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Review: Magnum
 
INTO THE VALLEY OF THE MOONKING

Album:
 INTO THE VALLEY OF THE MOONKING, 2009, SPV

Stil:
 Melodic Hard Rock

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 U.B., 11.07.2009

Review:
 Mehr als dreißig Jahre hat die Band Magnum mit dem Führungsduo Tony Clarkin und Bob Catley inzwischen auf dem Buckel aber von Müdigkeit keine Spur bei den alten Herren. Der Motor der britischen Hard Rock Institution schnurrt immer noch wie ein Kätzchen und beglückt uns mal wieder mit einem neuen Album. Seit die Band 2002 wieder zusammengefunden hat kann man über die Produktivität echt nicht meckern. Das Cover ist von Künstler Rodney Matthews und spiegelt die Musik auch optisch vorzüglich.

"Intro" heißt das erste kurze Stück treffend. Rauschen des Windes und Synthiestreicher leiten das Album ein und gehen nahtlos in "Cry to yourself" über. Es handelt sich um eine typische Magnum Nummer mit guter Mischung aus Gitarren und Keyboards, sehr melodisch das Ganze, eher soft angelegt, mit Höhepunkt im Chorus. Über die markante Stimme von Catley und das eindrucksvolle Gitarrenspiel von Clarkin braucht man ohnehin keine Worte zu verlieren.
Flinkes Piano eröffnet "All my Bridges". Der Song ist durch die Bank vom Tempo schneller als der Vorgänger und geht deutlich Richtung Rock. Clarkin, allein für das Songwriting zuständig, ist nicht nur was seine Leibesfülle angeht, auch seine musikalischen Fähigkeiten sind schwergewichtig. Hier versteht er es wieder meisterhaft das Stück mit einem Rhythmus zu versehen der wirklich sofort beim Hörer zündet. Neben dem kräftigen Riffing baut er häufig kleine Gitarreneskapaden ein. Die Drums und der Bass gefallen mit perfektem Zusammenspiel.
Nochmals härter gibt sich "Take me to the Edge". Hier sind die Gitarren aggressiv mit deftigen Riffs. Dazwischen gibt es einen beschaulichen Abschnitt mit Keyboards und Bass im Vordergrund bis mit Einsetzen der Gitarren wieder Hard Rock angesagt ist. Catley passt seine Vocals geschickt an und seine Stimme besitzt hier eine Portion Schärfe die dem Stück gerecht wird. Das Tempo wird mehrfach variiert, so zum Beispiel während des Gitarrensolos, da geht es gemächlich zu was das Solo noch betont.
"The Moon King" startet mit einer Gitarre die mit viel Hall unterlegt ist. Die Vocals sind weich bis nach einigen Momenten die Nummer deutlich intensiver wird. Der Song hat balladeske Momente aber auch Abschnitte mit voller Instrumentierung mit gehörigem Druck, abwechslungsreich eben, was auch auf Catleys Vocals zutrifft. Eine Prise Blues ist dezent auch mit von der Partie.
Die Gitarren und die leicht epischen Keyboards die sich prima ergänzen kennt man von Magnum, sie gefallen dennoch immer wieder. "No one knows his Name" wird von reichlich Piano eingeleitet. Zuerst sanft wird der Rhythmus dann stampfend. Zu den vollen Gitarrenakkorden erschallen die Keys im Hintergrund fanfarenartig. Es gibt ständige Wechsel von leisen und intensiven Phasen mit epischer Stimmung.
Und nochmals darf das Piano auf "In my Minds Eye" zum Auftakt spielen. Nach und nach gesellen sich die anderen Instrumente dazu. Geschickt wird der Song aufgebaut und setzt auf den starken Bass der in Zusammenarbeit mit den Drums den Rhythmus vorgibt ohne zu übertreiben. Magnum packt die verträumte Nummer in ein tolles Melodiegerüst mit viel Bombast. Bei mir erweckt der Song die Assoziation mit einem Märchen aus Tausend und einer Nacht.
Die einfühlsame Halbballade "Time to cross that River" wurde, zumindest aus meiner Sicht, künstlich auf Live getrimmt. Der Applaus am Anfang und ein paar Jubelrufe in der Mitte scheinen mir vom Band zu kommen, für eine echte Live Aufnahme ist die Tonqualität zu perfekt. Aber wie auch immer, dem Song tut das keinen Abbruch. Langsam und getragen, geprägt von wohldosierter Zusammenarbeit von Gitarren und Keys entführt Magnum musikalisch in das Reich von Fabelwesen, Schlössern und Zauberern. Sehr nostalgisch als sei die Zeit in den Achtzigern stehen geblieben ist der wohlige Gänsehauteffekt garantiert. Besonders eindrucksvoll empfinde ich einen leisen Abschnitt mit Clarkins Sologitarre, da dürfen bei einem echten Live Auftritt die Wunderkerzen und Feuerzeuge geschwenkt werden.
Ausgesprochen viel Magnum Melodie Schmelz besitzt auch "If I ever lose my Mind". Ein Stück das auch vom Erfolgsalbum ON A STORYTELLER´s NIGHT kommen könnte. Das Stück lebt von der tollen Melodie und dem Ohrwurmchorus.
Das gefühlvolle "A Face in the Crowd" ist eine Ballade die nicht nur die Damenwelt in Verzückung versetzen dürfte. Der Märchenerzähler Magnum schöpft mit super Melodie und mehrstimmigen Refrain aus dem Vollen. Epischer Bombast fehlt natürlich auch nicht.
"Feels like Treason" ist ganz anders, schnell mit wirbelnden Drums. Der Chorus entpuppt sich wieder als Einbahnstraße für die Ohren, leicht rein aber nicht mehr raus. Clarkins Gitarre vermittelt unheimlich viel romantische Atmosphäre.
Den Song "Blood on your barbed Wire Thorns" sollte man sich direkt mehrfach hintereinander anhören. Ich bin immer noch verblüfft wie wandlungsfähig und trotzdem schlüssig das Stück ist. Los geht's mit Riffs in bester AC/DC Manier als stände Herr Young persönlich an der Gitarre. Auch die Drums wummern und der Bass poltert, das klingt schon mehr als stark nach AC/DC. Die Vocals sind allerdings nicht so heiser krächzend wie bei den Känguruh Rockern aber für Catleys Verhältnisse rauer als gewohnt. Dazwischen werden einem flotte Bar- Piano Anschläge kredenzt. Ganz allmählich fast unmerklich wandelt sich das Stück um mit Piano still und leise auszuklingen.

