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Review: Kiuas
 
LUSTDRIVEN

Album:
 LUSTDRIVEN, 2010, Spinefarm

Stil:
 Power Metal

Wertung:
 4 von 7
4 von 7 Punkten
 V.R., 16.05.2011

Review:
 Die finnischen Power-Metaller von Kiuas gehören bislang eher zur zweiten Riege ihres Genres. Das qualitative Level ihrer großen Vorbilder, beispielsweise die Landsmannen von Stratovarius oder auch Sonata Actica, konnte bislang nie erreicht werden, wenn es auch zuweilen zumindest angekratzt wurde. Kommerziell lief es dagegen deutlich besser, schließlich konnte die Band im Jahr 2008 mit der Single OF SACRIFICE, LOVE AND REWARD für eine Woche lang die Spitzenposition der heimatlichen Singlecharts belegen. Inzwischen hat es bei Kiuas allerdings eine bedeutende Besetzungsveränderung gegeben. Sänger Ilja Jalkanen hat die Band im Jahr 2010 verlassen, da er sich mit Metal einfach nicht mehr identifizieren kann. An seiner Stelle hat nun Asim Searah das Mikro übernommen. Das Album LUSTDRIVEN, welches ebenfalls im Jahr 2010 erschienen ist, wurde allerdings noch von Ilja Jalkanen eingesungen, so dass hier keine allzu großen Veränderungen zu befürchten sind. Wie das Album darüber hinaus geworden ist und ob der Hörer bei dieser CD wirklich Lust auf Kiuas bekommen wird, all das gilt es nun zu klären.

Der erste Eindruck ist dabei natürlich immer besonders wichtig und ausgerechnet dieser ist bei LUSTDRIVEN eher schwach. Der speedige Opener "Kiuassault" ist nämlich arg durchschnittlich ausgefallen und hat weder eingängige Melodien zu bieten noch kann er durch irgendeine interessante Idee überzeugen, selbige sind hier nämlich Fehlanzeige. Wenn ein Album gleich mit einem derartigen Fall für die Skip-Taste beginnt, dann schwant dem Hörer natürlich Übles. Ilja Jalkanens rauer Gesang klingt dabei zwar stets passend, kann das Level des schwachen Titels aber auch nicht weiter anheben.
Und dem zweiten Song namens "Cry little Angel" gelingt es leider auch nicht, diesen Negativeindruck zu revidieren. Der Song besitzt zwar den nötigen Druck und auch eine gesunde Portion Härte, ist musikalisch aber einfach eine Spur zu einfach gestrickt. Zudem hat der Titel in Sachen Melodien einfach zu wenig zu bieten, um wirklich zu gefallen.
Glücklicherweise wird es mit "Of Love, Lust and human Nature" dann gleich deutlich besser. Die eingewobenen symphonischen Elemente stehen Kiuas gut und machen Lust auf mehr. Auch ansonsten macht die Nummer musikalisch gesehen wesentlich mehr her als die ersten beiden Titel und besitzt zudem einen angenehm eingängigen Refrain.
Das war es aber erst mal wieder mit Höhepunkten, denn das aggressive "Aftermath" ist zwar ganz schön hart ausgefallen, hat darüber hinaus aber wenig zu bieten. Irgendwie will es bei Kiuas dieses Mal nicht so recht klappen mit den Melodien, welche zwar vorhanden sind, aber arg belanglos und durchschnittlich ausfallen.
Weiter geht es mit einer Ballade. "Lights are many" bringt alle Zutaten mit, die man von einer klassischen Metalballade erwarten kann, ist aber trotzdem nur im Mittelmaß anzusiedeln. Auch hier ist es in erster Linie den langweiligen Melodien anzulasten, dass der Titel nicht voll überzeugen kann.
Bei "The Visionary" setzen Kiuas wieder dem Symphonic Metal zuzuordnende Elemente ein und gleich ist der Song wieder eine ganze Ecke besser als die letzten Titel. Dies liegt auch in diesem Fall nur in zweiter Linie an der Stilistik an sich, sondern viel mehr daran, dass der Song interessante und abwechslungsreiche Melodien besitzt, die sogar dezent ohrwurmlastig ausgefallen sind.
Mit "Heart and Will" folgt dann ein Titel, der weitgehend ohne symphonische Klänge auskommt, aber dennoch überzeugen kann. Hier zeigen Kiuas, dass sie auch ohne Bombastelemente gute Songs fabrizieren können, wenn sie nur wollen. Die schwachen Songs zu Beginn des Albums sind damit zwar nicht vergessen, aber dennoch kommt so langsam endlich so etwas wie Stimmung auf.
Mit sanften Pianoklängen beginnt "The Quickening", doch schon nach kurzer Zeit setzen auch Gitarren und Schlagzeug ein. Dennoch ist der Titel beileibe kein Power Metal-Song, sondern eher im melodischen Rockbereich mit einem Touch Gothic zu verorten. Irgendwie fallen mir beim Hören Namen wie HIM oder Negative ein. Der Song ist jedenfalls durchaus nett ausgefallen und kann auch in Sachen Melodien einigermaßen überzeugen, ohne dabei den Durchschnittbereich wirklich zu verlassen.
"Summer’s End" ist dann eine weitere Ballade, die aber nur wenig mit dem anderen ruhigen Titel des Albums gemein hat. Der Song wird nämlich nur durch Akustikgitarren und Ilja Jalkanens Gesang bestimmt. Damit ist der Titel mal eine Ballade ganz anderer Art und ist zudem erfreulich kitschfrei ausgefallen. Somit wissen Kiuas auch mit diesem Titel durchaus zu gefallen.
In eine ganz andere Richtung geht der letzte Song namens "Winter’s Sting". Zwar gibt es hier auf der einen Seite auch die eine oder andere Akustik-Passage zu hören, auf der anderen Seite besitzt der Titel aber sogar kurze Blastbeateinlagen und ist insgesamt eindeutlich im melodischen Power Metal-Bereich angesiedelt. Auf jeden Fall besitzt der Titel mehr Abwechslung als sämtliche Songs der ersten Hälfte des Albums zusammen und damit gehört er eindeutig zu den Highlights des Albums.

