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Review: Lanfear
 
X TO THE POWER OF TEN

Album:
 X TO THE POWER OF TEN, 2008, Locomotive

Stil:
 Progressive Power Metal

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 12.08.2008

Review:
 Als ich erfuhr, dass Lanfear sich von seinem Sänger Tobias Althammer getrennt hatte, war ich sehr skeptisch. Gehören doch THE ART EFFECT und vor allem ANOTHER GOLDEN RAGE zu meinen liebsten Prog Metal Scheiben. Gerade ein Wechsel des Sängers verändert den Klang einer Band oft entscheidend. Daher war ich sehr gespannt auf die neue Scheibe und um es vorweg zu nehmen, ich wurde nicht enttäuscht.

Nach einigen Sound Spielereien legt man auf "Enter Dystoria" gleich munter und druckvoll los. Der neue Sänger überzeugt mit angenehmer Stimme. Die Vocals werden teils echoartig wiederholt. Der Chorus ist sehr melodisch wie von Lanfear gewohnt. Die alten Trademarks wie energisches Drumming und virtuose Gitarreneinlagen sind natürlich auch vertreten. Sehr abwechslungsreich und zum Abschluss mit wogendem Keyboard gelingt ein prima Start ins neue Album.
Auf "My Will be done" empfängt einen ein düsteres Drumgewitter. Aggressiver Sprechgesang dann harmonische Vocals, im ersten Teil richtige Thrash-Einlagen und einige heisere Shouts, sehr ungewöhnliche Nummer für Lanfear. Man bediente sich in der Vergangenheit schon immer vieler Stile aber so was hatte ich nicht erwartet.
"Decryption" ist eine kurze rein instrumentale Nummer mit wabernden Keyboards und sphärischen Klängen. Das Ganze klingt ungemein futuristisch, am Ende so als ob einem Roboter langsam der Saft abgedreht wird.
"Brave new Men" besitzt einen hohen Keyboard Anteil und eine schmeichelnde Melodie, passend dazu die gefühlvollen, teils mehrstimmigen Vocals. Damit es nicht zu soft wird dafür sorgen die harten Riffs. Dazwischen gibt es eine ganz ruhige Phase nur mit Piano und Gesang bevor der volle Instrumenteneinsatz für Druck sorgt. Eine Nummer wie sie nur von Lanfear kommen kann.
Bei "The Question Keeper" kann Jürgen Schrank sich gleich zu anfangs richtig an den Drums austoben. Prima die Wechsel zwischen viel Druck und ruhigen betont melodischen Abschnitten. Während das bei anderen Bands oft zusammengesetzt wirkt, gelingt es Lanfear immer diesen Kontrast wie aus einem Guss erscheinen zu lassen. Die weichen Vocals klingen hier an einigen Stellen schon fast Schmusesong mäßig. Der neue Mann am Mikro hat echt eine wandelbare, vielseitige Stimme. Aber keine Angst, das ist alles andere als weichgespült und kraftlos, im Gegenteil. Veredelt wird der Track durch wieselflinke Gitarrenläufe. Nur das Ende ist für meinen Geschmack zu abrupt.
Ein Intro aus Keyboards und Gitarren läutet "Synaptogenesis" ein. Die Drums ballern einem mächtig um die Ohren. Ein paar sehr hohe Shouts und ein stetes Pendeln zwischen melodischen und härteren Parts kennzeichnen diesen Song. Sehr progig mit ungezählten Tempowechseln endet der Track mit einer Explosion.
"Jugglin` at the End" beginnt mit Space artigem Klang. Die Gitarren und Drums sorgen für Härte, die weichen Vocals nehmen dem etwas die Schärfe. Der Chorus hat Ohrwurm Qualität.
"Just another broken Shell" ist für mich der Höhepunkt eines ohnehin guten Albums. Mit Piano und Gitarre beginnt alles sehr ruhig, begleitet von einem starken Bass. Die Nummer besitzt eine tolle Melodie, ist sehr eingängig und die perfekt vorgetragenen Vocals sorgen für reichlich Gänsehaut. Der mitreißende Chorus setzt dann noch einen Glanzpunkt und die super Gitarren Einlage, einfach klasse.
"A twin Phenomenon" zeigt erneut die große Bandbreite der Lanfear sich häufig bedient. Man lässt keinen Stil aus solange er zum Song passt und was bei anderen Kapellen leider all zu häufig zu einer fast ungenießbaren musikalischen Melange gerät, ergibt hier einen mehr als interessanten Titel. Schnelle, wütende Drums und Gitarren zur Einleitung dann eine leise Phase die die Vocals in den Vordergrund rückt erinnert etwas an "The Question Keeper". Nuno Miguel Fernandes versteht es mit seiner Stimme vorzüglich auf der Emotionsleiter zu spielen. In einem Augenblick meint man Georg Michael steht am Mikro, im nächsten gibt es eine kurze heisere Death Metal Sprecheinlage.
Midtempo erwartet einen auf "The Art of being alone". Allgemein sind die Stücke auf der neuen Scheibe nicht mehr ganz so schnell wie die auf der ANOTHER GOLDEN RAGE. Das tut der Qualität aber keinen Abbruch. Viele Rhythmusvariationen, toller Gesang, klasse Refrain, variables Drumming, prima Gitarrensolo, ich würde ja gern etwas kritisieren aber es gibt einfach keinen Ansatzpunkt.
Den Schluß bildet "Seeds of the Plague". Mit schneidenden Gitarrenriffs und vorpreschenden Drums auf der einen Seite und melodischen aber kraftvollen Elementen auf der anderen, gelingt ein weiteres Mal der Spagat zwischen so gegensätzlichen Teilen. Viele technische Finessen und am Ende einige Kunststücke auf der Gitarre sorgen für einen würdigen Abschluss.