Fazit: Alter schützt vor Hard Rock nicht. Die "alten Säcke" haben es immer noch drauf und degradieren die meisten Bands im Melodic Rock Genre ganz locker zu Statisten. Bei Magnum ist es wie bei Axel Rudi Pell, Innovationen erwartet man nicht und bekommt sie auch nicht, aber jedes Mal ein stimmiges und gutes Album. Zwar ist INTO THE VALLEY OF THE MOONKING eine Spur schwächer als der Vorgänger PRINCESS ALICE AND THE BROKEN ARROW ausgefallen doch ein richtig gutes Album ist die neue Scheibe dennoch. Nicht nur beim Cover setzt man erneut auf Fantasy- Märchenoptik auch bei der Musik fährt man weiterhin die betont melodische achtziger Jahre Schiene im Stil des ausgezeichneten Werks ON A STORYTELLER´S NIGHT. Schön nostalgisch mit epischem Einschlag erhalten alte Magnum Fans genau das Gehörfutter nachdem sie verlangen. Magnum bleiben sich treu, sie erfinden sich nicht neu und haben das auch nicht nötig. Ja, die Songs sind altmodisch und der Hörer schwelgt in Erinnerungen. Ich bin bestimmt kein Nostalgiker der längst vergangenen Zeiten nachtrauert. Magnum waren damals klasse und sind es auch heute noch, so einfach ist das. Clarkins Songwriter Qualitäten, sein tolles Gitarrenspiel in Verbindung mit nie überladenen Keyboardteppichen, Catleys charismatische Stimme, das sind nach wie vor die Garanten für die bekannten Trademarks der Briten, Musik die unter die Haut geht. Das glänzende Zusammenspiel der Musiker tut ein Übriges um eine tolle Atmosphäre zu erzeugen. Eine Spielzeit von knapp einer Stunde sorgt dafür, dass der Spaß nicht so schnell vorbei ist. Und so hoffe ich, die Truppe macht auch im Rentenalter noch lange weiter nach dem Motto: Rock until you drop.

Anspieltipps:
 "All my Bridges", "Take me to the Edge", In my Mind´s Eye", "A Face in the Crowd" und "Blood on your barbed Wire Thorns"

Tipp:
 Eine spezielle Empfehlung ist eigentlich völlig überflüssig wer Magnum kennt weiß ohnehin was ihn erwartet. Wer Magnum noch nicht kennt sollte sich was schämen und falls er (oder sie) Melodic Hard Rock mag, schleunigst das neue Album besorgen. In dem Fall wird es sicher nicht nur bei einem Album bleiben.

Titel-Liste:
 
  1. Intro
  2. Cry to yourself
  3. All my Bridges
  4. Take me to the Edge
  5. The Moon King
  6. No one knows his Name
  7. In my Mind's Eye
  8. Time to cross that River
  9. If I ever lose my Mind
  10. A Face In The Crowd
  11. Feels like Treason
  12. Blood on your barbed Wire Thorns

Laufzeit:
 58:33 Min.


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