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Review: J.B.O.
 
HAPPY METAL THUNDER

Album:
 HAPPY METAL THUNDER, 2011, Megapress

Stil:
 Fun Metal

Wertung:
 3,5 von 7
3,5 von 7 Punkten
 J.G., 06.10.2011

Review:
 Im August konnten sich die Fun Metaller aus Erlangen noch über den Einstieg aus Platz #3 ihres Albums KILLERALBUM in die Charts freuen und nur wenige Wochen später soll das erste "internationale Album" sprich englischsprachig für ähnliche Verzückung sorgen. Was J.B.O. bisher ausgezeichnet hatte, war das glückliche Händchen bestens bekannte Songs, egal aus welchen Genre in ihr Fun Metal-Kostüm zu pressen und mit lustigen Texten, - manchmal sogar mit Tiefgang - zu garnieren. Damit hatten sie ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, denn auch wenn es jede Menge Bands mit lustigen deutschsprachigen Texten gibt, so beschränkten sich diese auf reine Eigenkompositionen und nicht auf umgeschriebene Fremdwerke. Nun soll Abschied vom bisherigen Vorgehen genommen werden und mit englischen texten der internationale Durchbruch gelingen. Klar, nach der langen Zeit im Musikbiz, wer würde es ihnen nicht gönnen. Aber wirkt die Kombination harte Covermucke und englische Blödeltexte ebenso gut wie mit deutschen Gags? Der Test wird es zeigen.

Schon das Studium der Trackliste lässt mich als Fan etwas müde gähnen, denn hätte ich Songs wie "Rock Muzik", "Roots Bloody Roots" oder "Head Bang Boing" nicht in pinkfarbener Verpackung im Regal stehen, wäre ich wohl kaum ein Fan der Franken. Was mich jedoch vielmehr interessiert, ist die Tatsache, ob es auch gelungen ist, den stellenweise sehr nuancierten und filligranen Wortwitz in die englische Sprache zu transportieren.

Nach dem ersten Schnelldurchlauf ereilt mich eine gewisse Ernüchterung, denn die Tracklist scheint etwas arg lieblos zusammen gestellt worden zu sein. Soll ich hier entschuldigen, dass das letzte Album erst vor wenigen Wochen auf dem Markt erschienen ist und momentan an einer Biografie gearbeitet wird? Eigentlich lautet meine Antwort "Nein", denn bevor ich lieblose Kost auf den Markt werfe, für die es terminlich eigentlich auch keine Zwänge gibt, von der Idee erst recht nicht, dann lasse ich es bleiben.

Erwartungsgemäß wurden Songs wie dem Opener "Rock Muzik" (original: "Pop Music" von den Bubbels) dem Song "Pabbarotti & Friends Roots Bloody Roots" (original: "Roots Bloody Roots" von Sepultura) oder auch "Ace of Spades" (original: Motörhead) musikalisch eine Runderneuerung verpasst - kennen die Die-Hard-Fans ja schon. Aber... aus einem stampenden Pop-Song wurde ein etwas müde galoppierender Rock-Song gestrickt und mit 'Rock-Musik-Inhalten' versetzt. Gags, wie der unterstützende Frauenchor klingen im englischsprachigen Gesamtkostüm etwas schwachbrüstig.
Die Idee, einen knallharten Thrasher von Sepultura noch härter gestalten zu wollen und dafür einige Parts durch Opernklänge musikalisch gesehen ein anderes Niveau zu verpassen, mag in Kombination mit selbstgestrickten lustigen deutschen Texten noch funktionieren, bleibt jedoch hier einfach saftlos an der Geschmackshürde kleben, wenn man ohne große Eigenleistung das englische Original (incl. der Texte) beleiht.
Und Lemmy? Tja, wer sich an Klassiker in dieser Größenordnung wagt, sollte schon herausragende Ideen haben. Einfach jedesmal die Vorzeichen zu ändern, aus Pop mache Rock, aus Thrash eine Oper und aus einem flotten dirty Rocker eine sanfte Schlaftablette, ist wohl etwas wenig. So einschläfernd wie hier, wäre auch Lemmy sicherlich nicht glücklich. Er, der mit knapp 66 Jahren noch immer die Bühnen der Welt niederrockt, sollte selbst bestimmen, ob er eine zweite Ballade in seiner Karriere wagt oder nicht.
An Songs wie "Let's have a Party" (original von The Backstreet Boys), kann man wohl kaum was verschlimmbessern - dachte ich - bis ich diese Variante gehört habe. Die rockigen Klänge mögen meinen Gehörgängen wohl deutlich angenehmer munden, als die poppigen Original-Strophen, aber wo ist der Schwung geblieben? Wer hat hier die Handbremse gezogen? Was vormals ein astreiner Abtanzer für jede Party war, mutierte hier zu einer Mega-Schlaftablette - let's have ahhhh *gähn* Party chrrrr...
"Another Brick in the Wall", einer der großen neuzeitlicheren Erfolge von Pink Floyd als Punk-Song zu verpacken, ist prinzipell keine schlechte Idee. Es gibt für mich jedoch einige Songs, sogenannte No-goes, von denen man besser die Finger lässt, und dazu gehört auch dieser Song. Als jemand, der mit The Beatles ebenso wie Led Zeppelin oder Pink Floyd groß wurde, ist diese Verschandelung einem Sakrileg gleichzusetzen und musikalisch absolut überflüssig.
Wo sind nur die wirklich witzigen Ideen geblieben? Wo sind die Zeiten von "Schlaf Kindlein Schlaf", "Mei Alde is' im Playboy drin", "Ka Alde, ka G'schrei", "Gimme Doop Joanna" oder "Schlumpfozid im Stadtgebiet" geblieben?
Nun zumindest "A Perfect Day to die" kann seinem deutschen Vorbild "Ein guter Tag zum Sterben" einigermaßen das Wasser reichen, auch wenn für die englische Transkription einige lustige Phrasen in den Lyrics mächtig umgestrickt wurden.
Ebenso verhält es sich mit "Head Bang Boing", das sich einen Großteil der ursprünglichen orginellen Ideen bewahren konnte und zumindest ein würdiges Ausrufezeichen setzen kann, wie auch das nachfolgende "Raining Blood" das bei den Weathergirls noch "It’s Raining Men" hieß.
Spätestens beim Schlusspunkt "Angie" wird jedoch die textliche Schwäche offensichtlich. Da konnte bei der gleichnamigen Eigeninterpretation des Stones-Klassikers auf dem Album I DON'T LIKE METAL der Wortwitz mit Sticheleien gegen unsere Kanzlerin noch überzeugen, aber hier hat man den ohnehin schon simpel gestrickten Text der "Rollenden Steine" ungefiltert lediglich weinerlich in Szene gesetzt. Einmalig ist das vielleicht erträglich, aber mehrmalige Durchläufe gestalten sich als Nervenprobe.

