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Review: Ignitor
 
ROAD OF BONES

Album:
 ROAD OF BONES, 2007, Cruz Del Sur

Stil:
 Heavy Metal, True Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 U.B., 19.06.2008

Review:
 Texas das Land der Rinder- und Ölbarone bescherte uns die Fernsehserie Dallas, T-Bone Steaks, einen sehr fragwürdigen Präsidenten und nun eine Zeitreise zurück in die 80er. Denn als ob die Zeit seit mehr als zwanzig Jahren still gestanden hätte, so klingen Ignitor auf ihrem Debütalbum ROAD OF BONES. Nach der EP TAKE TO THE SKY (toller Mustang P51 auf dem Cover) und einem Auftritt beim Keep It True-Festival vor drei Jahren, schickt sich die Band aus Austin Texas nun an, uns die Ohren mit ihrem rauen Heavy Metal von einem kompletten Silberling zu beschallen. Untergekommen ist man beim kleinen italienischen Cruz Del Sur Label, mir bisher nur durch die Alben der von mir beschätzten Band Pharaoh bekannt. Bereits das Cover signalisiert, hier geht es richtig true zu. Ein Besuch bei You Tube und der Verdacht bestätigt sich, viel Leder, Nieten und Stachelarmbänder. Und was ist das? Neben Frontfrau Erika Swinnich ist noch eine der beiden Gitarristen eindeutlich weiblich, Annah Moore. Na das nenne ich eine Frauen Quote, und wer bisher glaubte eine Lady könne an der Klampfe nicht richtig powern, wird mit dieser Scheibe aus seinen Macho Träumen gerissen.

"Death on the Road" ist ein kurzes und überflüssiges Intro mit dem Klirren von Schwertern und einigen Flüchen in russischer (?) Sprache.
Mit dem Titelsong "Road of Bones" geht es dann zur Sache. Old School Metal mit flirrenden Gitarren und aggressiven hohen Vocals von Frontfrau Erika, dazu einige Backing Shouts und man befindet sich in den guten alten 80gern. Eine prima Nummer, melodisch und voller Energie.
Sägende Gitarren und ballernde Drums empfangen einen auf "Scarlet Enigma". Die Nummer marschiert flott und die Vocals schwanken zwischen Sprechgesang und einer sich fast überschlagenden Stimme in den hohen Passagen. Dazu gibt es gekonnte Riffeinlagen und eine Leadgitarre die zu einzelnen schnellen Solos enteilt.
"March to the Guillotine" ist von einem stampfenden Rhythmus geprägt mit einem Schuss Epic und man sieht den Delinquenten förmlich zum Fallbeil marschieren. Die Vocals präsentieren ein breites Spektrum und sind so ganz anders als bei anderen Bands mit Sängerin, ich denke da nur an Nightwish oder Edenbridge. Okay, hier handelt es sich ja auch um beinharten Metal. Vor allem die Gitarren brennen ein Feuerwerk ab.
"Wings of the Blackheart" startet mit den Geräuschen eines Flugzeugs, der Titel lässt grüßen. Der galoppierende Rhythmus gefällt mir ausgesprochen gut. Die Riffs fräsen einem schon fast das Ohr ab, selbst die Leadgitarre mit schnellen Läufen geht beinahe darin unter. Dabei ist bei aller Power der Song noch sehr melodisch geraten.
Und wieder gibt es auf "Hymn of Erin" Gitarrenriffs bis zum Abwinken. Erika hat ausgiebig Gelegenheit zu beweisen, dass sie nicht nur eine Shouterin, sondern eine richtig gute Sängerin ist. In den hohen Tonlagen mit viel Vibrato in der Stimme klingt sie etwa wie eine Schwester von Dickinson. Dazu dreschen die Drums fast alles in Grund und Boden und liefern sich ein schweres Gefecht mit den Äxten. Klasse Stück.
Auf "Phoenix" wird anfangs das Tempo deutlich reduziert bevor nach einem Break die Gitarren beschleunigen und sich bis zu einer Kakophonie steigern. Mehrstimmiger Gesang stellt sich den übermächtigen Gitarren.
"Broken Glass" bringt nichts Neues. Schnelle, verzerrte Gitarren preschen über den Metal Highway.
Auch "Castle in the Sky" zählt zu den schwächeren Nummern. Etwas überfrachtet und dazu die aufjaulenden Gitarren sind nicht gerade mein Ding. Irgendwie erscheint das Stück unfertig und zusammengeschustert.
Ganz anders "God of Vengence", schönes Gitarrenintro erst einzeln dann gemeinsam mit starkem Bass im Hintergrund. Die Ho-Ho-Ho Chöre verleihen dem Song einen monumentalen Anstrich. In der zweiten Hälfte wird das Tempo forciert und die Gitarren haben die Oberhand bis sie langsam ausklingen. Nach einem Break wird die Bombast Eingangssequenz wiederholt.
Damit kommen wir zum Schluss der Scheibe, "Reinheitsgebot". Man beginnt mit den schnellen Twingitarren bevor die Bass Drum deftig wummert. Die Äxte wechseln von schnellen Licks zu harten Riffs. Musikalisch echt nicht schlecht und damit kommen wir zum Text. Erwartet man Sauflieder sonst nur von Tankard so liefern Ignitor hier den Beweis, sie können es auch. Bei einigen Gigs in Deutschland zeigten sich die trinkfesten Texaner von der Qualität des deutschen Biers und der gesetzlichen Bestimmung zur Reinheit des Gerstensaftes dermaßen beeindruckt, dass dieser Song entstand. Sicher werden sich hier die Geister scheiden. Die Einen halten das Stück allein wegen der deutschen Lyrics (natürlich mit Akzent) für Kult, die anderen werden den Kopf schütteln. Nun eine ähnliche Sache bescherte uns Manowar bereits mit "Herz aus Stahl", was den deutschen Text betrifft. Man sollte das Lied aber auch nicht bierernst nehmen. Wieso denke ich gerade an Bier? Ich finde die Idee das Reinheitsgebot mit der Forderung nach reinem, unverfälschten Metal zu verbinden ganz lustig. Metal is the Law als Refrain ist doch erfrischend. Während bei Manowar die Death to false Metal Sprüche nerven, klingt es bei Ignitor ganz amüsant. Beim nächsten Oktoberfest wäre es mir jedenfalls erheblich lieber "Reinheitsgebot" würde durch die Zelte der Wiesn schallen, als "Ein Stern" vom Häkelmützchen beschirmten Alpendödel Ötzi.

