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Review: Liquid Horizon
 
REVOLUTIONS

Album:
 REVOLUTIONS, 2007, Music buy Mail

Stil:
 Melodic Progressive Metal

Wertung:
 4 von 7
4 von 7 Punkten
 S.M., 05.10.2007

Review:
 Liquid Horizon wurden 2000 im südhessischen Heppenheim gegründet. Nach dem 2004er-Album URBAN LEGENDS legt das Quartett mit REVOLUTIONS nun ihren zweiten Longplayer vor. Ihre Einflüsse sehen die Nachwuchs-Proger bei Bands wie Dream Theater, Vanden Plas, Savatage und Dokken. REVOLUTIONS ist ein Konzeptalbum, das Freiheitskämpfe im Allgemeinen und die französische Revolution im Besonderen behandelt.
Das Line-Up: Oliver Kilthau (Guitar & Vocals), Marc Schroth (Bass & Backing Vocals), Michael Heck (Keyboards) und Chuck West (Drums & Percussion).

Mit Fliegeralarm-Sirenen, düsteren Hintergrundstimmen und dramatischen Keyboardtönen begrüsst uns das Intro "Welcome to the Revolution", doch gleich bei "Battle Entrance" zeigen die vier Hessen, wie der Hase läuft: progressiv! Mal äußerst dynamisch und kraftvoll mit harten Riffs und vorantreibendem Beat. Dann aber auch wieder sehr ruhig und melodisch. Zum Ende hin laufen Gitarre und Keyboard sehr harmonisch zu Höchstform auf. Ein guter Auftakt.
"Sacred Ground" beginnt etwas melancholisch mit spaciger Synthesizer-Untermalung, bevor die härteren Töne eingreifen. Auch dieser Song wird von Breaks und Tempowechseln beherrscht. Was mir fehlt, ist ein richtiggehender Höhepunkt. Der Refrain kann gegen die Instrumentalleistung nicht so recht anstinken.
Von der gleichen Machart ist "Freedom". Düster beginnend, schleppend mit dominierender Rhythmus-Gitarre, zahlreichen Breaks, in denen die Geschwindigkeit angezogen wird, doch die Linie bleibt im Endeffekt gleich. Im Mittelteil wird der Track sehr melodisch und balladenhaft, um dann wieder kurz die Riffkeule auszupacken und schließlich zum Mid-Tempo-Beat zurückzukehren. Gesang und Refrain gehen hier ganz gut ins Ohr.
Das Keyboard kann in "Restistance" den Hörer kurzzeitig in sphärische Klangwelten entführen. Dann übernimmt die Gitarre und überzeugt durch eine klare Hookline und hörenswerte Soloeinlagen. Nur der Gesang geht wieder unter, obwohl Kilthau eigentlich keine schlechte Stimme hat. Doch der Instrumentalbereich wirkt irgendwie zu mächtig.
In der Ballade "Sacrifice" kommen die etwas rauhen, im mittleren Tonbereich angesiedelten Vocals dann besser rüber, ohne allerdings voll zu überzeugen. Hier wird auf Breaks verzichtet und die ruhige Stimmung im Low-Tempo wird bis zum Schluss beibehalten. Herausragend finde auch hier den sehr melodischen Part von Keyboard und Gitarre.
Der Track "The French Revolution Trilogy" mit einer Gesamtlänge von über 21 Minuten ist in drei Einzelstücke unterteilt, die nahtlos ineinander übergehen: "The King - Part 1", "Revolution - Part 2" und "System of Terror - Part 3". Ich erspare mir, auf jede Einzelheit genau einzugehen, da das Konzept im Grunde durchweg beibehalten wird. Die Stücke werden von der Progressivität, sprich von Breaks und Tempowechseln beherrscht. Keyboard und Gitarre dominieren, führen die Hooks und zeichnen sich durch gute Soloeinlagen aus. Der Gesang - obwohl bei Part 2 und 3 zur Abwechslung tatsächlich mal im Vordergrund - kann nicht wirklich überzeugen. "Revolution" hat aber Ansätze eines eingängigen Refrains. Bei "System of Terror" erhält Oliver dann teilweise Unterstützung von opernhaftem, weiblichem Gesang, was durch den Kontrast recht gelungen wirkt. Solche stilistischen Mittel hätte die Band vielleicht häufiger aufgreifen sollen.
Mit militärischer Trommel und Klavier startet die Ballade "Last Stand". Die Vocals bestimmen diesen Track, aber an Kraft und Ausdrucksstärke fehlt es weiterhin. Ansonsten ist es ein ruhiges, melodisches Stück ohne progressive Einsätze. Beendet wird es mit militärischen Trompetentönen.

Fazit: REVOLUTIONS kann mich nicht restlos überzeugen. Obwohl Gitarre und Keyboard einen großartigen Job abliefern und sowohl bei Melodieführung als auch bei Soli und Interludes herausragen, gibt es bei dem Album auch deutliche Schwachpunkte. Da wäre einerseits der Gesang. Kilthaus Stimme klingt zwar, als könne sie eine ordentliche Portion Power rüberbringen, aber sie tut es nicht. Er singt entweder gepresst oder zu verhalten und geht im Gesamtsound dadurch teilweise unter. Vielleicht hätten die Vocals einfach mehr in den Vordergrund gemischt werden müssen. Es ist schade, dass eine relativ gute Stimme so ein bisschen "verheizt" wird.
Weiterhin muss ich bemängeln, dass gesangliche Höhepunkte, an denen sich der Hörer festhalten kann, fehlen. Versuche von Refrains oder choralen Highlights misslingen, was ein Stück weit vielleicht auch auf die ungenügende Gesangsleistung und -abstimmung zurückzuführen ist. Es fehlt ein klarer Wiedererkennungswert. Etliche Progressive-Bands liefern trotz eines ähnlichen Stils harmonische Choräle und eingängige Refrains ab.
Ich finde, Liquid Horizon haben auf jeden Fall Talent und die Instrumentalisten bringen schon eine starke Leistung. In Punkto Gesang und Komposition muss aber noch einiges nachgelegt werden, um wirklich aus der großen Masse herauszuragen.

Anspieltipps:
 Ansatzweise sind "Battle Entrance", "Freedom", "Revolution" und "Last Stand" etwas besser als der Album-Durchschnitt.

Tipp:
 Progressive Metal-Fans, die sich für aufwendige und dominierende Gitarren- und Keyboardarrangements begeistern können, sollten in REVOLUTIONS ruhig mal reinhören.

Titel-Liste:
 
  1. Welcome to the Revolution
  2. Battle Entrance
  3. Sacred Ground
  4. Freedom
  5. Resistance
  6. Sacrifice
  7. The King (French Revolution Part 1)
  8. Revolution (French Revolution Part 2)
  9. System of Terror (French Revolution Part 3)
  10. Last Stand

Laufzeit:
 55:46 Min.

Band-Infos:
 
  • www.liquid-horizon.com 


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