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Review: Iced Earth |
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Album:
| | DYSTOPIA, 2011, Century Media |
Stil:
Wertung:
| |  5 von 7 Punkten | | V.R., 15.01.2012 |
Review:
| | Für Iced Earth lief es in den letzten Jahren sicher nicht unbedingt so, wie sich Bandkopf Jon Schaffer das gewünscht hätte. Nach Matthew Barlows Ausstieg 2002 wurde mit Tim ‚Ripper’ Owens zwar schnell adäquater Ersatz gefunden, doch die unter seiner Mitwirkung veröffentlichten Alben THE GLORIOUS BURDEN (2004) und ganz besonders FRAMING ARMAGEDDON (SOMETHING WICKED PART 1) kamen sowohl bei der Presse als auch bei den Fans nicht sonderlich gut an. Dies lag allerding weniger an Herrn Owens Stimme, sondern vielmehr an einigen mittelmäßigen Songs, die zwischen den restlichen gewohnt starken Iced Earth-Krachern auf den Alben zu finden waren. Ließen Iced Earth bis HORROW SHOW Volltreffer auf Volltreffer folgen, ließ die Band – für viele vollkommen überraschend – ein wenig nach und viele wünschten sich daraufhin die seligen Zeiten zurück, als Matthew Barlow noch Sänger bei Iced Earth und die Welt für sie noch in Ordnung war.
Umso größer war bei den meisten Fans die Freude, als Mr. Barlow Ende 2007 zur Band zurückkehrte. Das anschließend veröffentlichte THE CRUCIBLE OF MAN (SOMETHING WICKED PART 2) spaltete die Fangemeinde allerdings und war für viele nicht die erhoffte Rückkehr zu alten Zeiten. Während bei einigen die Freude über Matthew Barlows Rückkehr, der mit den Jahren nichts von seiner stimmlichen Ausstrahlung eingebüßt hatte, überwog, vermissten andere die typischen Iced Earth-Kracher, welche man auf den älteren Platten geboten bekam. Wieder anderen gefiel die musikalische Weiterentwicklung der Band hin zu bombastischen ausladenderen Konzeptwerken. In jedem Fall war die Scheibe nicht unbedingt das Werk, was das Gros der Fans nach der Rückkehr des altgewohnten Sängers erwartet hätte. Nachdem Mr. Barlow die Band dann Anfang 2011 auch noch wieder verlassen hatte, schwand die Hoffnung der Fans auf einen weiteren Karriere-Volltreffer zusehends. Stu Block, bekannt durch Into Eternity, sprang zwar schnell in die Bresche und besetzte die freigewordene Sängerposition schon kurz nach Bekanntgabe des Ausstiegs von Matthew Barlow, doch ob Iced Earth mit ihm noch einmal eine Scheibe aus dem Hut zaubern könnte, die wirklich allen Fans der Gruppe gefallen könnte, muss sich erst mal zeigen. Mit DYSTOPIA liegt seit Oktober 2011 die zehnte Scheibe der Band vor und wartet seitdem nur darauf, rezensiert zu werden.
Der Opener "Dystopia" weckt schon mal sehr große Hoffnungen, erinnert er doch stark an so manchen Power Metal-Kracher aus den besten Zeiten der Band. Auch stimmlich muss man hier keine Bedenken haben, erinnert Stu Block bei den tiefen Tönen doch sogar sehr deutlich an Mr. Barlows Gesangsorgan, während er in den höheren Passagen auch eigene Akzente setzen kann. In jedem Fall besitzt er einen ähnlich ausgeprägten Stimmumfang wie Matthew Barlow und stellt somit den perfekten Ersatz für diesen dar.
Weiter geht es mit dem Midtempo-Banger "Anthem", der hier und da auch halbballadeske Elemente aufweist. Immer wieder hat man hier das Gefühl, als wäre Mr. Barlow noch immer bei Iced Earth aktiv, so sehr erinnert Stu Block stellenweise an seinen Vorgänger, ohne ihn dabei billig zu kopieren. Vom Aufbau und Arrangement her kommt dafür umso mehr der Eindruck auf, es hier mit einer billigen Kopie zu tun zu haben. Klar, Iced Earth lassen wieder alte Zeiten aufleben, doch das sollte eigentlich nicht zur Folge haben, dass ganze Melodiefragmente älterer Titel wieder aufgewärmt werden.
