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Review: Indukti
 
IDMEN

Album:
 IDMEN, 2009, Inside Out

Stil:
 Progressiv Rock

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 U.B., 10.05.2010

Review:
 "Kaum gestohlen schon in Polen", kommt es manchem Zeitgenossen recht uncharmant über die Lippen wenn er auf unsere östlichen Nachbarn angesprochen wird. Was Metal und Rock angeht ist Polen für mich noch ein weißer Fleck auf der Landkarte, umso gespannter war ich auf die zweite Scheibe von Indukti. Ganze vier Jahre nach dem Debüt S.U.S.A.R liegt mit IDMEN nun der zweite Streich des Quintetts aus Polen vor. Neben den beiden Gitarristen, dem Bassisten und dem Drummer findet sich auch ein weibliches Wesen in der Band welches Violine spielt. Wenn man dann noch weiß, dass in einigen Stücken noch ein Hackbrett zum Einsatz kommt wird klar, der Sound von Indukti ist selbst für Prog Verhältnisse als ungewöhnlich zu bezeichnen. Die meisten Stücke kommen ohne Gesang aus, sind also rein instrumental. Wenn es Vocals zu hören gibt bedient man sich verschiedener Gastsänger.

Das rein instrumentale "Sansara" beginnt mit recht harten Metal Klängen zu denen sich Folk Einlagen, gespielt von einer Violine, gesellen. Ständig wechselnde Tempi und Rhythmen lassen den Song selbst für Prog Verhältnisse etwas gehetzt und unruhig erscheinen. Als man glaubt das Ende des Stücks sei erreicht und der volle Schlussakkord erklingt, schiebt Indukti noch einen sehr ruhigen und melodischen Part nach auf dem die Violine und akustische Gitarren dominieren. Sehr facettenreich und interessant lebt dieses Stück vom Wechselspiel der harten und sanften Töne.
Eine dichte Atmosphäre haben die Songs von Indukti alle. Da bildet "Tusan Homichi tuvota" keine Ausnahme. Wer jetzt über den ungewöhnlichen Titel stolpert dem sei erklärt, dass hier eine Geschichte der Hopi Indianer erzählt wird. Die Vocals von Gastsänger Nils Frykdahl sind düster und im späteren Verlauf sind sogar ein paar Dark Metal Shouts zu hören. Die ganze Stimmung hat einen depressiven, Unheil verkündenden Anstrich. Zwischendurch bemerkt man kurze orientalische Einflüsse. Gegen Ende wird das Stück zunehmend aggressiver. Nicht gerade leichte musikalische Kost.
"Sunken Bell" ist für Indukti Verhältnisse ein sehr kurzes Instrumental mit gerade mal 2 ½ Minuten, bewegen sich die anderen Nummer doch meist zwischen 8 und 10 Minuten. Die Syntieklänge mit Perkussion sind im Vergleich zu den vorangegangenen Sachen ruhiger aber erneut von finsterer Ausstrahlung. Das Stück könnte auch als Untermalung für einen Thriller dienen.
Ein Drumsolo leitet "…and who`s the God now?!" ein. Eigentlich klingt es mehr nach Tribal Drums. Langsam wird der Song intensiver um sich schließlich exstatisch zu entladen. Viel Dynamik und die verschwörerische Stimmung sind die Stärken der Nummer. Man meint einem gemeimnissvollen Ritual eines afrikanischen Stammes beizuwohnen. Das diffuse etwas chaotische Ende ist für meinen Geschmack zu sehr in die Länge gezogen, hier wäre weniger mehr gewesen.
Improvisationsartig, unruhig mit viel Bass und Drums präsentiert sich "Indukted". Da riffen dann auch die Gitarren heftig mit. Schwer verdaulich.
Heftig und düster geht es auch auf "Aemaet" zu. Drums und Bass haben das Ruder fest im Griff, die Gitarren agieren zunächst eher im Hintergrund. Das Stück wirkt wie eine Fahrt durch einen bedrohlichen Traum mit ständig wechselnden Eindrücken. Da umwehen einen sphärische Klänge zu stampfenden Drums, die Komplexität ist fast zu viel des Guten.
Mit "Nemesis Voices" wird dem Hörer nach verhaltenem Beginn schon bald wieder die volle Dröhnung verpasst. Das Stück hat was lauerndes, unterschwellig Bedrohliches. Die Instrumente werden unablässig traktiert und steuern einem düsteren Ende entgegen.
Das abschließende "Ninth Wave" gliedert sich in vier Abschnitte. Der Start ist sehr ruhig mit Möwengeschrei und dem Plätschern von Wellen, passend zum Titel. Ging es bis hier in den anderen Stücken fast durchgängig dynamisch mit einer guten Portion Härte zu gibt man sich hier verträumt und nachdenklich. Die Trompete von Gastmusiker Robert Majewskyi steuert gekonnt in jazzigem Fahrwasser. Aber das ist nur die Ruhe vor dem Sturm der sogleich hereinbricht in einem sehr metallischen Soundgewand bis Indukti dann in eine ähnlich ruhige Phase wie am Anfang überleitet. Der Schluss gestaltet sich nochmals hart mit deutlicher Tempoverschärfung. Eine musikalische Berg- und Talfahrt die den Hörer nicht zur Ruhe kommen lässt.

