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Review: Infinite Horizon
 
DOMINION

Album:
 DOMINION, 2009, Black Bards

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 U.B., 16.12.2009

Review:
 Kinder wie die Zeit vergeht. Nur noch wenige Tage und es ist schon wieder Weihnachten. Und während viele Leute auf der Jagd nach letzten Geschenken für ihre Lieben durch die Kaufhäuser hetzen habe ich es mir gemütlich gemacht und bespreche das neuste Werk von Infinite Horizon. Schon seit mehr als zehn Jahren sorgt die Siegerländer Band für deftige Beschallung und durfte bereits so bekannte Gruppen wie Annihilator, Narnia und Rob Rock supporten. Marc Lemler Vocals, Thomas Becker Gitarre, Jens Hahn Gitarre, Bastian Fuchs Keyboards, Armin Schmidt Bass und Backing Vocals sowie Christian Schmidt Drums lautet die Besetzung. Im Gegensatz zum Tierreich scheinen sich nicht nur die zwei Musiker mit Namen Hahn und Fuchs gut zu vertragen, sondern anscheinend auch der Rest der Band. Die wartet nämlich mit einem erstaunlich konstanten Lineup auf, in all den Jahren gab es nur einen Wechsel und der war an den Drums. Nach einer EP von 1999 liegt mit DOMINION nun der vierte Longplayer vor und laut Promo Info möchte Infinite Horizon in den Gefilden von Savatage, Symphony X und Brainstorm wildern. Na da hat man sich ja einiges vorgenommen. "Schaun wir mal" würde der Franzl Beckenbauer sagen ob man den hochgesteckten Zielen gerecht wird.

Als Einstieg legt "I´m alive" direkt voll los. Aggressive Drums und mächtiges Riffing machen unmissverständlich klar, hier sind keine Softies am Werk. Hier wird nicht filigran gefrickelt hier gibt's was auf die Mütze. Die Vocals sind rau, eine Spur heiser und mit gewisser Schärfe vorgetragen die bei den Shouteinlagen noch stärker zum Tragen kommt. Rotzig frech klingt die Textstelle: From the Ashes I rise. Der Song ist ein klares Statement, man gibt nicht auf , lässt sich von Rückschlägen nicht unterkriegen und steigt auf wie Phönix aus der Asche. Ob sich die Band hier den Frust über einen langjährigen Streit mit dem damaligen Label von der Seele geschrieben hat? Ein flottes Gitarrensolo würzt die Sache. Die Gitarren klingen mehrmals schön schräg und verleihen dem Stück eine eigenständige Note. Nur die Drums sind mir über weite Teile zu monoton.
Auch auf "Gods of Lies" haben die Gitarren einen nachhaltigen Auftritt. Der harte Gesang im Wechsel zu den Backing Vocals passt zu dem stampfenden Rhythmus. Klasse auch das Zusammenspiel der beiden Gitarren die einige melodische Läufe beisteuern. Aber über allem thront die mächtige Röhre von Frontmann Marc Lemler.
Ein kurzer Keyboard Sample der auch von Kraftwerk sein könnte leitet "28 Days" ein. Das Stück beschäftigt sich mit der Thematik des abgefahrenen Films Donnie Darko. Der Protagonist weiß, dass er in 28 Tagen sterben wird. Das Tempo ist nicht sonderlich hoch und dennoch strotzt das Teil vor schierer Kraft, ein Verdienst der Gitarren die alles andere als lethargisch aufspielen. Der Refrain ist überaus melodisch und klarer Höhepunkt des Stückes, ein Markenzeichen von Infinite Horizon was so auf vielen ihrer Songs zu finden ist. Aber man setzt nicht nur auf Power sondern schiebt ruhige, leicht progressive Passagen mit ein. Der Track steigert sich konsequent bis zum Ende um dann verhalten auszuklingen.
Mit verfremdetem Keyboard startet "Liar". Die Bassdrum ballert wie Geschützdonner. Ein böser, fast dämonischer Unterton der Vocals sorgt für Spannung, dazu gibt es mehrstimmige Shouts und wild thrashende Gitarren. Vor dieser düsteren Soundkulisse die einer Gewitterfront gleich daher kommt, wirken die hellen Keyboardklänge wie Sonnenstrahlen die durch die dunklen Wolken scheinen. Das Stück endet ausgesprochen fulminant.
Was für ein Kontrast zu "Code of Decadence". Ein sanftes Piano Intro und ausdrucksstarke Vocals die längst nicht so hart wie bisher sind, leiten den Song ein. Die Beschaulichkeit ist aber nur von kurzer Dauer. Die Gitarren fetzen los und die Drums hämmern. Alles mündet im gelungen Chorus der wie gewohnt melodisch ausfällt. Das Keyboard Piano vom Anfang hat es schwer sich hier Gehör zu verschaffen, das gelingt noch am besten als Untermalung eines guten Gitarrensolos im Mittelteil. Das Stück zündet sofort und geht gut ins Ohr. Auch die Drums machen Freude und sind abwechslungsreicher als zuvor.
Die kräftig rockenden Gitarren auf "N.G.S. " erschlagen einen fast akustisch. Die schnellen Gitarrenlicks tönen verhalten orientalisch. Der Song ist ein rauer, walzender Banger. Kurz nach dem Mittelteil wird das orientalische Thema nochmals, nun jedoch deutlicher, von den Gitarren aufgegriffen die dann fast wie eine Sitar klingen.
"Pay high, fly low" ist ein Anti Drogen Lied. Die Lyrics wollen einem vor Augen führen, dass man für eine vorübergehende Flucht aus der Realität einen hohen Preis bezahlen muss. Das Stück ist modern mit eindringlichem Chorus und teils psychedelisch angehauchter Gitarre.
Auf "Lines in the Sand" marschieren die Gitarren und strahlen Saft und Kraft aus. Das Riffing ist verhalten progressiv. Die Drums sind variabler als sonst, die Base bollert richtig fett. Der Chorus ist wie gehabt gut ausgearbeitet und melodisch. Ein kurzes aber gefälliges Gitarrensolo darf auch nicht fehlen. Die Lyrics beschäftigen sich mit der Frage welche bleibenden Eindrücke ein Mensch nach seinem Tod hinterlässt. Sind es nur Spuren im Sand die schnell vergehen?
Wie bei dem Opener, wird bei "Living on the Edge" deutliche Aggression den melodischen Elementen gegenüber gesetzt und das Stück lebt von diesem Kontrast. Man beginnt mit sphärischen Keyboardklängen aus denen sich langsam die Drums und dann erst die Gitarren hervor stechen. Alles ruht auf einem soliden Bassfundament. Ein komplexer Song mit Tiefgang und tollen Twingitarren.
Den Abschluss bildet, Achtung festhalten, eine Ballade, geschrieben von Drummer Christian Schmidt. Der Mann scheint eine romantische Ader zu haben. Ob "Oblivion" nun auf das Album passt überlasse ich dem geschätzten Hörer. Es ist sicher nicht übertrieben wenn ich hier von einem Stilbruch spreche. Wabernde Keyboards und sparsame Pianoklänge entführen einen in eine Traumwelt. Die Vocals sind ungewohnt weich und etwas diffus verwaschen was garantiert so gewollt ist und zur Atmosphäre beiträgt. Einzelne Sprechpassagen und Keys die nach Flöten klingen sind verträumt. Der Text, von Marc Lemler verfasst, hat einen aktuellen Bezug, handelt er doch von traumatisierten Soldaten die Schwierigkeiten haben in ein normales Leben zurück zu finden.

