollem Gesang. Eine ruhige Gitarre wird vom noch ruhigeren Kontrabass unterstützt, während Hannes dahersingt. Im Aufbau zum Refrain geht es dann etwas härter zu, während der Refrain im astreinen Hard Rock-Bereich beheimatet ist. Danach geht es mit Geigenklängen von Raimund Alfons Gitsels wieder in die melancholische Stimmung von Beginn, einzig und allein Drummer Mathias Bonheger-Kadel spielt nun Army-mäßig auf der Snare etwas schneller. Der Chorus folgt hiernach noch zwei mal, im zweiten Durchlauf wird das Tempo angezogen, bevor der Song ruhig endet. Weiß zu gefallen.
Mittelaltermäßig mit Querflöte beginnt das nun folgende "Hallo Neider", während die Strophe an Reinhard Mey erinnert. Der Chorus wird langsamer und tiefer eingeleitet, erinnert etwas an Knorkators Alf Ator. Der Refrain hingegen kommt da schon aggressiver rüber und sollte live durch den direkten Kontakt mit dem Publikum super funktionieren. Vorm zweiten Refrain fehlt der Ator-Part, nach etwas Geflöte endet der Song nach gut drei Minuten. Cha Cha Cha!
Wieder auf Jamaika im Land der Dreadlocks fühlt man sich bei "Smarties". Reggae dominiert hier wieder, kombiniert mit Geigen. Klingt ungewöhnlich, aber gut. Die Vocals von Sir Hannes passen zur Musik, wenn auch auf dem ersten Blick sinnlos erscheinend. Nach gut 02:20 Minuten wird das Tempo angezogen und die fünfzig kreischenden Mädels vom Promozettel haben ihren Einsatz. Sehr verwirrend im ersten Moment. Klingt aber irgendwie lustig und gut, macht Laune.
Nun folgt der sechste Song namens "Pille(n)mann", der im Mid-Tempo beginnt und durch treibende Drums dominiert wird. Die Lyrics drehen sich um Medizin, Fäkalien etc., während musikalisch gewildert wird und Punk, Rock, Pop miteinander verbunden wird. Das Stück ist mit 02:24 Minuten auch recht kurz gehalten und hat am Ende sogar einen Polkapart, dem ein schneller Mittelalterteil mit Geigen und Flöten folgt. Dann ist schon Schluß. Honigdieb mischen hier mehrere Musikstile miteinander und zwingen zum nochmaligen anhören. Aber auch danach kann der Song nicht hundertprozentig überzeugen.
Genau vier Minuten lang gibt es nun "Dumm ist, der dummes tut" auf die Ohren. Das Ganze beginnt mit einem ruhigen Beat und Gitarre sowie ironischen Lyrics, im Refrain wird wieder in die Reggae-Ecke gedriftet. Auch hier entpuppt sich der Refrain als Ohrwurm. Die Gitarre in den Strophen erinnert stark an eine langsame Version von Weezers Klassiker "Island in the Sun", besonders vom Sound und Anschlag her. Nach dem zweiten Refrain folgt ein Querflötensolo im Reggaegesang, welches danach vom leicht arabisch angehauchten Gesang Hannes' sowie dem Mädchenchor unterstützt wird. Auch diese Melodie bleibt im Kopf hängen. Zwei Ohrwürmer in einem Song können nur gut sein, Daumen hoch!
Sehr ruhig startet "Bevor du gehst" mit einer Gitarre sowie traurigen Flötentönen. Sir Hannes kann hier wie auch in "Immer für dich da" mit gefühlvollen, ruhigen Gesangslinien glänzen. Nach einer guten Minute geht es rockiger weiter, der Stilbruch überrascht schon. Hannes singt auch lauter und dennoch verzweifelt-aggressiv. Man kann gut mit dem Kopf mitwippen, wird jedoch vom ruhigen Part eiskalt erwischt. Hiernach folgt der Refrain ein weiteres Mal, der jedoch weitere Lyrics beinhaltet, bevor es wieder ruhiger wird. Eine Gefühlsachterbahn quasi. Viel mehr als diese zwei verschiedene Stile gibt es hier nicht zu vermelden. Mit 05:38 Minuten in meinen Augen zu lang geraten.
