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Review: Lost World Order |
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Album:
| | PARASITES, 2012, GoodDamn |
Stil:
Wertung:
| |  6,5 von 7 Punkten | | V.R., 10.02.2012 |
Review:
| | Alles Gute kehrt einmal zurück. Diese wunderbare Regel konnte man schon auf den klassischen Heavy Metal anwenden, der Mitte der 90er, bedingt durch den Grunge-Boom, ein Nischendasein fristen musste, sich gegen Ende des Jahrzehnts aber fulminant zurückmeldete. Noch schwerer hatte es den klassischen Thrash Metal getroffen. Zwischendurch gab es zwar die eine oder andere erfolgreiche neumodische Strömung in diesem Bereich (Neo-Thrash etwa), doch konnte dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Szene über lange Jahre dahinsiechte. Vor einigen Jahren schossen die neuen Thrash-Bands dann aber plötzlich wie Pilze aus dem Boden und jetzt existiert auch wieder eine lebendige Szene, die diese Musik hören will und nach mehr verlangt. Spätestens als Metallica wieder zu ihren Ursprüngen zurückkehrten, konnte von Thrash-Krise keine Rede mehr sein. Und so kommen auch 2012 weiterhin sehr gute Thrash-Scheiben in die Läden – und das auch verstärkt aus deutschen Landen. Nachdem sich im Januar die alten Helden von Necronomicon fulminant zurückmeldeten, kann im Februar eine noch relativ neue Band für Furore sorgen. Anders als letztgenannte Gruppe bieten Lost World Order allerdings keinen reinrassigen Thrash Metal der deutschen Schule (Marke Destruction, Kreator und wie sie alle heißen), sondern sie vermengen diese Einflüsse mit klassischem Bay Area Thrash. Die Bielefelder Herren konnten schon mit ihrem letzten Album MARAUDERS überaus positive Kritiken einheimsen. Dabei handelte es sich übrigens um den ersten Teil der sogenannten LOST WORLD-Trilogie und diese wird nun mit PARASITES auf beeindruckende Weise fortgesetzt. Nachdem es im ersten Teil um den dritten Weltkrieg und die Folgen ging, behandelt die neue Scheibe die totalitäre Gesellschaftsordnung eines Nachkriegs-Überwachungsstaats. Ein erschreckend realistisches Szenario also, das für sich alleine schon den detaillierten Blick auf die Scheibe rechtfertigt. Sollte die Musik nämlich ähnlich beeindruckend klingen wie das zugrunde liegende Thema, dann steht uns mit PARASITES ein richtiger Volltreffer ins Haus.
Beim Opener "Before the Light" stehen die Zeichen dann auch tatsächlich auf Volltreffer. Düsterer Thrash der Bay Area-Schule erwartet den Hörer. Eine Exodus-Zutat hier, ein Testament-Zitat da und darüber hinaus ganz viel Eigenständigkeit – Lost World Order wissen, wie man das Interesse des Hörers von Anfang an wecken kann. Besser kann man ein Album kaum beginnen.
Mit dem Opener haben Lost World Order dann natürlich ordentlich vorgelegt und der zweite Song "Shadows at the Graveyard" kann jene Klasse dann leider nicht ganz erreichen. Dennoch weiß auch dieser Song zu überzeugen und bietet wuchtige Thrash-Klänge in der Schnittmenge aus deutschem 80er Jahre-Thrash und Bay Area-lastigen Sounds. Überraschend eingängig und beinahe schon mitsingkompatibel fällt der Refrain des Songs aus.
Beim Titeltrack "Parasites" wird die Geschwindigkeit dann zumindest ein wenig zurückgenommen. Außerdem ist der Song nicht so sehr auf Eingängigkeit getrimmt wie der letzte und dementsprechend mutet er ein ganzes Stück rauer an. Ein wenig erinnern Lost World Order hier an Power Thrash Metal-Gruppen wie Eidolon oder Imagika. Qualitativ gesehen ist auch bei diesem Titel alles im Lot.
Düsteren Midtempo-Thrash bietet die Band bei "Ressurection (of the Order)". Aber nur im Intro, denn kurz darauf legt der Song in Sachen Geschwindigkeit und Härte ordentlich zu. Die düstere Aura bleibt aber auch danach erhalten und sorgt dafür, dass der Titel auch nach dem Hören noch lange im Gedächtnis bleibt.
"Ritual" ist mit seinen hymnischen Refrainchören und den finsteren Gitarrenriffs sogar auf dem extrem hohen Qualitätsniveaus des Openers angesiedelt. Wirklich beeindruckend, in der ersten Hälfte der Platte haben Lost World Order damit drei sehr gute Songs und zwei Titel mit Klassikerpotential abgeliefert.
