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Review: Karmakanic |
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Album:
| | WHO´S THE BOSS IN THE FACTORY, 2008, Inside Out |
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | U.B.: 14.10.2008 |
Review:
| | "Who´s the Boss in the Factory", fragte sich bis vor wenigen Tagen wohl auch Herr Beckstein nach dem Debakel seiner CSU bei den Landtagswahlen. Nun, inzwischen wissen wir dass seine Zeit als Boss rum ist. Da bleibt Zeit sich intensiv mit dem neuen Album von Karmakanic zu beschäftigen was auf eben diesen sperrigen Titel hört: WHO`S THE BOSS IN THE FACTORY.
Bandkopf Jonas Reingold hat sich mit Karmakanic ein zweites Standbein geschaffen. Sonst fungiert er als Bassist bei der Prog Band Flower Kings. Das Boss Album ist bereits das dritte von Karmakanic, nach ENTERING THE SPECTRA und WHEEL OF LIFE. Neben Reingold der neben dem Bass noch Gitarre und Keyboard spielt, gehören zum festen Line-Up Göran Edman Vocals, Lalle Larsson Piano und Keyboards, Krister Jonsson Gitarre und Zoltan Csörsz Drums. Daneben hat man auch wieder auf die Mitarbeit von ausgesuchten Gastmusikern zurückgegriffen, Andy Tillison Hammond Orgel und Mood Synthesizer, Theo Travis Saxophone und Lelo Nika Akkordeon nur um die Wichtigsten zu nennen. Die zum Teil ungewöhnliche Instrumentierung signalisiert, hier handelt es sich um ein Prog Album das ausgetretene Pfade verlässt und zu neuen Ufern aufbricht. Und noch eins vorweg, auch wenn es sich um ein Sideproject von Reingold handelt hinter Karmakanic stecken nur gestandene Musiker die nicht etwa unveröffentlichtes Material ihrer Stammbands zum Besten geben sondern Songs schreiben die beim Stil von einer Vielzahl von Bands beeinflusst wurden aber es verstehen diesen breiten Stilmix in überaus gelungene Kompositionen zu vereinigen. Sollte ich jetzt einige Leute neugierig gemacht haben so lag das durchaus in meiner Absicht.
Mit "Send a Message from the Heart" serviert uns die Truppe sofort ein 19 minütiges Prog Monster. Zu einer akustischen Gitarre hört man Reingolds kleinen Sohn singen bevor die Instrumente langsam in den Vordergrund fahren. Was im weiteren Verlauf an vielfältigen, außergewöhnlichen aber stets sehr interessanten musikalischen Einfällen geboten wird ist selbst für verwöhnte Prog Ohren überraschend. Da gibt es rollende Drums die deutlich an Rush zu Zeiten von ROLL THE BONES erinnern, sanfte Piano Passagen, Moog Synthie Klänge, den gefühlvollen Gesang von Edman, mehrstimmiger Hintergrund Chor, kurze Bombast Parts wie bei Pink Floyd und flotte Keyboard Spielereien die sofort Assoziationen mit Emerson Lake and Palmer wecken. Die jeweils im Vordergrund stehenden Instrumente wechseln ständig. Da gibt es Gitarrensoli die plötzlich sehr jazzig sind, spektrale Soundwelten bevor diese abgelöst werden von Synthesizern die trompetenartige Klänge anschlagen. Es gibt Frickeleinlagen zu bestaunen und tolle Melodiebögen. Vielleicht scheint auch ein wenig Dream Theater durch, schwer zu sagen bei so einem komplexen Stück. Wer jetzt glaubt dieser unglaubliche Stilmix könnte nur zu einem ungenießbaren Musikbrei geraten sein liegt völlig falsch. So unglaublich es auch erscheint, es ist Karmakanic gelungen daraus ein sehr stimmiges und tolles Musikstück zu schaffen, sicher nicht für den breiten Musikgeschmack aber Prog Fans bekommen garantiert leuchtende Augen. Dabei ist die Sache wegen des hohen melodischen Anteils gar nicht mal so abstrakt und schwer verdaulich.
"Let in Hollywood" ist ganz anders. Erneut beginnt man mit Akusikgitarre. Diese und die Vocals verbreiten eine fröhliche Stimmung. Schnell sind auch wieder viele prog Elemente vorhanden aber der Hauptbestandteil ist flotter Rock. Da scheppern die Drums und die Gitarren marschieren kräftig. Ein sehr Rhythmus betontes Stück. Darunter mischen sich ELP Synthie Läufe.
