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Review: Lunatica
 
NEW SHORES

Album:
 NEW SHORES, 2009, Napalm

Stil:
 Symphonic Rock

Wertung:
 3,5 von 7
3,5 von 7 Punkten
 S.M., 05.04.2009

Review:
 Seit einigen Jahren sind die Schweizer Lunatica nun schon eine Konstante im Symphonic Metal. Die Band wurde 1998 in Suhr im Kanton Aargau gegründet und konnte sich recht schnell einen internationalen Namen machen. Eine Konstante ist bislang auch die Qualität der Alben, besonders FABLES AND DREAMS und THE EDGE OF INFINITY sind echte Schmuckstückchen. Weniger konstant ist der Verbleib bei einem Label, denn bisher wurde jedes der drei veröffentlichten Alben bei unterschiedlichen Plattenfirmen released. So geht es auch im Jahre 2009 weiter. Entstand THE EDGE OF INFINITY noch unter dem Banner von Frontiers, zeichnet nun das österreichische Label NAPALM RECORDS verantwortlich. Da Napalm regelmäßig ein gutes Händchen für ihre signierten Bands beweist, darf man gespannt sein auf NEW SHORES.

Der Einstieg mit dem Titeltrack "New Shores" ist etwas gewöhnungsbedürftig. Er ist progressiv arrangiert mit sich ändernden Intensitäten. Besinnliche Abschnitte wechseln sich mit kraftvollen ab. Allgegenwärtig ist die Keyboarduntermalung, die aber nicht durchweg symphonisch ist, sondern manchmal auch spacig anmutet. Ich finde den Song dadurch recht schwer zu erfassen und man kann auch der Hookline nicht wirklich gut folgen. Nicht gerade der optimale Opener.
"Two Dreamers" präsentiert sich da wesentlich eingängiger und atmosphärischer. Der Aufbau ist straight und mündet in einen schön epischen Ohrwurmrefrain. Das sind die Kompositionen, die ich von Lunatica erwarte.
Die Halbballade "How did it come to this" lässt der emotionalen Seite der Schweizer freien Lauf. Die Melodie ist gelungen und Andrea Dätwyler klares, ausdrucksstarkes Organ kann die Gefühle einwandfrei transportieren und vermitteln.
"The Incredibles" hat ebenfalls balladeske Züge, wenngleich sie zwischendurch von der Instrumentenpower zurückgedrängt werden. Auch hier stört mich das poppig-spacige Keyboard bisweilen. Es wirkt ein bisschen, als hätte man den Song dadurch "radiotauglicher" komponieren wollen.
Überhaupt scheinen Lunatica verstärkt auf Massenkompatibilität zu setzen. "My hardest Walk" beginnt recht tough, doch wird schon bald wieder Power rausgenommen und die melodische und ruhigere Weise in den Vordergrund geschoben. Lediglich beim Solo darf nochmal die Leadgitarre härtere Klänge ins Spiel bringen. Gegen Ende hin wird auch wieder die Elektro-Pop-Synthie Untermalung eingesetzt.
Mit besinnlichen Tönen geht es weiter. Beim Songtitel "Farewell my Love" war das nicht anders zu erwarten. Andrea bekommt männliche Gesangsunterstützung. Die wechselnden Vocals klingen aber gut und heben die emotionale Seite des Stückes wieder gut hervor. Die Melodie, die symphonische Untermalung und auch die später einsetzenden Choräle sind vom Feinsten.
"The chosen One" bringt dann zumindest teilweise wieder druckvollere Parts ins Spiel. Aber die poppige Keyboardseite ist auch hier präsent und harmoniert mit der symphonischen Untermalung nur bedingt. Die Songaufmachung ist wieder progressiv mit Wechseln aus besinnlichen Phasen und dynamischeren Abschnitten.
Als gäbe es auf NEW SHORES nicht schon genügend verhaltene Klänge, ist auch "Heart of a Lion" wieder stark balladesk und auch airplaytauglich angehaucht. Allerdings fehlt es an einer einprägsamen Melodie.
"Into the Dissonence" ist stark progressiv mit recht einschneidenden Breaks und Wechseln. Allerdings kann man dem roten Faden der Komposition gut folgen. In den druckvolleren Parts klingt der Song aber gut und Andrea trägt durch kraftvollen Gesang dazu bei.
Da mit "Winds of Heaven" bereits die nächste Ballade folgt, möchte ich am liebsten auf die Skip-Taste drücken. Was hat diese Scheibe denn mit Metal zu tun? Bei all der Faszination über die teilweise starken Melodien, muss man sich wirklich fragen, wohin Lunatica wollen. Zum Pop?
Bitte sehr! Aber dann sollen sie es auch frei raus sagen. Mir scheint, als wären sie bei einem Metal-Label wie Napalm Records so langsam fehl am Platz. Bei diesem Song sind wieder die Choräle ganz nett anzuhören. Mehr ist aber nicht zu sagen.
Beim abschließenden "The Day the Falcon dies" gibt es zumindest phasenweise auch wieder Gitarrenpower zu hören. Melodie und orchestrale Parts passen gut, so dass den Hörer wenigstens am Plattenende noch mal ein kleines Highlight erwartet.

Fazit: Meine Erwartungen waren hoch, insbesondere, nachdem ich schon einige Reviews über NEW SHORES gelesen hatte, die nur so mit Lob um sich warfen. Es erfolgte eine ziemliche Ernüchterung. Lunatica liefern meines Erachtens ihr bisher schwächstes Album ab. Offenbar haben sie zeitweise vergessen, dass sie eigentlich eine Metal-Band sind. Dieses übermaß an balladesken und Synthie-Pop-Parts ist ja schon fast ein Armutszeugnis. Lunatica scheinen nur noch in Richtung Kommerz und Radiopop zu schielen. Anders kann ich mir diesen Stilbruch nicht erklären. Die oft zu lesende Weiterentwicklung ist sicherlich vorhanden, aber in welche Richtung nur. Wollen sie zu einer Pop-Band werden, sind sie zweifelsohne auf dem richtigen Wege.
Ich kann durchaus von mir behaupten, ein Symphonic Metal-Fan zu sein, aber NEW SHORES erfüllt meine Ansprüche nicht annähernd. Da greife ich lieber zu früheren Nightwish oder Edenbridge. Leuten, die sich von diesem Album Metal versprechen, rate ich eindringlich von einem Kauf ab. NEW SHORES ist wahrscheinlich meine persönliche Enttäuschung des Jahres 2009.

Anspieltipps:
 Mit "Two Dreamers", "Farewell my Love" und "The Day the Falcon dies" ist die Liste der empfehlenswerten Stücke schnell abgehakt.

Titel-Liste:
 
  1. New Shores
  2. Two Dreamers
  3. How did it come to this
  4. The Incredibles
  5. My hardest Walk
  6. Farewell my Love
  7. The chosen Ones
  8. Heart of a Lion
  9. Into the Dissonance
  10. Winds of Heaven
  11. The Day the Falcon dies

Laufzeit:
 50:19 Min.


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