Vom Grundprinzip her erinnert der nächste Song namens "Coma" stark an den vierten Titel der Platte. Auf ein düsteres Midtempo-Intro folgen harsches Uptempo-Drumming, fiese Gitarrenriffs und gewohnt aggressiver Gesang. Und die Masche funktioniert auch hier ganz wunderbar. Wie es aussieht, sind Lost World Order nicht daran interessiert, auch schwächere Lieder auf der Scheibe zu verewigen.
"Dependence Day" lautet der Name des bis dato härtesten und aggressivsten Songs auf PARASITES. Mit Highspeed-Drumming und Vocals, die fast schon an Death Metal erinnern, wird dem Hörer im Refrain gezeigt, was eine Harke ist.
Weiter geht es mit dem ebenfalls alles andere als laschen "Agents of Betrayal". Auch hier agiert die Band im oberen Bereich des Härtespektrums und lässt dabei sogar selige Erinnerungen an ältere Slayer-Alben aufkommen.
Weniger hart, aber dafür umso melodischer, ja geradezu ohrwurmverdächtig gehen Lost World Order bei "The disowned Son" zu Werke. Nach dem Opener und dem fünften Titel ist dies nun schon der dritte Song, der aus der Masse der guten bis sehr guten Lieder des Albums deutlich hervorsticht und damit sogar Klassikerpotential besitzt.
Bei "Merciless (a brutal Finale)" setzt die Band zum Abschluss noch einmal einen neuen persönlichen Härterekord. Es handelt sich hier wahrhaftig um ein brutales Finale, wobei aber auch die besondere düstere Note nicht außer Acht gelassen wird. Lost World Order holzen eben nicht einfach nur plump drauf los, nein, sie stellen auch in den härtesten Momenten ihr feines Gespür für düstere Melodien unter Beweis.
Fazit: Hui, das kam dann doch ganz schön überraschend. Dass Lost World Order mit PARASITES eine mindestens gute Scheibe abliefern werden, war angesichts der Qualität des letzten Albums eigentlich schon abzusehen. Dass die Platte aber derart genial ausfallen würde, das war so dann doch nicht unbedingt zu erwarten. Lost World Order haben im großen Spannungsfeld Thrash Metal ihre eigene Nische gefunden und erinnern bei einigen Songs mehr an die amerikanischen Vorbilder, bei anderen wiederum stärker an den guten alten deutschen Thrash der 80er Jahre. Natürlich fallen dabei zum Vergleich dann so große Namen wie Testament, Metallica, Exodus oder bei den härteren Songs auch Slayer auf der einen Seite und Kreator, Sodom oder Destruction auf der anderen Seite. Das besondere ist aber, dass Lost World Order das hohe Niveau der Vorbilder hier und da nicht nur ankratzen, sondern tatsächlich auch erreichen können. Außerdem besitzt die Gruppe trotz aller Vergleichsmöglichkeiten ein deutlich ausgeprägtes eigenes Profil. Lost World Order ist mit diesem Album das Kunststück gelungen, zehn durchgängig starke Songs abzuliefern und die Skip-Taste damit vorerst in Rente zu schicken. Drei Lieder auf PARASITES besitzen sogar Klassikerpotential. Das Konzept, das der Platte zugrunde liegt, klingt darüber hinaus äußerst interessant und es macht Spaß, sich mit den Texten der Scheibe zu beschäftigen. Dieses hervorstechende Merkmal konnten in letzter Zeit nur wenige Metal-Scheiben aufweisen und damit sollte endgültig feststehen, dass PARASITES qualitativ ganz nahe an der Höchstpunktzahl angesiedelt ist. Wenn die Band beim nächsten Mal dieses Niveau halten kann und dann auch noch ein Fünkchen mehr Abwechslung ins Spiel bringt, vielleicht mit der einen oder anderen zusätzlichen düsteren Midtempo-Passage, dann sollten sieben Punkte für den Abschluss der LOST WORLD-Trilogie eine Selbstverständlichkeit darstellen. |
Anspieltipps:
| | Jeder Song ist klasse und somit kann auch jeder Song als Anspieltipp dienen! "Before the Light", "Ritual" und "The disowned Son" stechen qualitativ allerdings noch mal deutlich hervor. |
Tipp:
| | Lost World Order beherrschen sowohl den deutsch geprägten Thrash Metal als auch die Bay Area-Schiene und sprechen somit eine breite Masse von Thrash-Liebhabern an. |
Titel-Liste:
| | - Before the Light
- Shadows at the Graveyard
- Parasites
- Resurrection (of the Order)
- Ritual
- Coma
- Dependence Day
- Agents of Betrayal
- The disowned Son
- Merciless (a brutal Finale)
|
Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.lostworldorder.com  |
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