Fazit: Hier standen eindeutig Judas Priest, Accept und NWoBHM Bands Pate. Man schwelgt musikalisch und optisch in den 80gern und zwar so stark, dass Ignitor schon ein bisschen wie eine Persiflage des True Metal erscheinen. Rau, ungeschliffen, frech, hart, ohne Schnörkel und ungeschminkt ist der Sound. Die Vocals klingen fast so rotzig und heiser wie von Kate French die bei Chastain am Mikro steht oder ihrer Vorgängerin Leather Leone. Zwar sind die Songs sehr authentisch und purer Metal, aber einen Inovationspreis gewinnt Ignitor so ganz sicher nicht. Zu vieles hat man ähnlich und manchmal auch noch etwas besser gehört. Eine große Spielfreude kann man den Texanern bescheinigen und vielen Leuten wird der ungekünselte Stil bestimmt gefallen, aber am Songwriting besteht noch Nachholbedarf. Nicht jeder Song zündet, trotz des Bandnamens, einiges ist eben nur gutes Mittelmaß. Inzwischen haben die beiden Damen die Band verlassen und Ignitor sucht Ersatz. Die Homepage ist down und die Zukunft ungewiss.

Anspieltipps:
 "Rooad of Bones", Hymn of Erin", "God of Vengenace"

Tipp:
 Alte Judas Priest, Pegazus, Chastain oder Omen gehören zu Euren Lieblingsbands, dann seid Ihr hier richtig. Fette Riffs und alles andere als glatt polierter Weichei Metal wird geboten. Kompromisslos, Back to the Roots beschert uns Ignitor einen Trip zurück in die 80ger. Kein Klischee wird ausgelassen, wer das mit einem Augenzwinkern sieht hat viel Spaß.

Titel-Liste:
 
  1. Death on the Road
  2. Road of Bones
  3. Scarlet Enigma
  4. March to the Guillotine
  5. Wings of the Blackheart
  6. Hymn of Erin
  7. Phoenix
  8. Broken Glass
  9. Castel in the Sky
  10. God of Vengeance
  11. Reinheitsgebot (Metal is the Law)

Laufzeit:
 52:46 Min.


Band-Infos:
 
  • www.myspace.com/ignitor 

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