Auch das extrem harte, beinahe thrashige "Boiling Point" atmet den Geist alter Zeiten, doch glücklicherweise setzen Iced Earth hier auch neue Akzente und bieten deutlich mehr als nur eine simple Selbstkopie. Stu Block erhält hier zudem die Gelegenheit, sein Gesangsorgan voll zu entfalten und wächst damit weit über die Aufgabe des Barlow-Ersatzes hinaus.
Mehrere Gänge zurück schaltet die Band dann beim im gepflegten Mid-Tempo gehaltenen "Anguish of Youth". Der Wechsel zwischen sanften, von Akustikgitarrenklängen getragenen Strophen und etwas härteren Refrain-Passagen lässt dabei selige Erinnerungen an das geniale "I died for you" aufkommen, doch handelt es sich auch hier wieder um eine zu nah am Vorbild gehaltene Kopie ohne jegliche eigene Akzente.
Der fünfte Song ist dann schlicht mit "V" betitelt und fällt auch musikalisch extrem schlicht aus. Außerdem hat man das doch alles schon mal gehört, beispielsweise beim sehr ähnlich klingenden "The Hunter" vom THE DARK SAGA-Album. Lediglich im Gitarrensolo gelingt es der Band kurzzeitig, neue Akzente zu setzen.
Sehr viel mehr weiß da der nächste Song namens "Dark City" zu gefallen. Der Song bietet eine gelungene Abwechslung aus aggressiven Strophen und melodischen, stellenweise sogar chorunterlegten Passagen im Refrain. Ein bisschen kann der Titel so über die enttäuschenden letzten Songs hinwegtrösten.
So langsam scheint der Knoten geplatzt zu sein, denn mit "Equilibrium" folgt sogleich ein weiterer starker, stellenweise leicht thrashiger Titel, der die alten Zeiten aufleben lässt, ohne sie einfach nur zu kopieren.
"Days of Rage" geht musikalisch in eine ähnliche Richtung, erreicht das Niveau des letzten Songs aber nicht, da der Titel etwas zu simpel gestrickt ist und den einen oder anderen Höhepunkt – oder auch nur ein wenig Abwechslung – vermissen lässt.
Auch Balladen gehören bei Iced Earth spätestens seit THE DARK SAGA zum Programm und mit "End of Innocence" hat sich auf DYSTOPIA ein wirklich gelungener Vertreter dieser musikalischen Gattung eingefunden, welcher durchaus melancholisch, aber keinesfalls kitschig daherkommt.
Das fast schon rockige "Soilent Green" ist nur auf der limitierten Digipak-Edition enthalten und gehört somit zu den Bonus-Tracks des Albums. Das geht auch in Ordnung so, da der Song als eher mäßig, im Prinzip sogar als verzichtbar zu bezeichnen ist.
Auch bei "Iron Will" handelt es sich um einen Bonus-Track, der allerdings derart stark ausgefallen ist, dass er gut und gerne einen der schwächeren regulären Songs aus dem ersten Drittel der Platte hätte ersetzen dürfen. Das sind die Iced Earth, wie man sie liebt - hart, melodisch und klassisch, ohne dabei zur Selbstkopie zur verkommen.
Anschließend folgt mit "Tragedy and Triumph" überraschenderweise noch mal ein regulärer Song, der auf der Standard-Edition die Position des Schlusslichts übernimmt. Der Titel erweist sich dann auch tatsächlich als idealer Ausklang, bei dem sich Iced Earth noch einmal auf ihre Stärken besinnen und dem Hörer einen extrem melodischen Power Metal-Kracher mit Ohrwurmgarantie präsentieren.
