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Review: Kilmara
 
HUNTING DREAMS

Album:
 HUNTING DREAMS, 2007, Eigenvertrieb

Stil:
 Progressive Metal, Melodic Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 J.G., 11.10.2007

Review:
 Auch im sonnigen Spanien etablieren sich seit einigen Jahren zunehmend härter agierende Bands, jedoch oftmals ohne dass jemand in Mittel- und Nordeuropa groß Notiz davon nimmt. Dies mag sicherlich daran liegen, dass viele spanische Bands nicht Englisch, sondern Spanisch als Sprache wählen und es damit deutlich schwerer haben, sich außerhalb ihres Landes in den Charts festzusetzen. Manchmal erscheinen Namen wie Dark Moor oder Mägo de Oz, die aber auch schnell wieder in Vergessenheit geraten.
Zu unrecht, denn viele Bands könnten es qualitativ locker mit den etablierten europäischen und auch amerikanischen Bands aufnehmen.

Die aus Barcelona stammenden Kilmara versuchen es im Gegensatz zu einigen bereits von uns getesteten spanischen Combos mit englischen Texten und einem deutschen Sänger, Christian Wolfgang Kohl.
HUNTING DREAMS ist das erste Studio-Album der Spanier, die bereits seit 2003 live recht aktiv sind und bisher zwei Demo-EPs veröffentlicht haben. Für das Debüt beschloss man gleich "Nägel mit Köpfen" zu machen und hat für das Mastering Rolf Munkes ins Boot geholt. Ein Schritt, der sich in jedem Fall ausgezahlt hat.

Mit klassischem Start offenbart sich der Opener "October Leaves" als flottes Heavy Metal-Brett mit ausgewogenem Verhältnis von treibender Gitarrenarbeit und dominanten Vocals. Wolfs mittlere Stimmlage passt dabei perfekt zu den etwas tief gestimmten Gitarren. Selbst beim Solo bleiben die Seitenzupfer in unteren Regionen und zeigen schon zum Einstand, was man später noch alles erwarten darf.
Bei "Fallen Angel" lassen sich einige Besonderheiten, die nur spanische Bands mit Vorliebe einsetzen, kaum verleugnen. Manchmal sind es nur typische Gitarren-Licks, die auch von Kollegen, wie Dark Moor, Mägo de Oz, Saratoga, Warcry oder Tierra Santa gerne als Füllstoff verwendet werden und manchmal ist es einfach das Riffing oder die leicht exotisch angehauchte Hookline. In jedem Fall hat man hier schon einiges an progessivem Sprengstoff aus der großen Holzkiste geholt um fleißig Zunder geben zu können.
"By far to old" beginnt recht heavy und man stellt sich schon einmal auf eine Midtempo-Walze ein. Mit dem Einsatz der Stimme biegt der Song, getragen von Slap-Gitarren, in eine deutlich weichgespülte Zone ab, die im weiteren Verlauf einen guten Kontrast zum übrigen harten Gerüst bietet. Dass Wolf dabei auch mal in härteren Abschnitten singt und die Gitarren beim Solo als Gegenstück auf sanften Pfaden wandeln, sorgt für Abwechslung und unterstreicht den Anspruch einer progressiven Metal-Band.
Mit galoppierendem Schlagzeug drückt "River has run dry" mächtig nach vorne und wird nur durch die etwas orientalisch angehauchte gezogene Melodielinie gebremst. Dies hält die Gitarren jedoch nicht völlig davon ab, einige Zwischenspurts einzulegen.
Auf traditionellen Heavy Metal-Pfaden bewegt sich "Reclaiming the Past", der von recht einfachen Riffs dominiert wird. Damit keine Langeweile aufkommt, werden jede Menge Breaks eingebaut und die Gitarren bekommen genügend Ausgang an der langen Solo-Leine. Dass bei über sechseinhalb Minuten auch Zeit für Themenwechsel bleibt, versteht sich bei Kilmara von selbst.
Für die erste Rockballade "Another Chance" hat man nicht nur atmosphärisch passendes Meeresrauschen gewählt, sondern für den Gesangspart ein Duett als Überraschung aus dem Hut gezaubert. Nuria Martorell übernimmt dabei den weiblichen Part und harmoniert recht gut mit Wolfs Stimme. Allerdings ist mir die Ballade trotz einem E-Gitarren-Solo insgesamt zu Pop-lastig geraten und fällt deshalb auch etwas aus dem bisherigen Rahmen. Immerhin hat man damit einen 100%ig radiotauglichen Song an Bord, was kein Schaden sein sollte.
Da sorgt "Don't step back" im Anschluss gleich wieder für klare Heavy Metal-Gefühle. Doppelläufige Gitarren und treibende Rhythmen erinnern an die guten alten Iron Maiden-Zeiten und lassen sofort die langen Mähnen fliegen. Passend zum Titel wird für "Train Station" eine Zug-Tröte angestimmt, die einen recht komplexen und flotten Metal-Song einleitet. Durchsetzt mit jeder Menge Prog-Elemente muss man sich auf so manche Überraschung einstellen, wo Tempowechsel und interessante Breaks noch die leichteste Übung darstellen.
An der Grenze des Power Metal hangelt sich das druckvoll in Szene gesetzte "Sweet little Madness", dessen Refain trotz komplexer Struktur noch länger im Ohr bleibt. Hier hat man gänzlich alle spanischen Spuren verwischt und spielt als absolut gleichwertiger Partner in der harten Europa-Liga.
Wer jetzt zum Abschluss auf einen sanften Ausklang gehofft hatte, der wird mit "Count to 10" eines Besseren belehrt. Hier geht nochmal voll die Post ab und die Gitarren-Riffs fliegen einem nur so um die Ohren, wenn man nicht schon vorher von der Drum-Walze plattgefahren wurde. Klar, dass es auch hier einige Ausflüge in die progressive Peripherie und obligatorische Gitarren-Soli zum Geniesen gibt.

Fazit: Hätte ich es nicht vorher gewusst, so hätte ich bei Kilmara niemals auf eine spanische Heimat getippt. Dazu unterscheiden sie sich zu deutlich von ihren Landsleuten und mischen gekonnt mit, im Pool europäscher Heavy Metal-Bands. Nicht nur produktionstechnisch kann dieses Debüt voll überzeugen, sondern auch durch ein ausgereiftes Songwriting, getragen durch eine melodische Gesangsleistung und unterstützt von einer exzellenten Instrumental-Arbeit.

Tipp:
 Wer auf progressiv angehauchten Power Metal steht und sich an Gitarren-Soli nicht satt hören kann, der sollte in jedem Fall Kilmara nicht im Regal des Händlers stehen lassen.

Titel-Liste:
 
  1. October Leaves
  2. Fallen Angel
  3. By far to old
  4. River has run dry
  5. Reclaiming the Past
  6. Another Chance
  7. Don't step back
  8. Train Station
  9. Sweet little Madness
  10. Count to 10

Laufzeit:
 52:27 Min.

Band-Infos:
 
  • www.kilmara.net 


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