Fazit: Was die Musik von Indukti betrifft ist der eingangs gemachte Spruch wahrhaftig als Vorurteil entlarvt. Indukti kupfern garantiert nicht bei anderen Bands ab. Ihr Stil ist einzigartig, komplex, ungewöhnlich, fremd und abwechslungsreich. Es fällt schwer in Worte zu fassen wie die Mischung aus Prog Rock, Metal, Folk und klassischen Einflüssen wirkt. Die Atmosphäre ist durchwegs gelungen wenn auch gewöhnungsbedürftig. Bei den schwierigen Arrangements wird auch klar warum vier Jahre zwischen den beiden Alben von Indukti lagen, "gut Ding will Weile haben" sagt ein passendes Sprichwort. Ein gewisses Maß an Ausdauer wird vom Hörer allerdings erwartet. Die meisten Stücke sind nicht gerade eingängig und man sollte schon Geduld mitbringen und sich langsam in die Musik von Indukti einarbeiten. Für eingefleischte Prog Fans ein tolles Album, für in diesem Musikstil unerfahrene Hörer sicher kein geeigneter Einstieg. Dazu sind die Stücke zu anspruchsvoll, innovativ und die Arrangements zu außergewöhnlich. Hier werden Elemente aus Hard Rock, Heavy Metal, Folk, Jazz und Weltmusik vermischt und das auf durchaus gelungene Art und Weise. Bei so einem Stilmix ist die oben genannte Bezeichnung Progressiv Rock nur als Annäherung zu verstehen. Genauer einordnen lässt sich Indukti sicher nicht. Den sehr talentierten Musikern muss man zu dem Album gratulieren.

Anspieltipps:
 Das Album als Ganzes. Wenn ich einzelne Songs heraus suchen müsste: "Sansare", "…and who`s the God now?!", "Aemaet" und "Ninth Wave".

Tipp:
 Für erfahrene Prog Liebhaber ist IDMEN eine Bereicherung. Man sollte aber sehr experimentierfreudig sein um sich auf das ungewöhnliche Album einlassen zu können. Bei einer Wahl zum ungewöhnlichsten Album des Jahres 2009 wäre IDMEN der Titel gewiss.

Titel-Liste:
 
  1. Sansara
  2. Tusan Homichi tuvoto
  3. Sunken Bell
  4. …and who`s the God now?!
  5. Indukted
  6. Nemesis Voices
  7. Ninth Wave

Laufzeit:
 63:15 Min.

Band-Infos:
 
  • www.indukti.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Indukti: IDMEN

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