Besitzer der Digipak-Ausgabe dürfen sich anschließend noch über eine Spezialversion des zweiten Songs "Anthem (String Mix)" freuen. Wobei es der Begriff ‚freuen’ wohl nicht ganz trifft, war der Titel beim ersten Hören doch schon vernachlässigbar und in dieser leicht abgewandelten Fassung können da auch keine neuen Akzente mehr gesetzt werden.
Fazit: Rückkehr zu alten Zeiten – vorhanden. Eingängige Songstrukturen – vorhanden. Hochklassiger neuer Sänger – vorhanden. Wenn man diese Checkliste betrachtet, müsste Iced Earth mit DYSTOPIA eigentlich endlich wieder ein absoluter Volltreffer geglückt sein. Leider ist genau dieser Fall aber nicht eingetreten, da Iced Earth stellenweise zur Selbstkopie mutieren. Die meisten werden sich zwar gewünscht haben, dass sich die Band wieder an den Alben der Phase zwischen 1994 und 2001 orientieren, was ja auch weitgehend der Fall ist. Dabei darf es dann aber einfach nicht passieren, dass manche Songs so klingen wie lediglich leicht abgewandelte alte Klassiker. Neuartige Songs im alten Stil, das wäre das Geheimrezept gewesen, welches Iced Earth aber nur etwa bei zwei Dritteln der Lieder beherzigen. Der Rest klingt zu sehr nach aufgewärmten Altlasten, vielleicht wollte man da einfach zu sehr auf Nummer sicher gehen. Leider finden sich die schwächeren Songs auch noch, vom genialen Opener mal abgesehen, ausgerechnet zu Beginn des Albums. Darüber hinaus ist von der musikalischen Weiterentwicklung, die die Band während der letzten zehn Jahre durchgemacht hat, nicht mehr viel zu spüren. Das mag man zwar einerseits positiv bewerten, da die Scheibe dadurch frei von überflüssigem Ballast gehalten wurde, andererseits werden manche vielleicht gerade jene epischen, ausladenden Passagen vermissen. Doch damit genug der Kritik, denn DYSTOPIA ist beileibe kein schlechtes, sondern ein gutes, vielleicht sogar sehr gutes Album und einige der Songs haben zudem das Potential, sich zu neuen Bandklassikern zu entwickeln. Ein wirklich glückliches Händchen hat die Band zudem bei der Wahl des neuen Sängers bewiesen. Stu Block ist ein mehr als adäquater Ersatz für Matthew Barlow und kommt dem Timbre seines Vorgängers phasenweise sehr nahe, um dann in anderen Momenten wieder ganz eigene Akzente zu setzen. Beim nächsten Album sollte man ihm vielleicht noch mehr Spielraum zubilligen, da Mr. Block immer dann am besten klingt, wenn er seinem Sangespotential freien Lauf lassen kann. Alles in allem ist DYSTOPIA zwar eine musikalische Rückkehr zu alten Zeiten, aber kein perfektes Album geworden. Mir persönlich gefällt der Vorgänger sogar um einiges besser, welcher aber ohnehin zu meinen persönlichen Iced Earth-Favoriten gehört. Fans, die die Mitt-90er-Alben der Band bevorzugen und sich nicht daran stören, dass sie manche Passagen so oder so ähnlich schon auf älteren Scheiben gehört haben, werden mit DYSTOPIA aber mit Sicherheit sehr glücklich werden. Wer dagegen das letzte Album gerade werden seiner monumentalen epischen Momente lieb gewonnen hat, der wird sich mit der neuen Scheibe wohl nicht anfreunden können. Unterm Strich gibt es damit eine fünf Punkte-Wertung, was letzten Endes leider eine Enttäuschung darstellt, da die Vorschlusslorbeeren ein neues Meisterwerk erhoffen ließen. |
Anspieltipps:
| | "Dystopia", "Boiling Point", "Dark City", "Equilibrium", "End of Innocence", "Iron Will", "Tragedy and Triumph". |
Titel-Liste:
| | - Dystopia
- Anthem
- Boiling Point
- Anguish of Youth
- V
- Dark City
- Equilibrium
- Days of Rage
- End of Innocence
- Soylent Green
- Iron Will
- Tragedy and Triumph
- Anthem (String Mix)
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