Fazit: Mit dem neuen Sänger Nuno Miguel Fernandes hat Lanfear einen guten Griff getan. Er hat eine überaus angenehme, warme Stimme und ist wandlungsfähiger als sein Vorgänger Tobias Althammer, der mir aber auch sehr gut gefiel. Natürlich klingt Lanfear 2008 ganz anders als früher. Althammers Stärke lag eindeutig in den ganz hohen Tönen, hier erinnerte er stark an Henning Basse von Metalium. Nicht nur durch den neuen Sänger, auch durch anders aufgebaute Songs erscheint Lanfear jetzt weniger Power Metal artig. Man hat den Besetzungswechsel genutzt um auch den Stil zu wandeln. Bei den hohen Ansprüchen die die Heilbronner an ihr musikalisches Schaffen stellen keine Überraschung. War ZERO POEMS noch stark Prog lastig so ging ANOTHER GOLDEN RAGE mehr in Richtung Power Metal. Mit so einer Klassifizierung halten sich die Lanfear Musiker ohnehin nicht auf, für sie zählt nur ob die Musik zündet, und das tut sie. Heraus gekommen ist ein Album dem man die Liebe zum Detail und viel Arbeit anmerkt. Ob X TO THE POWER OF TEN bereits das Prog Metal Album des Jahres ist, wie es das Label werbewirksam verkündet, wage ich nicht zu behaupten, dazu ist es noch zu früh. Aber eines der besten Alben dieser Stilrichtung in 2008 ist es ganz bestimmt.

Anspieltipps:
 "Enter Dystoria", "Brave new Men", "Just another broken Shell", "Seeds of the Plague"

Tipp:
 Wer Lanfear von den früheren Alben her schätzt, erhält hier eine weitere Scheibe mit intelligentem Songwriting und mitreißender Musik ohne einen einzigen Ausfall. Lanfear bleibt trotz, oder vielleicht auch gerade wegen etwas anderem Stil dass, was die Band bisher schon war, neben Vanden Plas eine der besten Progressive Metal Bands aus Deutschland. Selbst international braucht man keinen Vergleich zu scheuen. Zwar legt Gitarrist Markus "Ulle" Ullrich auf das Prädikat Progressive, wie er in einem Interview mal bekundete, keinen sonderlichen Wert, aber Melodic Progressive Power Metal ist es dann doch und zwar der feinen Art.

Titel-Liste:
 
  1. Enter Dystoria
  2. My will be done
  3. Decryption
  4. Brave new Men
  5. The Question Keeper
  6. Synaptogenesis
  7. Jugglin´at the Edge
  8. Just another broken Shell
  9. A twin Phenomenon
  10. The Art of being alone
  11. Seeds of the Plague

Laufzeit:
 51:25 Min.

Band-Infos:
 
  • www.lanfear.eu 


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