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Review: King James
 
THE FALL

Album:
 THE FALL, 2010, Retroactive

Stil:
 Heavy Metal

Wertung:
 4,5 von 7
4,5 von 7 Punkten
 S.M., 28.09.2010

Review:
 Von einer Band namens King James habe ich bislang noch gar nichts gehört. Die Metal-Archives kennt sie ebenfalls nicht, was mich schonmal nachdenklich stimmt. In der englischen Wikipedia finde ich zumindest eine kurze Info, dass es eine 1993 gegründete christliche Metal/Rock-"Supergroup" sei. Der im christlichen amerikanischen Rock/Metal-Bereich allgegenwärtige Drummer Robert Sweet (Stryper/Final Axe/Titanic usw.) ist beispielsweise vertreten. Sein Stryper-Mitstreiter Tim Gaines (Bass) ist hier ebenfalls an Bord. Von Rex Carroll (Gitarre) hätte ich noch nie gehört, wenn nicht gerade mein Kollege Marc ein Album seines Solo-Projekts rezensiert hätte. Sänger Jimi Benett ist mir dagegen gar nicht bekannt.
THE FALL erschien ursprünglich 1997 und wird nun von Retroactive Records als sogenannte Collector's Edition nochmal released.

Im Bereich der o.g. Bands von Robert Sweet spielt sich auch die Musik von King James ab (na ja, Stryper ist zugegebenermaßen nicht so hart). Wir haben es mit groovigem Heavy Metal nach typischer US-Art zu tun. Ein bisschen haben spätere Metallica ein paar Spuren hinterlassen, ebenso die walzende Power von frühen Black Sabbath, aber auch ein paar Alternative-Metal-Anleihen im Stile von Alice In Chains sind zu finden.
In Sachen Arrangements und technischen Finessen haben King James gegenüber den Label-Kollegen wie Titanic und Final Axe die Nase knapp vorn. Die Abschnitte und Arrangements sind komplex und durchdacht, Wechsel sind stimmig und einzelne Passagen ergänzen sich. Mich persönlich stören die Alternative-Elemente, die einen Hauch Crossover mit sich bringen, ein bisschen. Woran die Stücke aber kränkeln, ist das Fehlen richtiger Höhepunkte. Konstrukte ziehen sich zu sehr in die Länge und Songs sind plötzlich vorbei, ohne anhaltende Eindrücke im Ohr des Hörers hinterlassen zu haben. Mal ein richtig thronender Höhepunkt oder ein eingängiger Refrain hätte sicherlich einigen Stücken gut getan.
Das Gitarrenspiel von Rex Carroll ist zwar vielseitig und inspiriert, und überhaupt kann man dem Quartett technisch nichts ankreiden, doch fehlen einfach einprägsame Hooklines. An Riffs allein kann sich das Gehör nur selten festhaken. Hierfür sind eben die Höhepunkte, in die ein gelungener Aufbau im optimalen Fall mündet, am geeignetsten.
Ein paar mal gelingt den Amis das auch. Bei "Swing of the Street" ergänzen sich instrumentelle Komplexität und Eingängigkeit ganz gut. "Spreading of Love" kann trotz einiger schräger Klänge einen gelungenen Refrain aufweisen, und bei "Heaven is for everyone" neigt man ein einziges mal sogar dazu, ein wenig mitzugrölen.
Bei anderen Songs bleibt es bei interessanten Ansätzen, die sich zumeist im Gitarrenspiel manifestieren. Bei "Pale beyond the Door" erinnern die Riffs stark an Metallica, dem Song selbst fehlt allerdings eine richtige Hookline. Die Gesangsleistung von Jimi Bennett ist übrigens durchweg in Ordnung. An ihm liegen die Mängel nicht.

Fazit: Starkes Gitarrenspiel und ausgeklügelte Instrumentalarrangements machen alleine noch kein gutes Album. Zwar haben King James gar nicht die Intention, melodischen Heavy Metal oder easy-listening-Kompositionen auf die Metal-Meute loszulassen. Aber wenn sich Songs aufgrund fehlender Höhepunkte und halbgarer Hooks nicht in den Köpfen der Leute festsetzen können, macht man im Songwriting doch etwas verkehrt.
Insgesamt ist THE FALL ein knapp überdurchschnittliches Album, das mit teilweise beeindruckenden Gitarrenvirtuositäten von Mr. Carroll aufwartet und Shredding-Fans auch bestimmt anspricht. Ansonsten kann ich auf der Positivseite die ausdrücklich erwähnten Songs und die technische Leistung aller Musiker vermerken. Auf einem anderen Blatt steht die teilweise mäßige kompositorische Qualität der anderen Stücke und deren fehlende Hooklines.
Im Grunde kann ich sagen: wer sonst gerne Releases von Retroactive Records hört und deren Band-Spektrum mag, kann auch hier zugreifen. Ebenso, wenn man einem guten Gitarristen bei seiner Art von Selbstverwirklichung zuhören möchte. Aus meiner Sicht findet man auf dem überlaufenen Metal-Markt aber genügend besseres Material.

Titel-Liste:
 
  1. The Fall
  2. Never Is Forever
  3. Frenzy
  4. Swing Of The Street
  5. Spreading Of Love
  6. Pale Beyond The Door
  7. The Calling
  8. A Vision
  9. Borrowed Time
  10. Heaven Is For Everyone

Laufzeit:
 42:03 Min.

Probehören und Kaufen:
King James: THE FALL [Coll. Edt.]

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