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Review: Jag Panzer
 
THE SCOURGE OF THE LIGHT

Album:
 THE SCOURGE OF THE LIGHT, 2011, Steamhammer

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 V.R., 05.05.2011

Review:
 2011 könnte sich zu einem Comebackjahr für den guten alten Power Metal US-amerikanischer Prägung entwickeln. Neben den Großmeistern von Vicious Rumors melden sich auch Jag Panzer in diesem Jahr eindrucksvoll zurück – nach einer Pause von immerhin rund sieben Jahren. Erinnern wir uns zurück: 2004 erschien das mehr oder weniger enttäuschende Album CASTING THE STONES. Im Nachhinein war genannte Platte vielleicht gar nicht mal unbedingt so schlecht, doch im Vergleich zum direkten Vorgängeralbum MECHANIZED WARFARE, welches schlicht und einfach genial ausgefallen war und zu den besten Platten der Bandkarriere gehört, zog es eindeutig den Kürzeren. Daneben haben Jag Panzer noch ein weiteres Problem, denn mit Chris Broderick hat die Band zwischenzeitlich ein wichtiges Mitglied verlassen. Es ist jetzt natürlich besonders eine Frage, die sich viele Fans stellen werden: Haben Jag Panzer die kreative Pause genutzt und melden sie sich – auch ohne Broderick - mit einem absoluten Killeralbum zurück – oder werden sie uns auf hohem Niveau enttäuschen? Nach mehrfachem Hören von THE SCOURGE OF THE LIGHT lässt sich diese Frage jedenfalls ganz eindeutig beantworten.

Alles Anfang ist im Fall von THE SCOURGE OF THE LIGHT jedenfalls schon einmal überaus stark, denn der Opener "Condemned to fight" steckt sämtliche Songs des letzten Albums locker in die Tasche. Jag Panzer haben hier genau die richtige Mischung aus kompromissloser Härte und melodiöser Eingängigkeit gefunden. Dieser Song könnte ebenso gut auf einem Album wie MECHANIZED WARFARE vertreten sein und würde darauf den Schnitt kein Stückchen senken.
Auch das mittels sphärischer Weltraumstimmen eingeleitete "The Setting of the Sun" ist sehr stark ausgefallen, zeigt die Band allerdings von einer ganz anderen Seite. Tempomäßig im gediegenen Midtempo zu verorten, beweist dieser Titel vor allem, dass Jag Panzer auch in epischen Gefilden immer noch ein glückliches Händchen beweisen. Spätestens bei den melancholischen Geigenklängen, welche den Refrain einleiten, dürften viele Fans Gänsehaut bekommen haben. Generell erinnert der Song etwas an das THANE TO THE THRONE-Album, ist aber mit knapp dreieinhalb Minuten doch deutlich zu kurz ausgefallen, da man die vielen genialen Elemente des Liedes noch wesentlich intensiver hätte ausbauen können.
"Bringing on the End" gehört ebenfalls zu den epischeren Titeln der Band und liegt härtemäßig in etwa auf dem gleichen Level wie der zweite Song. Qualitativ sind dagegen leider leichte Abstriche auszumachen, denn eine solche Gänsehautatmosphäre wie der Vorgängertitel vermag dieser Song nicht zu entfalten. Daran kann auch der härtere Schlussteil, bei dem Jag Panzer noch einmal ordentlich Druck aufbauen, nichts ändern. Trotz allem erhält der Song immer noch das Gütesiegel ‚gut’, er ist nur eben kein Klassikeranwärter wie die ersten beiden Nummern der Platte.
Dafür stellt sich der nächste Song namens "Call to Arms" schon nach wenigem Hören als ein solcher Klassikeranwärter heraus. Hier können Jag Panzer ihre Stärken wieder voll ausspielen und bieten uns eine gelungene Mischung aus härteren und epischen Momenten.
Bei "Cycles" kehren Jag Panzer dann sogar deutlich zu ihren Wurzeln zurück und bieten dem geneigten Fan schnörkellosen amerikanisch geprägten Power Metal, welcher gänzlich ohne hymnische Elemente auskommt. Der Titel gehört zwar nicht unbedingt zu den Highlights des Albums, doch es ist schön zu sehen, dass die Band auch diese Facette ihres Schaffens nicht außer Acht lässt.
Zurück zur epischen Seite der Band. Bei "Overlord" lassen Jag Panzer ihrer musikalischen Kreativität wieder freien Lauf und unterlegen den hochmelodischen, ohnehin schon sehr ohrwurmlastigen Refrain konsequent mit wunderschönen Geigenklängen. Doch auch die härtere Schlagseite kommt hier nicht zu kurz. Somit bietet dieser Song quasi das beste beider Welten und handelt es sich auch um den mit Abstand stärksten Titel der ganzen Platte.
"Let it out" mutet dagegen schon fast speedmetallisch an und zeigt die Band wieder mehr von der klassischen Seite. Unglücklicherweise mangelt es dem Song ein wenig an Höhepunkten, so dass er eher bei den schwächeren Titeln des Albums einzuordnen ist.
Doch schon das wieder recht episch anmutende "Union" ist wieder ein ganzes Stück besser ausgefallen. Generell bekommt man auf diesem Album das Gefühl, dass Jag Panzer ihre Stärken anno 2011 bei den getrageneren Song deutlich besser ausspielen können als bei den Speed-Krachern.
Warum ausgerechnet der Song "Burn" ein Video spendiert bekam, wird wohl ein Geheimnis der Band bleiben. Sicher, auch dieser Titel liegt musikalisch weit über dem aktuellen Durchschnitt und ist mit seinen Pianospielereien und gelegentlichen Riffattacken auch recht abwechslungsreich ausgefallen, doch das Album hat einfach noch deutlich stärkere Nummern in petto.
Wer sich nun noch einen richtig langen Titel gewünscht hat, bei dem Jag Panzer ihre epischen Stärken so richtig ausspielen können, der kommt bei "The Book of Kells" voll auf seine Kosten. Hier lässt sich die Band ganze acht Minuten Zeit, um mit hymnischen Chören und dezenter Geigenuntermalung eine wunderbare Gänsehautatmosphäre entstehen zu lassen. Auf diese Weise lassen Jag Panzer ihr neuntes Album auf ganz erstklassige Weise ausklingen.