Das "Mädchen mit den roten Haar'n" macht sich nun auf den Weg in den Gehörgang. Eine Mundharmonika läutet den Song ein, welcher mit einem ruhigen, dennoch betonten Gitarrenriff weiter geht. Hannes setzt dann ein und singt von eben jenem Mädel. Im Refrain gibt es hierbei Unterstützung von der Mundharmonika. Die Reihenfolge Strophe-Refrain folgt ein weiteres Mal, die nachfolgende Bridge ist viel schneller und punkiger vorgetragen, hiernach kommt ein an die frühen Red Hot Chili Peppers erinnernder Part mit fast schon Rapgesang. Danach wiederholt sich das Spiel noch einmal, danach geht es ruhig und Instrumental weiter, bis eine weitere Strophe sich anschließt und den Song beendet.
"Wenn schon, denn schon" folgt und startet mit einer Kombi aus Riff und Querflöte, danach folgt eine Sirene sowie ein Glöckenspiel und verzerrter Gesang von Hannes im aggressiven Knorkator-Stil, alles untermalt von einem harten Riff. Im Refrain jedoch geht es melodischer zu, Hannes bietet hier klaren, wenn auch nasalen Gesang. Mit einer weiteren Strophe wird das Lied fortgesetzt, gefolgt vom Chorus, diesmla mit einer kleinen Abwandlung. Die Bridge hiernach ist mit einer recht funkigen Gitarre ausgestattet, dann gibt es noch mal Refrain und Ende. Passabel.
Der vorletzte Song nennt sich "All das, was ist" und ist ein Mid-Tempo Hard-Rocker. Dies endet sich jedoch mit dem Einsatz von Sir Hannes, der Song driftet in eine Mischung aus Poppunk und Kinderlied ab. Der Chorus ist jedoch wieder härter, vor allem das tribale Drumming kann hier überzeugen sowie das Zusammenspiel von Riff und Flöte. Durch den "Hey! Ho!"-Part am Ende hat auch dieses Lied live bestimmt einiges an Freunden.Mit einer dritten Strophe endet dieses abwechslungsreiche Stück.
Als letztes Lied folgt "Fischstäbchen" und ein Ska-Riff sowie Querflöte eröffnen das Lied. Hannes setzt dann passend ein und verdrängt die Flöte. Der Refrain zäubert ein Lächeln auf das Gesicht des Rezensenten und mag im ersten Moment lächerlich wirken. Fröhlicher Chorus, der nach dem zweiten Mal von einem Querflötensolo sowie einer Bridge gefolgt wird. Danach ist der Song vorbei und dauert keine drei Minuten.
Allerdings zeigt der Media Player hier fast zwölf Minuten an, da muss noch was folgen. Doch da sich sowas hidden Track nennt, lassen wir ihn auch gut versteckt und vom Kunden selbst entdecken.
Fazit: Honigdieb machen in erster Linie Spaß beim Zuhören. Musikalisch haupsächlich zwischen Hard Rock und Reggae einzuordnen, es kommen jedoch auch Einflüsse aus Punk, Pop, Ska und Mittelalter zur Geltung. Lyrisch machen die meisten Texte Sinn, wenn auch nicht beim ersten Hördurchgang. Sir Hannes lässt Raum zur Interpretation.
Die Produktion ist vollkommen in Ordnung, dem Album hätte jedoch etwas mehr Druck, mehr Seele gut getan. Es klingt an manchen Stelllen recht steril, kann jedoch überzeugen.
SEELENTROPFEN bietet Abwechslung pur und ist nichts für Menschen, die nicht mindestens zwei Mal über den Tellerrand blicken möchten. Eine gesunde Portion Humor und Aufgeschlossenheit sollte man für die Dortmunder Truppe schon übrig haben. |
Tipp:
| | "Seelentropfen", "Dumm ist, wer dummes tut" sowie "Smarties" machten mir am meisten Freude. |
Titel-Liste:
| | - Verkehrt
- Augenöffner
- Seelentropfen
- Immer für dich da
- Hallo Neider
- Smarties
- Pille(n)mann
- Dumm ist, der dummes tut
- Bevor du gehst
- Mädchen mit den roten Haar'n
- Wenn schon, denn schon
- All das, was ist
- Fischstäbchen
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.honigdieb.de  |
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