Leises Piano umspielt von einem weiteren Klavier dazu in hartem Kontrast tiefe, dumpfe, geheimnisvolle Vocals sind der Beginn von "Who´s the Boss in the Factory". Der Bass hat auf dieser Nummer die mit 13 Minuten abermals epische Ausmaße hat, einen starken Auftritt. Man hört Streicher im Hintergrund mit dem Piano als dominierendem Instrument. Teils geht die Reise in den Bombast Rock Bereich. Auf der Zielgeraden duellieren sich die Keys mit den Gitarren. Ein Wechselbad der Gefühle zwischen trauriger Melancholie und flotten Rock Abschnitten.
"Two Blocks from the Edge" wird eingeläutet von sphärischen Keyboards und Gitarre. Die Backing Vocals wiederholen sich echoartig. Der Gesang von Edman ist zuerst leise und sanft, untermalt von einer Akustikgitarre. Schnell wird der Rhythmus deftiger. Theo Travis leistet am Saxophon großartige Arbeit. Ich bin gewiss kein Anhänger dieses Instruments hat es in meinen Ohren doch sehr häufig etwas Quäkendes aber was Travis hier abliefert ist erste Sahne. Auch Jazz gehört überhaupt nicht zu meinen bevorzugten Musikstilen und dennoch klingen die Jazzelemente hier ausgesprochen gut. Tolle Gitarrensoli und schöne Pianoklänge gehören zu den Highlights der Nummer.
Das abschließende "Eternally" besteht aus zwei Teilen die aber zusammengehören. Warum der Song gesplittet wurde ist mir ein Rätsel. Reingold widmet den Song seinen im letzten Jahr bei einem Unfall verstorbenen Eltern. Der kurze erste Teil besteht aus klassischem Piano mit perlenden Tonfolgen die virtuos vorgetragen den Eindruck erwecken, man befände sich in einem Klavierkonzert. Nach einer kurzen Pause, (warum diese Unterbrechung?) macht der zweite Teil nahtlos weiter. Die dunklen Moll Töne die jetzt angeschlagen werden verbreiten eine nachdenkliche und auch traurige Stimmung. Dazu tragen auch die Streicher bei, die nach Aussage von Reingold echt sind und nicht vom Keyboard kommen. Die Melodie ist sehr emotional und das von Lelo Nika beigesteuerte Akkordeon verleit der Nummer einen Hauch von französischem Chanson Flair. Für das Akkordeon gilt das Gleiche wie für das Saxophon, nicht besonders geschätzt von mir. Aber hier ist es einfach großartig, gespielt mit einer Leichtigkeit und einem Feeling dass ich nur Staunen kann, mal als Solo dann begleitend. Toll! Melancholie und besinnliche Stimmung prägen diesen herausragenden Song.
Fazit: Ein Album für ausgewiesene Progressive Rock Fans und nicht massenkompatibel, dazu ist die Musik zu speziell. Man muss sich schon darauf konzentrieren und wird dann reich belohnt mit Hörgenuss. Es gibt ständige Deja-vu Erlebnisse. Die kleinen Anleihen bei vielen Bands ganz unterschiedlicher Stilrichtung sind unverkennbar und hier verwoben zu einem anspruchsvollen, stimmigen und abschnittsweise auch sehr emotionalen Werk. Die Musiker sprühen nur so vor Einfällen ohne dass man übertreibt und die Songs in Fragmente zu zerfallen drohen. Immer ist die Musik im Fluss, nichts wirkt aufgesetzt und deplaziert. Für mich ganz klar eines der herausragenden Prog Rock Alben des Jahres. Da auch die Produktion keinen Anlass zur Kritik bietet ist die Wertung im ganz hohen Bereich zwangsläufig und verdient. Mich hat WHO´S THE BOSS IN THE FACTORY beeindruckt. |
Anspieltipps:
| | Einzelne Songs zu empfehlen fällt schwer. Alle sechs Tracks sind stark. Sollte ich mich festlegen müssen so wären da das ungemein vielschichtige "Send a Message from the Heart", das rockige "Let in Hollywood" und das mehr als nur klassisch angehauchte und an Emotionen kaum zu überbietende, zweiteilige "Eternally". |
Tipp:
| | Prog Rock Freunde die auf der Suche nach anspruchsvoller Musik sind sollten diese Scheibe unbedingt antesten. Die Stücke sind oft ungewöhnlich aber mehr als gelungen. Mit den vorhandenen Jazz Elementen und dem hohen Klassik Anteil gegen Ende des Albums kommt sicher nicht jeder klar. Daher mein Rat, erst reinhören. Wer neben Neil Morse und Rush auch Bands wie Pink Floyd und ELP nicht abgeneigt ist, dürfte hier das Richtige finden. |
Titel-Liste:
| | - Send a Message from the Heart
- Let in Hollywood
- Who´s the Boss in the Factory
- Two Blocks from the Edge
- Eternally Part I
- Eternally Part II
|
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.reingoldmusic.com  |
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