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Review: Liquid Horizon
 
THE SCRIPT OF LIFE

Album:
 THE SCRIPT OF LIFE, 2011, Firefield

Stil:
 Progressive Metal

Wertung:
 5 von 7
5 von 7 Punkten
 U.B., 05.09.2011

Review:
 Nach zwei EPs und zwei weiteren, in Eigenregie veröffentlichten Alben, hat Liquid Horizon nun seit letztem Jahr einen Plattenvertrag mit einem Label. Mit THE SCRIPT OF LIFE ist jetzt der dritte Longplayer am Start. Seit REVOLUTIONS einem Konzeptalbum aus 2007 mit dem Thema, ja was wohl, logo Revolutionen, sind vier Jahre vergangen. Mit Oliver Kilthau Vocals und Gitarren, Michael Heck Keyboards, Marc Schroth Bass und Backing Vocals sowie Chuck West an den Drums ist Liquid Horizon ein eingespieltes Team mit beständigem Lineup. War das Cover der REVOLUTIONS nicht sonderlich so empfinde ich die Aufmachung der THE SCRIPT OF LIFE mehr als gelungen. Höchste Zeit die Verpackung zu öffnen und die Lauscher aufzusperren, mal hören was Liquid Horizon anno 2011 zu bieten hat.

Sphärisch wabernde Keyboards bilden ein spaciges Science Fiction Intro zu "All the World". Die Ruhe währt nur kurz, schnell setzt vehementes, schweres Riffing ein bevor man in ruhigere, melodische Gefilde abtaucht. Die Vocals bewegen sich in einem Bereich zwischen melodischem Gesang und finsteren Growls. Letzteres aber nur selten. So wechseln ruhige, von nachdenklicher Stimmung geprägte Abschnitte mit heftigen Passagen. Eifrig kämpfen die Keyboards gegen die beinahe übermächtigen Gitarren. Da stehen die fulminanten Drums und ein mächtiger Bass nicht zurück.
Auf "Coast of Holland" (hatte man diesen Song im Ohr als man das Cover gestaltete?) geht es reichlich vertrackt zu, selbst für Prog Verhältnisse viele Rhythmuswechsel und Tempovariationen klatschen dem Hörer um die Ohren. Der kurze Auftritt einer Gastsängerin mit ihrem Sopran sorgt dann für etwas Gothic Flair.
Passend zum Titel "End of Time" werden einem hier die harten Gitarrenakkorde so richtig übergebraten. Dennoch überzeugt das Stück mit einer melodischen Grundstimmung und einem songdienlichen Zusammenspiel aller Instrumente. Nach dem düsteren Gitarrengewitter hellt sich die Stimmung mit Gitarren- und Keyboardsoli auf.
Auch auf "Every Second" wüten die Gitarren. Der Song ist aber melodischer aufgebaut und eingängiger als die Vorgänger. Marc Schroth lässt es sich nicht nehmen seinen siebensaitigen (!) Bass so richtig schön brummen zu lassen.
"Daily Dose" startet mit geheimnisvoller Stimmung, nur um einem dann mit einem wahren Instrumentalorkan die Ohren frei zu pusten. Chuck West hat hier reichlich Gelegenheit sich mit seiner variablen Drumarbeit in Szene zu setzen. Unter den, besonders im Refrain melodischen Gesang, mischen sich einige Shouts.
Melodischer Prog Metal mit ordentlich Bums, das ist "Crown of Creation" auf einen kurzen Nenner gebracht. Wie schon bei den Stücken zuvor ist Liquid Horizon wieder besonders im Refrain sehr stark. Auch die Einlage mit, vom Stil her spanischer Akustikgitarre, gefällt mir ausgesprochen gut. Michael Heck an den Keyboards trägt ganz entscheidend zur Atmosphäre bei. Prima Nummer.
"One by One" bringt erneut dominierende Gitarren vor dem Hintergrund der heftig agierenden Rhythmusabteilung aus Bass und Drums.
Bei einem Songtitel wie "When Darkness falls" erwartet man eine düstere Stimmung und wird auch nicht enttäuscht. Die hier stärker zum Einsatz kommenden Keys verleihen dem Stück einen epischen Anstrich. Die Wechsel zwischen verhaltenen und deftigen Passagen stürzen den Hörer in ein Wechselbad der Gefühle. Atmosphärisch dichter Song.
Ungewöhnlichsanfte Pianoklänge erwarten einen auf "To the Stars". Ich nehme es gleich vorweg, es handelt sich um eine wunderschöne Ballade. Der Titel hätte nicht treffender sein können. Die sehnsüchtigen Vocals mit der hauptsächlich aus Piano- und Keyboard bestehenden Begleitung drücken ganz schön auf die Tränendrüsen. Nach so viel harten Klängen eine Oase der Ruhe und wirklich gelungen.
Zum Abschluss segelt das Quartett mit dem Live Stück, "Up and away" über den Horizont davon. Nach zurückhaltendem Start walzt der Sound fast noch mächtiger als bei den im Studio aufgenommenen Stücken. Da jagen sich Gitarren mit den Keyboards. Die eingeflochtenen ruhigeren Einschübe lassen den dann jeweils folgenden Instrumentalsturm noch gewaltiger erscheinen. Wenn man dieses Stück als Maßstab nimmt dann dürfte Liquid Horizon Live eine ganz starke Vorstellung bieten.

