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Review: Jenson
 
GROßSTADTSCHMUTZ

Album:
 GROßSTADTSCHMUTZ, 2008, Trigger Records

Stil:
 Alternative Rock, Punk

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 M.W., 13.05.2008

Review:
 Am 25.04.2008 erschien GROßSTADTSCHMUTZ, das Debütalbum. Fast eineinhalb Jahre wurde daran gewerkelt. Der Titel ist ein Rückblick auf die Erlebnisse der Band, egal ob auf Tour oder im Studio.

Der erste Titel "Rocken" macht seinem Namen alle Ehre. Nach einem kurzen Intro werden sämtlich Instrumente voll in Anspruch genommen. Thematisch werden die Konzerte behandelt, die jede Menge Gigs absolvieren, jede Stadt rocken und für jeden spielen. Der Song ist eine Art Selbstdarstellung der Auftritte und der Texte, die die Band vermitteln möchte. Die Lyrics sind sehr eingängig, weil sehr simple Sätze.
"Schwerelos" startet mit flottem Drumming und jede Menge "Yeah, yeah, yeah". Hier bekommt der Hörer rotzigen Deutschrock auf die Ohren. Der Aufbau ist nicht spektakulär, eher auf das Wesentliche konzentriert. Hier wird der ganze umgangssprachliche Wortschatz ausgepackt in den Strophen.
Als nächstes erwartet uns mit "Viva la Revolution" der einzige nicht deutschsprachige Titel, der Gesang ist aber wider Erwarten deutsch. Der Text spricht verschiedene Beweggründe an, eine Revolution ins Leben zu rufen - Hauptgrund ist hier die Langeweile, der Alltag, dass man denkt, man habe nichts erlebt. Abwechslungsreicher Aufbau. Für mich einer der besten Song der Platte.
"Zweisam einsam" ist nicht ganz so hart, dafür eher melodiöser. Einige Passagen können schon in die Balladensparte gesteckt werden. Thema ist hier die Einsamkeit nach einer zerbrochenen Beziehung. Das lyrische Ich ist getrennt von der Partnerin und trauert, weiß nicht wie es mit der Einsamkeit umgehen soll. Oft behandelt, die Wendung im Song ist daher vorhersehbar
Jetzt legen die Jungs mal ordentlich Tempo zu. "Du machst mich kaputt!" ist ein typischer Punk-Rock-Song. Einfache Struktur mit direkter Ansprache des Hörers und richtig frech. Sehr gute Abwechslung im Album. Unbedingt reinhören und Party machen.
"Wir werden…" ist eher wieder bei der Rock-Pop-Schiene einzuordnen. Erinnert teilweise an frühe Madsen-Songs. Der Text erzählt von Menschen, die die Welt verändern wollen und sich nicht von Vorschriften und Konventionen einnehmen zu lassen. Am Ende steht jedoch die traurige Erkenntnis, dass diese Wünsche aus der Kindheit in der Realität nur sehr schwer bis gar nicht umsetzbar sind.
"Stern" beginnt mit verzerrten Gitarren und Green Day-Riffs. Das Tempo ist allerdings wesentlich langsamer als der Großteil der Green Day-Lieder. Eine im Alltag angelangte Beziehung wird unter die Lupe genommen und im Konjunktiv darüber philosophiert, wie diese anders hätte verlaufen können. Realitätsnah und mit hohen Identifizierungsgrad.
Mit "Gute Zeiten" legen Jenson mal eine Art Protestsong auf. Auch hier geht es wieder um diverse Möglichkeiten - wie die Umwelt der Menschen anders hätte gestaltet werden können, wenn man gehandelt und sich nicht auf Schicksal, Glaube und Hoffnung gebaut hätte. Insgesamt sind die Lyrics gut durchdacht; der instrumentale Part reißt einen aber nicht unbedingt vom Hocker. Durchschnittssong des Debüts.
"Frei" hebt das Niveau wieder und kritisiert die Ignoranz der Menschen, denen ihr Glück vor den Füßen liegt, dieses aber mit Füßen treten, um frei zu sein. Freiheit wird in der Politik hoch gelobt und den Bürgern wird suggeriert, dass diese gewährleistet ist, jedoch ist die Politik nur ein Schauspielhaus, die für die Quote und das eigene Geld lebt und dabei die Individuen vergisst. Daumen hoch.
"Allein" wurde von Christoph von Freydorf gefeatured und klingt verzerrter. Der Gesang ist allerdings ehr klar und präzise. Sehr druckvolle Instrumente und hinausgeschrieene Emotionen machen den einzigartigen Charakter von "Allein" aus. Die Lyrics sind abstrakter als bisher und mit vielen Metaphern ausgeschmückt.
"Sommer" ist insgesamt relativ ereignislos. Der Text huldigt einem besonders schönen Sommer mit einer Frau, der durch den Herbst vertrieben wird. Der Track ist Geschmackssache - für mich eher zu kitschig.
"Euphorie" braucht einige Sekunden, um in Schwung zu kommen, dann legen Jenson aber richtig los. Der Song erinnert an einen Mix aus Neuser und Madsen und macht richtig gute Laune. Besonders der Backgroundgesang ist mal was Neues. Er erweckt einen positiven Eindruck und sorgt für Erfrischung. Schönes Gitarrensolo.
Kommen wir nun zum Titelgeber des Debütalbums, "Großstadtschmutz". Sehr punkig, temporeich und mit Unterbrechungen. Hier werden die Erfahrungen der Band im Groben und Ganzen wiedergegeben - vom Leben des normalen Bürgers hin zu einer coolen Punk-Rock-Band. Super gemacht!
"Traum vom Fliegen" bildet den Abschluss und ist eine richtige Ballade mit Akustikgitarre. Sehr ruhig, langsam und nachdenklich und nicht jedermanns Sache. Denn der letzte Track bildet einen scharfen Kontrast zu den vorherigen.

Fazit: Eine verdammt gute Mischung aus Rock, Punk und Alternative und ein solides und gelungenes Debüt.

Anspieltipps:
 "Viva la Revolution", "Du machst mich kaputt!", "Wir werden…" und "Allein".

Titel-Liste:
 
  1. Rocken
  2. Schwerelos
  3. Viva la Revolution
  4. Zweisam einsam
  5. Du machst mich kaputt
  6. Wir werden...
  7. Stern
  8. Gute Zeiten
  9. Frei
  10. Allein
  11. Sommer
  12. Euphorie
  13. Großstadtschmutz
  14. Traum vom Fliegen

Laufzeit:
 46:43 Min.

Band-Infos:
 
  • www.rockjensonrock.de 


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