Fazit: Selten fällt es mir so schwer, zu einem vernünftigen Urteil zu kommen. Einerseits sind hier die Grundgedanken, bekannten Songs ein neues musikalisches Gewand zu verleihen bisher von den Jungs aus Erlangen immer gut in Szene gesetzt worden.
Andererseits hat man nicht genügend bedacht, dass viele Gags im Deutschen in anderen Sprachen einfach nicht funktionieren. 'Einfach' ist hier das erste Schlüsselwort, denn ich bin überzeugt, dass mit genügend Zeit auch hier mehr zustande gekommen wäre. Und hier sind wir gleich beim zweiten Schlüsselwort: 'Zeit'. Die hatte man - oder nahm sich - nicht? Warum frage ich mich, schaue ich nur auf die recht lieblose Trackliste? Warum war es nötig, diesen offensichtlichen Schnellschuss auf die Fans loszuballern? Um neue Käuferschichten zu erobern? Mag sein, aber ich sage immer: "Schuster bleib bei Deinen Leisten und mache dann das beste daraus".
Ist hier in mehrfacher Hinsicht nicht geschehen - und dann fehlt mir auch das Verständnis. Schlechte englische Cover-Versionen bekannter Klassiker gibt es wie Sand am Meer. Die braucht die Welt nicht auch noch von J.B.O....
Weiter oben hatte ich schon einige meiner (immer noch) absoluten Lieblingssongs genannt. Warum hat man sich hier nicht an diese "Glanzzeiten" erinnert? "Ein guter Tag zum Sterben" stammt doch vom gleichen Album!
Zu viele Fragen, für die ich keine vernünftige Antwort finde. Und die offensichtlichen Gründe will ich nicht wahrhaben...
Also bleibt mir nur der schmerzliche Akt, hier auch nur mittelmäßig zu bewerten.

Tipp:
 Für J.B.O.-Fans eine Ergänzung. Wer ansonsten schon Platten von Beatallica und ähnlichen Cover-Blödel-Bands im Schrank stehen hat, bekommt mit HAPPY METAL THUNDER Nachschub aus deutschen Landen. Ob man das braucht, muss jeder selbst entscheiden.

Titel-Liste:
 
  1. Rock Muzik
  2. Long live Metallica
  3. Pabbarotti & Friends Roots Bloody Roots
  4. A Perfect Day to die
  5. Another Brick in the Wall
  6. Daisy Flowers
  7. Ace of Spades
  8. Kickers of Ass
  9. Let's have a Party
  10. War of the Worlds
  11. Head Bang Boing
  12. Raining Blood
  13. Rocker's Creed
  14. Angie

Laufzeit:
 58:32 Min.

Band-Infos:
 
  • www.jbo.de 

  • Probehören und Kaufen:
    J.B.O.: HAPPY METAL THUNDER (Digipak)

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