Fazit: Gar nicht mal so schlecht ein Review zu schreiben während Ihr im Weihnachtsstress durch die Einkaufspassagen hetzt und ständig von unsäglichem, weihnachtlichen Gedudel der Volksmusik Al-Kaida in Gestalt von Marianne und Michael gequält werdet, unterstützt durch Musik Bin Laden Hansi Hinterseher, oder heißt der Hinterwäldler, wäre passender. Das Ganze wahrscheinlich noch unter dem Einfluss lauwarmer Glühweinplörre… nein danke, da kommen mir allein schon bei der Vorstellung sämtliche Zimtstangen des letzten Jahres hoch. Da höre ich dann doch lieber Infinite Horizon als etwa schwülstiges "Süßer die Glocken nie klingen". Der unendliche Horizont macht seine Sache nämlich gut. Nur ein Jahr nach dem Album SOUL REDUCER steht nun DOMINION in den Regalen. Leicht progressiver Power Metal mit ausdrucksstarken Vocals, ehrlich, mit einer dicken Portion Härte, guter Gitarrenfraktion und sozialkritischen Texten (zum Glück ohne erhobenen Zeigefinger) beschreibt die Musik in Kurzform. Die Drums sind mir stellenweise zu monoton, dass Christian Schmidt sein Handwerk beherrscht zeigt er immer wieder, er sollte aber nach meinem Empfinden noch öfter seiner Spielfreude freien Lauf lassen. Die Keyboards sind nicht überladen sondern angemessene Untermalung von mehreren Intros, wo sie eine tragende Rolle haben, mal abgesehen. Auch der Bass mischt munter mit. Der melodische Anteil könnte für meinen Geschmack noch ausgeprägter sein, in dieser Hinsicht überzeugen mich speziell die gelungenen Refrains. Die das Album abschließende Ballade, auf der Promo als musikalisches Experiment tituliert, ist ganz schön mutig. Fällt das Stück doch aus dem Rahmen und offenbart die sanfte Seite von Infinite Horizon. Das wird sicher nicht jedem Power Metal Anhänger gefallen und besonders kritische Leute werden gar von der Faust aufs Auge sprechen. Da die anderen Stücke aber alle ohne Ausnahme richtig schön Bums haben ist so ein ruhiger Rausschmeißer doch nicht übel, speziell zur Weihnachtszeit, hüstel. Alles in allem hat das Album Hahn und Fuchs, ähhh Hand und Fuß. Die Musiker mögen mir den Kalauer verzeihen.

Anspieltipps:
 "God of Lies", "28 Days", "Code of Decadence" und "Lines in the Sand"

Tipp:
 Nase voll vom Weihnachtstrallala? Die Gehörnerven von zu viel Jingle Bells kurz vor dem Absterben? Auf der Suche nach deftiger Power? Bitte schön, DOMINION besorgen, dann klappt es auch mit dem Nachbarn. Denn der steht doch sicher auch auf Power Metal von der Sorte Brainstorm. Als Geschenk für die Omi eher ungeeignet.

Titel-Liste:
 
  1. I´m alive
  2. God of Lies
  3. 28 Days
  4. Liar
  5. Code of Decadence
  6. N.G.S.
  7. Pay high, fly low
  8. Lines in the Sand
  9. Living on the Edge
    - - - Bonus Track - - -
  10. Oblivion

Laufzeit:
 52:40 Min.

Band-Infos:
 
  • www.infinite-horizon.de 

  • Probehören und Kaufen:
    Infinite Horizon: Dominion

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