Fazit: Was haben Kiuas da nur angerichtet auf ihrem Album LUSTDRIVEN? Unter den ersten fünf Liedern des Albums hat sich gerade mal ein (!) wirklich guter Titel versteckt und ich war schon drauf und dran, der Platte eine Bewertung unterhalb der drei Punkte-Grenze zu verpassen. Doch in der zweiten Hälfte der Platte verstecken sich die wahren Highlights. Plötzlich zeigen sich Kiuas von ihrer starken Seite und hauen dem Hörer einige richtig gelungene Songs um die Ohren. Diese Problematik macht eine Bewertung durchaus schwierig, denn der zweite Teil des Albums hätte durchaus seine fünf bis sechs Punkte verdient. Nun kann man aber die schwachen Songs auch nicht komplett ausblenden und so kommt am Ende eine arg mittelmäßige Benotung dabei heraus. Letzten Endes sind vier Punkte für diese Scheibe auch durchaus gerechtfertigt, doch wenn man das Alvum mit Titel Nummer sechs beginnt, dann kann man damit deutlich mehr Freude haben, als vier Punkte vermuten ließen. Es bleibt damit nur zu hoffen, dass sich Kiuas beim nächsten Mal ausschließlich auf ihre Stärken besinnen und insbesondere in Sachen Melodien einfach noch stärker an den Songs feilen. Zudem darf man gespannt sein, wie Kiuas mit dem neuen Sänger klingen werden. Um nicht missverstanden zu werden, es lag definitiv nicht an Ilja Jalkanen, dass aus LUSTDRIVEN kein Highlight geworden ist, denn er weiß als Sänger durchaus zu überzeugen. Wenn der neue Sänger an sein Niveau herankommt und Kiuas nächstes Mal ausschließlich Lieder auf dem Niveau der zweiten Hälfte des Albums abliefern, dann wird die nächste Scheibe der Band richtig, richtig gut.

Anspieltipps:
 "Ol Love", "Lust and human Nature", "The Visionary", "Heart and Will", "The Quickening", "Summer’s End", "Winter’s Sting".

Tipp:
 Power Metal-Fans sollten mal in die Scheibe reinhören. Zumindest die zweite Hälfte des Albums ist als gelungen zu bezeichnen. Wegen der eingewobenen symphonischen Elemente könnte sich das Album zudem auch an Symphonic Metal-Liebhaber richten.

Titel-Liste:
 
  1. Kiuassault
  2. Cry little Angel
  3. Of Love, Lust and human Nature
  4. Aftermath
  5. Lights are many
  6. The Visionary
  7. Heart and Will
  8. The Quickening
  9. Summer's End
  10. Winter's Sting

Laufzeit:
 48:46 Min.

Band-Infos:
 
  • www.kiuas.net 

  • Probehören und Kaufen:
    Kiuas: LUSTDRIVEN

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