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Review: Kissin´ Dynamite
 
ADDICTED TO METAL

Album:
 ADDICTED TO METAL, 2010, Virgin

Stil:
 Hard Rock

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 V.R., 25.07.2010

Review:
 Durchschnittsalter 17 Jahre. Als 2008 das Kissin' Dynamite-Debüt-Album STEEL OF SWABIA erschien, konnte man allein des Alters wegen eine Hard Rock-Ausgabe der arg gewöhnungsbedürftigen Teenie-Band Tokio Hotel erwarten. Diverse recht klischeehafte Posingfotos taten ihr Übriges dazu, dass man mit viel Vorbehalt an die Band ranging. Glücklicherweise waren die Zweifel alles andere als berechtigt, denn schon auf dem Debüt-Album bot die Band musikalisch durchweg sehr ordentlichen, tief in den 80ern verwurzelten Hard Rock. Jetzt, zwei Jahre später, steht das Nachfolgewerk in den Plattenläden. Die Jungs bewegen sich inzwischen stark auf die 20 zu und widmen ihr Leben angesichts des Albumtitels ADDICTED TO METAL ganz der harten Musik. Zeit also, nachzuprüfen, was sich inzwischen im Hause Kissin' Dynamite getan hat.

Hammer trifft Amboss - mit diesen Klängen startet die Band in ihr neues Album. Beim ersten Song "Addicted to Metal" hat sich mit Udo Dirkschneider sogar höchst prominenter Besuch dazugesellt, dessen unverkennbares Organ wir in der zweiten Strophe zu hören bekommen. Musikalisch wird klassischer 80er Jahre-Hard Rock geboten, der sofort ins Ohr geht.
"Run for your Life" geht in die gleiche Richtung wie der Opener und erinnert ein ums andere Mal an die Scorpions zu LOVE AT FIRST STING-Zeiten. Der Refrain geht dann eher in die Richtung amerikanischer Stadionrock und würde Bands wie Dokken gut zu Gesicht stehen.
Bei "Supersonic Killer" beweisen Kissin' Dynamite, dass sie auch mit etwas härteren Klängen gut zurecht kommen und kratzen hier erstmals den Power Metal-Bereich an. Aus dieser Richtung gab es auf dem ersten Album gar nichts zu hören und es ist erfreulich, dass die Band ihre Bandbreite auf dem Zweitling erweitert hat.
Danach wird das Tempo ordentlich gedrosselt und der Hörer lernt eine weitere Facette der Band kennen. "High enough" ist ein langsamer Stampfrocker, der im Refrain sogar balladeske Züge aufweist. Kein Wunder, handelt es sich dabei um ein Cover von Damn Yankees, im Original eine sanfte Ballade. Mit Leichtigkeit belegt die Band um Johannes Braun, dass sie in jeder Geschwindigkeit überzeugende Song abliefern kann.
Weiter geht es mit "Love me hate me", das wieder klassischen Hard Rock bietet, dieses Mal mit leichter Bon Jovi-Schlagseite. Nicht zuletzt dank der hohen Ohrwurmlastigkeit des Refrains kann dieser Song, wie auch alle Lieder davor, voll und ganz überzeugen.
Bei "Hysteria" beweist die Band, dass eine Hard Rock-Strophe wunderbar mit einem Power Metal-mässigen Refrain harmonieren kann. Die Nummer gehört zu den interessanteren Titeln des Albums.
Beinahe schon symphonisch kommt "All against all" daher. Spätestens jetzt ist offensichtlich, dass wir es hier mit einem extrem abwechslungsreichen Album zu tun haben.
Sanft beginnt der nächste Titel und lässt eine Ballade vermuten. Doch schon der Liedname "In the Name of the Iron Fist" verdeutlicht, dass wir es hier wieder mit einer reinen Hard Rock-Nummer mit leichten Metal-Einflüssen zu tun haben. Ungewohnt düster gehen Kissin' Dynamite dabei zu Werk und belegen damit, dass ein guter Song nicht unbedingt eine fröhliche Ohrwurmmelodie benötigt.
Auch "Assassins of Love" ist eher düster gehalten, steht mit seinem langsamen, fast schon schleppenden, Tempo aber trotzdem für eine andere Richtung als der vorherige Song.
Wer bis jetzt eine reinrassige Ballade vermisst hat, wird sich über "Why can't you hear me" freuen. Hier zeigen Kissin' Dynamite, dass sie auch problemlos einen wunderbar romantischen Schmachtfetzen abliefern können. Dabei gelingt es ihnen sogar, geschickt alle Kitsch-Klippen zu umschiffen.
Genug der Verschnaufpause. Mit "We want more" erwartet uns einer der härtesten Songs des Albums, der den Power Metal-Bereich nicht nur ankratzt. Hier erinnert die Band sogar leicht an Helloween.
Bis hierhin verging die Zeit wie im Flug, dabei sind wir inzwischen schon bei Lied Nummer zwölf angelangt. "Metal Nation" heißt der letzte Song. Der Liedname führt dabei etwas in die Irre, denn mit Metal hat das Ganze wenig zu tun, dafür aber umso mehr mit fetzigem Stampfrock. Was bleibt mehr zu sagen, als dass es sich um einen gelungenen Abschluss einer gelungenen CD handelt.

Fazit: Schon STEEL OF SWABIA war ein richtig gutes Hard Rock-Album. Es ist kaum zu glauben, aber ADDICTED TO METAL ist noch eine ganze Ecke besser geworden als das Debut. Es ist schon faszinierend, dass die Band bei ganzen zwölf Liedern nicht einen einzigen Ausfall dazwischengemogelt hat. Jeder Song ist ein Kracher! Und nicht nur das. Die Lieder sind nicht nur alle richtig gut, es wird auch für ordentlich Abwechslung gesorgt. Es ist alles dabei von der schnellen Metalnummer über Midtempo-Hard Rock-Songs und düstere Stampfer bis hin zur ruhigen Ballade. Den Albumnamen ADDICTED TO METAL sollte man dabei nicht allzu ernst nehmen. Insgesamt geht es hier zwar schon ein bisschen härter zur Sache als auf dem Vorgänger, aber musikalisch bewegt man sich größtenteils immer noch in Hard Rock-Gewässern. Es ist wirklich erstaunlich, wie professionell die Truppe schon bei ihrem zweiten Album agiert, obwohl keines der Bandmitglieder die 20 erreicht hat. Man mag sich gar nicht vorstellen, was da noch alles kommen könnte. Da noch ein bisschen Luft nach oben ist, gibt es dieses Mal noch nicht ganz die Höchstpunktzahl. Die 6,5 Zähler haben sich Kissin' Dynamite allerdings mehr als verdient.

Anspieltipps:
 Jeder Song ist ein Kracher! Empfiehlt man hier einen bestimmten Song, würde man damit den anderen Liedern unrecht tun.

Tipp:
 Hier können Fans verschiedener Richtungen reinhören. Vom Hard Rock-Fan bis zum Power Metal-Hörer dürfte so ziemlich jeder begeistert von dem Album sein.

Titel-Liste:
 
  1. Addicted to Metal
  2. Run for your Life
  3. Supersonic Killer
  4. High enough
  5. Love me Hate me
  6. Hysteria
  7. All against all
  8. In the Name of the Iron Fist
  9. Assassins of Love
  10. Why can't you hear me
  11. We want more
  12. Metal Nation

Laufzeit:
 50:27 Min.

Band-Infos:
 
  • www.kissin-dynamite.de 


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