Fazit: Liquid Horizon sind seid REVOLUTIONS härter geworden, die Stücke noch komplexer und wie ich finde, leider auch eine Spur weniger eingängig. Klang man 2007 an einigen Stellen nach frühen Queensryche so überwiegt nun oft die Aggression mit gesteigertem Prog. Der melodische Anteil wurde zurückgefahren dafür sind die Songs noch dynamischer und für den Hörer echt anspruchsvoll. Die Zunahme des Härtegerades scheint für das Genre typisch zu sein wenn ich an den Output der letzten Scheiben von Dream Theater und Symphonie X denke. Eine Entwicklung die mir persönlich (man kann da ruhig anderer Meinung sein) nicht immer gefällt. Neben dem gekonnten Zusammenspiel aller Musiker kann Liquid Horizon vor allem mit der markanten Stimme von Oliver Kilthau punkten. Sein Organ sorgt für einen hohen Wiedererkennungswert. Ich möchte aber nicht versäumen kritisch anzumerken, dass ich seine schönen Vibratos in den Höhen die mich auf der REVOLUTIONS eins um andere mal ein wenig an Tobi Sammet erinnerten, hier etwas vermisse. Keyboarder Michael Heck hat einen schweren Stand. Beinahe übermächtig langt Herr Kilthau in die Saiten. Auch Marc Schroth mit seinem Monsterbass und Chuck West an den Drums gehören eindeutig zur Powerfraktion. Dabei geben die Keyboard Einlagen mit einem orchestralen Touch der Musik ein gehöriges Maß an Eigenständigkeit, ruhig mehr davon. Und da ich gerade dabei bin direkt noch ein Wunsch, mir klingen einige Songs zu ähnlich. Logisch sorgen ungezählte Rhythmus- und Tempiwechsel für Abwechslung, auch viel Liebe zum Detail ist spürbar, aber die Songs sind im Aufbau zu gleich besonders die Stakkato Riffs wiederholen sich zu häufig. Das man es auch ganz anders kann zeigt die Ballade "To the Stars", sanft gefühlvoll, eindringlich. Doch genug der (kleinen!) Kritikpunkte, kein Zweifel die Mucke von Liquid Horizon hat richtig Eier in der Hose, das hat Substanz und tost mächtig aus den Boxen. Für zart besaitete Musikfans eher schwer verdaulich bedarf es schon einige Zeit der Eingewöhnung, was für Prog aber auch nicht ungewöhnlich sondern eher die Regel ist. Meine Einstufung als Progressive Metal sollte man bei der Gelegenheit nicht zu genau nehmen, so musiziert man hier munter Grenzen überschreitend in einer Vielzahl von Stilen. Die ein wenig verträumte, nachdenkliche Stimmung (trotz der Power) die den meisten Songs inne wohnt ist ein dicker Pluspunkt. Bei einer Spielzeit von knapp einer Stunde kann man, was die Masse betrifft, auch nicht meckern. Aufgenommen wurde das Album im eigenen Studio von Liquid Horizon, für die fette Produktion und den Mix zeichnet Markus Teske verantwortlich. Der Mann betreute schon Vanden Plas und Mob Rules und macht auch hier einen guten Job.

Anspieltipps:
 "End of Time", "Daily Dose", "Crown of Creation", "To the Stars" und "Up and away".

Tipp:
 Progressive Metal Fans sollten Liquid Horizon auf alle Fälle ein, besser zwei Ohren schenken. Ein Vergleich mit Threshold bietet sich an. So musiziert der Horizont etwas weniger melodisch dafür mit mehr Härte, bei der Atmosphäre liegen beide Bands auf hohem Niveau. Als Einfluss nennen die Mannheimer die Band Vanden Plas. Und die Einflüsse spürt man, daher können auch Anhänger dieser Vorzeige Prog Metaller hier bedenkenlos zugreifen. Fans von Dream Theater möchte ich das Album auch ans Herz legen.

Titel-Liste:
 
  1. All the World
  2. Coast of Holland
  3. End of Time
  4. Every Second
  5. Daily Dose
  6. Crown of Creation
  7. One by One
  8. When Darkness falls
  9. To the Stars
  10. Up and away

Laufzeit:
 56:3o Min.

Band-Infos:
 
  • www.liquid-horizon.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Liquid Horizon: THE SCRIPT OF LIFE

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