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Review: Icarus Witch
 
DRAW DOWN THE MOON

Album:
 DRAW DOWN THE MOON, 2010, Cleopatra

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 4 von 7
4 von 7 Punkten
 S.M., 24.10.2010

Review:
 Icarus Witch sind eine amerikanische Band, die sich dem traditionellen Heavy Metal verschrieben hat. Ihr letztes Werk SONGS FOR THE LOST, welches über das inzwischen etablierte Metal-Label Cruz Del Sur veröffentlicht wurde, bekam recht gute Kritiken. Rund drei Jahre später schieben die Amis den Nachfolger DRAW DOWN THE MOON hinterher. Bei Cruz Del Sur sind sie überraschenderweise nicht mehr unter Vertrag. Das Album erscheint über Cleopatra Records.

Stilistisch sind Icarus Witch irgendwo zwischen dem melodischeren europäischen und dem tougheren amerikanischen Heavy Metal angesiedelt. Sie verbinden eigentlich Elemente aus beiden Sparten.
"Black Candles" ist eingängig und hymnisch und orientiert sich weitestgehend am europäischen Metal aus der NWoBHM. Die Melodie von "Aquarius rising" ist ebenfall old-schoolig angehaucht, während die druckvolle Rhythmusarbeit mehr typischen amerikanischen Standards entspricht. Die teilweise sehr präsente Bassline erinnert dagegen wiederum an Iron Maiden oder deren Top-Nachahmer Pharaoh.
Was die beiden Opener aber ausmachte - eine ohrwurmtaugliche Eingängkeit spätestens nach dem zweiten Hören - fehlt "Reap what you sow" völlig. Es soll sich hier freilich eine düsterere Stimmung entwickeln, doch das geht schief. Der Track grooved irgendwie ohne Eindrücke vor sich hin. Da hätte man besser nochmal geschaut, wie Iced Earth auf HORROR SHOW sowas gemacht haben.
Bei "Dying Eyes", einem Song der auf Vielschichtigkeit und sich häufig ändernden Intensitäten aufbaut, machen es Icarus Witch dann wesentlich besser. Das jeweilige Feeling wird musikalisch gut umgesetzt und kommt dann entsprechend rüber.
Der Titeltrack "Draw down the Moon" ist ein mächtiger Stampfer an der Grenze zwischen wuchtigem Heavy Rock und maideneskem Heavy Metal. Er wartet mit einem coolen Solo auf, und der Höhepunkt thront schön über der Komposition.
Immer wenn die Amerikaner versuchen, mehr eine Atmosphäre zu entwickeln, stellen sie das nicht besonders klug an. Bei "Serpent in the Garden" versucht man es mit leicht exotischen Riffs und dominantem Bass, doch auch dieser Song schleicht in einer pseudo-künstlichen Düsternis ziemlich langweilig vor sich hin.
Leider bringt auch das nächste Stück "Funeral Wine" keine neuen Aspekte mit sich, sondern walzt in fast doomiger Manier und mit zu offensichtlichen Maiden-Anleihen beim Gitarren- und Bassspiel durch die Gehörgänge, ohne Erinnerungen zu hinterlassen.
Da es "Haunting Visions" fast genauso geht, muss ich sagen, dass das Niveau mit längerer Spieldauer ganz schön nachlässt. Icarus Witch haben ihr weniges Pulver recht früh verschossen. Zu sehr klingt die Band danach wie eine mittelmäßige Kopie von Pharaoh oder Steel Prophet.
Zum Abschluss gibt es noch eine Coverversion von Judas Priests "The Ripper" was im Endeffekt nur zeigt, dass Icarus Witch nicht mal genug Ideen haben, um ein Album mit einer akzeptablen Spielzeit zu füllen. Wenigstens ist die Umsetzung des Stücks ziemlich gelungen, was beweist, dass die Probleme nicht auf der technischen Seite liegen.

Fazit: Von DRAW DOWN THE MOON bin ich schon etwas enttäuscht. Bei SONGS FOR THE LOST waren Icarus Witch mindestens eine Klasse besser. Die Stücke kränkeln teilweise an unausgegorenem Songwriting. Den Amis gingen schnell die Ideen aus, und es gibt wenig wirklich empfehlenswerte Tracks.
Von den 4,5 Punkten, die ich dem knapp überdurchschnittlichen Album geben würde, ziehe ich für die viel zu kurze Spielzeit nochmal einen Halbpunkt ab. So stellt man sicherlich keine Fans zufrieden. Nach drei Jahren Entwicklungszeit, darf man deutlich mehr erwarten als 35 Minuten, und wenn man das überflüssige Judas-Cover noch abzieht, bleiben sogar nur 32 Minuten eigenes Material.
Icarus Witch dürfen mit ihrem nächsten Album zeigen, ob sie es doch besser können, oder ob ihr Erfolgs-Zug nach nur einem guten Album schon wieder abgefahren ist.

Anspieltipps:
 "Black Candles", "Aquarius rising", "Dying Eyes" und "Draw down the Moon".

Titel-Liste:
 
  1. Black Candles
  2. Aquarius rising
  3. Reap what you sow
  4. Dying Eyes
  5. Draw down the Moon
  6. Serpent in the Garden
  7. Funeral Wine
  8. Haunting Visions
  9. The Ripper (Judas Priest)

Laufzeit:
 35:36 Min.

Band-Infos:
 
  • www.icaruswitch.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Icarus Witch: DRAW DOWN THE MOON

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