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Review: M.I.C.
 
OUT 2 ROCK

Album:
 OUT 2 ROCK, 2010, Eigenvertrieb

Stil:
 Classic Rock, Pop Rock, Punk

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 J.G., 16.02.2010

Review:
 "Made in China" schlagen zurück. Nach knappen acht Wochen Reisezeit ist das zweite Album OUT 2 ROCK der in Chengdu, China beheimateten Multi-Kulti-Band. Bandchef und Songwriter Yvon Serre hat sich dazu ein komplett neues Line-Up zusammen gestellt. Mit Bassist Huang Hongliang und Drummer Zhao Qian sind wieder zwei chinesische Rockmusiker mit von der Partie. Für die Rhythmusgitarre hat sich Yvon diesmal mit Angela Renzetti nicht nur eine hervorragende, aus Seattle, Washington stammende Musikerin geangelt, sondern so nebenbei gleich einen Eyecatcher und Unterstützung für die Background-Vocals.

Mit dem Opener "Sit on you" gelingt M.I.C. ein Einstieg nach Maß und zeigt auch gleich die Leidenschaft für schnörkellosen Rock, bei dem der Spaß nicht zu kurz kommen darf, was der Kanon-ähnlich gesungene Refrain auf eine witzige Art und Weise unterstreicht.
"Who do you love" lebt als groovender Mid-Tempo-Rocker vor allem von seinen radiotauglichen Hooklines und dem gefälligen mehrstimmigen Chor im Refrain. Das Gitarren-Solo ist anstatt ausschweifend und selbstverliebt, solide und angemessen, eben genau so, wie es sein soll. Für den Fall, dass ein Radiosender Gefallen an dem Song findet, wurde extra eine leicht gekürzte Version mit aufs Album gepackt.
Für "Out in the Rain" wird der Rock etwas nach hinten geschoben und mit Pianoklängen ein breiteres Publikum angesprochen. Es bleibt jedoch noch genügend Härte übrig, besonders im Instrumentalteil, sodass man Pop getrost streichen und dafür AOR unterstreichen kann.
Mit gesundem flotten Tempo stürmt "Hot Summer Day" recht geradlinig nach vorne und verbreitet mit seinem melodischen Refrain sofort gute Sommerlaune. Egal ob im offenen Cabrio, in der Mittagspause auf der Parkbank im Grünen oder als leichte Partykost, macht der Song immer eine gute Figur. (Und überhaupt, wann kommt denn eigentlich endlich der Frühling? Wir schreiben den 16. Februar 2010, außer zweistelligen Minusgraden und endlich etwas Sonnenschein sehe ich nur Schnee, Schnee, Schnee... Anm. d. Red.)
Richtig exotisch wirds bei "Forever in your World", der schon fast psychedelische Züge annimmt, bevor mit "Can't live this Way" ein waschechter Classic Rocker ausgepackt wird. Treibender Rhythmus und ein kraftvoller Refrain laden sofort zum Mitnicken und Abtanzen ein.
Kuschelfans kommen zum ersten mal bei der Ballade "Something to say" auf ihre Kosten. Piano- und Synthieunterstützung verleihen dem Song zunächst einen sehr kommerziellen Anstrich, wobei mich hier besonders die Gesangslinie angenehm überrascht. Auch wenn diesmal die E-Gitarren nicht dominant in der ersten Reihe stehen, bekommen sie immer wieder wohl dosierten Freigang. Fürs Radio gibt es übrigens wieder eine leicht gekürzte Version am Ende der CD.
Es leben die Kontraste und so wird mit "Tell the Lies" wieder ein rockiges Teil mit jeder Menge Ecken und Kanten ausgepackt, bei dem gesanglich genau gegensätzlich zum Vorgänger agiert wird. Selten genug zu hören bekommt diesmal neben den E-Gitarren auch der Slap-Bass ein kurzes Solo. Es lebe der Rock'n'Roll und deshalb drücken M.I.C. bei "Rockin' Lucille" nicht nur kräftig aufs Gaspedal sondern rocken mit voller Leidenschaft bis die Boxen qualmen.
Die Frage "Can you hear me" beantwortet das Quartett mit einem soliden Hard Rocker, der jedoch sehr stark an "Let me be your King" des Debüts erinnert und deshalb ein paar Abzüge in der B-Note erhält. Dafür wird der Classic Rock Song die Status Quo-Fans erfreuen, die das Debüt noch nicht kennen.
"Can't let you" go beamt den Zuhörer locker 30-35 Jahre zurück in die Rocklandschaften der guten alten 70er und 80er Jahre, wo man E-Gitarren hören wollte, dominant und kraftvoll. Auch "What you doing" steht seinem Vorgänger kaum nach, zeigt jedoch leichte Punk-Einflüsse und schmeichelt mit dezenten Piano-Keyboards, was jedoch dem obligatorischen Gitarren-Solo keinen Abbruch tut.
Für den Ausstieg wählt Yvon das gefällige, kommerziell ausgerichtete "Between the Eyes", welches in jedem Fall 100% Radiotauglichkeit besitzt, jedoch kaum noch rockige Härte besitzt. Bedenkt man den angestrebten Markt, so ist dies jedoch eine durchaus nachvollziehbare Entscheidung.

Fazit: Yvon ist seiner Linie treu geblieben und knüpft mit OUT 2 ROCK konsequent dort an, wo das etwas kurz geratene Debüt geendet hatte. Obwohl Yvon alles selbst geschrieben hat, merkt man seinen Songs die multikulturellen Einflüsse an. Für europäisch oder nordamerikanisch geprägte Ohren schleicht sich doch das eine oder andere fernöstliche Element mit ein, was dem Ganzen einen besonderen Touch verleiht. Ansonsten bekommt man solide Rocker geboten, die gegenüber dem Debüt mit etwas mehr Volumen und Farbe arrangiert wurden. Am neuen Line-Up und auch der deutlich längeren Spieldauer gibt es nichts zu meckern. Ganz im Gegenteil, was beim Debüt noch schwachbrüstig und kurzweilig erschien, ist nun überzeugend und üppig.
Glücklicherweise kommt Yvons Rockmusik im Reich der Mitte so gut an, dass genügend Motivation für ein zweites Album vorhanden war. Jetzt gilt es, einen vernünftigen Labelpartner zu finden, der M.I.C. nicht nur vor Ort, sondern auch in Europa und Amerika unterstützt. Verdient hätten sie es allemal.

Tipp:
 Wer Classic Rock mit einem Schuss Kommerz nicht gleich von der Bettkante stößt, der sollte hier probehören.

Titel-Liste:
 
  1. Sit on you
  2. Who do you love
  3. Out in the Rain
  4. Hot Summer Day
  5. Forever in your World
  6. Can't live this Way
  7. Something to say
  8. Tell the Lies
  9. Rockin' Lucille
  10. Can you hear me
  11. Can't let you go
  12. What you doing
  13. Between the Eyes
  14. Who do you love (Radio Version)
  15. Something to say (Radio Version)

Laufzeit:
 54:50 Min.

Band-Infos:
 
  • www.yvonserre.com/mic 


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