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Review: Ingrimm
 
BÖSES BLUT

Album:
 BÖSES BLUT, 2010, Black Bards Entertainment

Stil:
 Mittelalter Metal

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 S.M., 08.07.2010

Review:
 Und schon wieder meldet sie sich zurück - die härteste Mittelalterband, die mir bekannt ist: Ingrimm!
Nach IHR SOLLT BRENNEN von 2007 und TODGEWEIHT, das Ende 2008 veröffentlicht wurde, haben sie nun ihr Drittwerk BÖSES BLUT am Start. Angesichts dieser Release-Häufigkeit mache ich mir ein bisschen sorgen, dass die Bayern ihr Pulver zu früh verschießen. Oft ist es klüger, wenn sich eine Band mit Veröffentlichungen etwas rarer macht, da dann auch die Spannung und Erwartungshaltung bei den Fans wächst.
Nun, gut, schauen wir mal, wie sich die Mittelalter-Metaller bei ihrem dritten Streich schlagen.

"Die Pest" zeigt gleich mal, was Ingrimm auszeichnet: tougher Metal mit starken Einflüssen vom Thrash. Die Rhythmustruppe peitscht den Song voran, der nur gelegentlich von der Dudelsackmelodie etwas aufgelockert wird.
"Tempus Fugit" ist nicht ganz so heavy. Hier ist die Balance zwischen Metal und Mittelalter ausgeglichen, die traditionellen Melodien bekommen wesentlich größere Anteile.
Der Titeltrack "Böses Blut" ist sehr düster angehaucht. Der Song hat insgesamt etwas vom Dark Metal oder langsamerem Death Metal. Zu der textlichen Tiefe, die sich Ingrimm für dieses Stück ausgedacht haben, passt dieser düstere Sound jedoch.
"Eisenwind" ist eine astreine Thrash-Metal-Nummer, die insgesamt nur wenige traditionelle Elemente beinhaltet. Den Dudelsack hört man gelegentlich als Begleitung, im Mittelpunkt stehen aber das energetische Riffing, der wuchtige Rhythmus und die Vocals, die oft auch in die harschen Bereiche wechseln. Ein "Mittelalter"-Song, wie ihn außer Ingrimm derzeit wahrscheinlich keine Band spielt. Mein Ding ist das Thrash-Gepolter aber nicht.
"Stella Maris" finde ich von der Energie und dem Rhythmus fast ähnlich geartet. Okay, es gibt ein paar Mittelalterelemente mehr und häufigere Breaks, doch hat der Song nichts Neues zu bieten.
Wesentlich exotischer und traditioneller beginnt "Stein auf Stein". Die Melodien scheinen teilweise dem Orient entliehen zu sein, was dem Stück auch schön eine eigene Identität verleiht und es von anderen Mittelalterkompositionen abgrenzt.
Thrashige Anteile beim Riffing und Rhythmus erwarten uns auch bei "Ad Bestias" wieder. Der toughe Sound mag zwar zu den Lyrics passen, doch kommt zumindest bei mir das Gefühl auf, dass sich Ingrimm auf diesem Werk zu viel auf Thrash-Elemente berufen. Der Dudelsack führt hier erneut nur ein bescheidenes Hintergrunddasein.
Spätestens bei "Der Rabe" kommt so langsam das Gefühl auf, dass ich es mir hätte sparen können, auf jeden Song einzeln einzugehen. Es ist schlichtweg ein Abklatsch vorheriger Stücke, mit einigen Thrash-Anteilen, wenngleich der Dudelsack mal ein gelungenes Solo zum Besten geben darf. Neue Ideen sind aber irgendwie Fehlanzeige.
Die Gitarreneinleitung zu "Mörder" bringt eine melodische Note ins Spiel, die auch später durch Gitarre und Dudelsack wieder aufgefasst wird. Obgleich auch hier die Thrash-Anteile (oder sind es eher Death-Metal-Anteile) nicht fehlen, besinnen sich Ingrimm endlich mal wieder auf etwas Abwechslung.
Der Feiersong "Wasser zu Wein" sorgt endlich mal für stimmungsvollere Klänge, an denen es auf BÖSES BLUT leider mangelt. Ganz frei von diesen eher einförmigen Riffattacken ist auch dieser Song nicht, aber die traditionellen Elemente dürfen sich stärker austoben.
Die Halbballade "Flammenfest" zum Abschluss ist das Schmuckstück des Albums. Endlich finden Ingrimm ihr Händchen für klasse Melodien wieder, und auch die Wechsel zwischen emotionalen und energetischen Phasen sind klasse.

Fazit: Auch wenn es nicht den Anschein hat, aber ich habe die Einleitung tatsächlich geschrieben, bevor ich das Album gehört habe. Und irgendwie bewahrheiten sich meine eingangs erwähnten Befürchtungen. Ingrimm haben gegenüber dem erfrischenden Debüt und dem klasse Zweitwerk stark nachgelassen. Nur wenige Songs zünden richtig oder können Akzente setzen. Dafür wird der Hörer mit zu vielen Thrash-Elementen konfrontiert, die man bei Ingrimm in der Masse sicherlich nicht finden möchte. Klar sind Ingrimm die wohl härteste Mittelalterband, aber irgendwo müssen trotzdem Abwechslung und Vielseitigkeit vorhanden sein. Das ist bei BÖSES BLUT aber nur selten der Fall.
Ingrimm sollten sich wieder mehr ihrer alten Stärken entsinnen: gut durchdachtes und vielältiges Songwriting an der Grenze zwischen Metal und Mittelalter. BÖSES BLUT zeigt davon viel zu wenig. Es ist bisher Ingrimms schwächstes Werk und kommt nur mühsam über Durchschnitt hinaus. Beim nächsten Mal vielleicht etwas mehr Zeit lassen, und diese in qualitatives Komponieren investieren!

Titel-Liste:
 
  1. Die Pest
  2. Tempus Fugit
  3. Böses Blut
  4. Eisenwind
  5. Stella Maris
  6. Stein auf Stein
  7. Ad Bestias
  8. Der Rabe
  9. Mörder
  10. Wasser zu Wein
  11. Flammenfest

Laufzeit:
 43:53 Min.

Band-Infos:
 
  • www.ingrimm.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Ingrimm: BÖSES BLUT

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