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Review: Hydrogyn
 
DEADLY PASSIONS

Album:
 DEADLY PASSIONS, 2008, DR2 Records

Stil:
 Heavy Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 25.05.2008

Review:
 Wer glaubt, dass es nur wichtig ist, mit dem Debüt zu klotzen und alle Alben die folgen ein Kinderspiel wären, der wird wohl Grund naiver Blauäugigkeit früher oder später scheitern. Richtig schwer wird es nämlich dann, wenn ein Vorgängeralbum recht erfolgreich abgeräumt hatte und sich auch noch in den Charts tummeln durfte. Klar, dass dadurch die Erwartungen der Fans bei neuer Kost entsprechend in die Höhe klettern. So auch geschehen bei den aus Kentucky stammenden US-Rockern von Hydrogyn. Da dürfen sie mit ihrem 2006er Album BOMBSHELL Chart-Erfolge feiern und haben damit sicherlich glücklich über die Anerkennung ungewollt die Messlatte entsprechend hoch gehängt.
Wurde auf dem Vorgänger erdiger Hard Rock mit einem kräftigen Schuss "Nu" gezockt, so hat man sich für DEADLY PASSIONS von dem "Nu"-Ballast fast gänzlich befreit. Dafür wurde der Fokus etwas in Richtung Heavy verschoben. Eigentlich macht es kaum einen Unterschied, denn gerade die Frontröhre Julie Westlake mit ihrem unverwechselbaren Organ kann sich in beiden Genres nicht nur gesanglich, sondern auch songwriterisch spielend behaupten.
Wer sich übrigens schon am Frontcover vom BOMBSHELL erfreut hat (wie komme ich bloß da drauf), der wird auch bei DEADLY PASSIONS nicht enttäuscht. Die Verpackung ist auch diesmal recht "ansprechend".

Mit ihrem Opener "Rejection" sorgen sie in jedem Fall schon einmal für einen fulminanten Einstieg. Double-Bass-Drums und Shredder-Gitarren plätten das Feld für Julie, die sich auch gleich voll in Zeug legt. Hier ist es fast ausgeschlossen, sich dem Headbangen zu entziehen und trotz heftigem Kopfschütteln wird es schwierig, den Song wieder aus der Ohrmuschel zu verbannen. Nicht genug, schieben rasend schnelle Gitarren-Soli und eine druckvolle Produktion gnadenlos nach vorne.
Nicht nur das abrupte Ende von "Rejection" sondern der dezent gehauchte Start von "On and on" lassen sicherlich so manche Augenbraue kräuseln. Aber keine Angst, der beinharte melodische Rocker folgt auf dem Fuße, wie man so schön sagt. Auch wenn man immer wieder das sanfte Intro-Thema aufnimmt, regiert hier eindeutig der Heavy Rock mit kraftvoller Julie und fetter Chor-Unterstützung - Abfeierlaune garantiert!
Ein paar Nu Metal-Spuren sind dann doch noch übrig geblieben. Für "Your Life" hat man diesmal keine Verschleierungstaktik wie beim Vorgänger gewählt, sondern ist gleich in die Vollen gegangen. Ähnlich beim Titelsong "Deadly Passions", der sich ebenfalls wie "Your Life" treibender Gitarren-Riffs und einem satten melodischen Refrain bedient und genügend Futter für gepflegtes Abrocken bietet - klar auch hier gibt es wieder Gitarren-Soli.
Passend aber eigentlich gar nicht nötig, angesichts des starken eigenen Materials, ist der folgende Cover-Song "You oughta know" von Alanis Morissette, der Dame mit der "überschnappenden Stimme". Überraschenderweise ist das Unternehmen "Cover" oder besser "Pop goes Rock" mehr als gelungen und fügt sich organisch in das Gesamtwerk ein. Nach mehrmaligem Hören hat man fast vergessen, wer der eigentliche Urheber war.
Nach zwei etwas gebremsten Rock-Nummern "Over U" und "Candles light your Face" wird bei "Seroquil" wieder kräftig und kompromisslos abgerockt. Dominante Gitarren treiben Julie gnadenlos an, bis hin zum etwas eigenwilligen aber durchaus passenden Refrain.
Nach so viel Rock wird es Zeit für eine Ballade. Das dachten sich wohl auch Hydrogyn und spendierten zum Abschluss "Shadow" einen richtigen Schmacht-Rocker mit melancholischer Zucker-Stimme und herzerweichend wimmernden Gitarren. Sicher nicht originell, aber genau so kann und darf man ein klasse Album beenden. Und was liegt näher, nach dem sanften Ausklang mit Klavier sofort wieder den Startknopf zu suchen... Halt, es folgt ja noch der Bonus-Track "I know", der dann doch noch für einen rockigen Schlusspunkt sorgt.

Fazit: Tja, da kann man wirklich nicht meckern. Mit DEADLY PASSIONS hat die band konsequent das fortgesetzt, was BOMBSHELL zuletzt geboten hat. Der Tick mehr Härte steht dem Album recht gut zu Gesicht und macht Hoffnung auf weitere gute Alben.
Leider gehören Hydrogyn immer noch zu einer verschwindend geringen Anzahl von Bands, die sich über eine charismatische und ausdrucksstarke Frontfrau freuen dürfen. Klar, so ganz schläft die Konkurrenz nun doch nicht. Benedictum ist seit Kurzem im Kommen. Holy Moses, Doro oder Arch Enemy beackern die Fanscharen schon seit Jahren. Ob es Hydrogyn schafft sich auf Dauer im Rock-Zirkus festzubeißen oder gar in die Oberliga aufzusteigen, bleibt abzuwarten. Wünschenswert wäre es in jedem Fall.

Tipp:
 Für Fans ein Pflichtkauf und auch alle anderen, die ausdrucksstarke Frontfrauen nicht von der Bettkante stoßen die sollten hier zugreifen - bildlich gesprochen - oder was dachtet ihr, ihr Ferkel.

Titel-Liste:
 
  1. Rejection
  2. On and on
  3. Your Life
  4. Deadly Passions
  5. You oughta know
  6. Over U
  7. Candles light your Face
  8. Seroquil
  9. Silent Animation
  10. Shadow
    - - - Bonus-Track - - -
  11. I know

Laufzeit:
 41:38 Min.

Band-Infos:
 
  • www.hydrogyn.com 


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