Fazit: Ja, THE SCOURGE OF THE LIGHT ist definitiv deutlich stärker als die letzte Scheibe ausgefallen und kann das hohe Niveau von Alben wie THE FOURTH JUDGEMENT, THANE TO THE THRONE oder auch MECHANIZED WARFARE mühelos erreichen. Mit dem Klassiker AMPLE DESTRUCTION sollte man die Platte dagegen eher nicht vergleichen, da Jag Panzer den Schwerpunkt anno 2011 eindeutig in die epische Richtung verschoben haben. Und das ist auch gut so, denn in diesem Bereich können Harry Conklin und seine Mannen ihre Stärken einfach am besten ausspielen. THE SCOURGE OF THE LIGHT ist voller erhabener Momente, die mitunter auch Gänsehaut aufkommen lassen, und dennoch werden die Songs auch immer mit einer ordentlichen Portion Härte ausgestattet. Damit reiht sich das neue Album definitiv unter den stärkeren Scheiben der Band ein. Jag Panzer haben die kreative Pause also wirklich genutzt und melden sich mit einem wahren Donnerschlag zurück. Es bleibt nur zu hoffen, dass sich die Band bis zum nächsten Album nicht wieder sieben Jahre Zeit lässt, denn THE SCOURGE OF THE LIGHT weckt einfach unglaubliche Hoffnungen auf weitere Großtaten.

Anspieltipps:
 "Condemned to fight", "The Setting of the Sun", "Call to Arms", "Overlord", "The Book of Kells".

Tipp:
 Man muss nicht unbedingt ein Anhänger klassischer Dramen sein um an dieser Scheibe Gefallen zu finden. Es gibt nicht das typische Power Metal Speed Geballer aber episch, teils mit etwas Bombast versetzten Metal der seine Kraft nicht aus dem Tempo, sondern den durchdachten Songs, erstklassigen Musikern und vor allem den Vocals bezieht. Mehr als ein Jahr hat Jag Panzer in die Scheibe gesteckt und aus meiner Sicht war keine Minute davon verschwendet. Mit viel Liebe zum Detail beweisen die Jungs aus dem Grand Canyon Staat, dass ein Schuss Klassik und Power Metal gepaart mit einem Drama als Thema keine Gegensätze zu sein brauchen, sondern sehr gut harmonieren können. Ein mutiges Konzept was voll aufgeht. Aus den mit einem potenten Verstärker befeuerten Boxen ist die Scheibe ein Hochgenuss. Wer Power Metal von Iced Earth schätzt, etwa SOMETHING WICKED THIS WAY COMES liegt hier richtig. Und da ich gerade von dem Iced Earth Album spreche, der Titel der WICKED Scheibe ist ein Ausspruch der drei Hexen aus Macbeth. Auch die Bofrost Truppe hat sich anscheinend von Shakespeare inspirieren lassen.

Titel-Liste:
 
  1. Condemned to fight
  2. The Setting of the Sun
  3. Bringing on the End
  4. Call to Arms
  5. Cycles
  6. Overlord
  7. Let it out
  8. Union
  9. Burn
  10. The Book of Kells

Laufzeit:
 48:53 Min.

Band-Infos:
 
  • www.jagpanzer.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Jag Panzer: THE SCOURGE OF THE LIGHT

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