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Review: The Man from the Moon
 
ROCKET ATTACK

Album:
 ROCKET ATTACK, 2008, Black Mark

Stil:
 Symphonic Rock, Pop-Rock

Wertung:
 3 von 7
3 von 7 Punkten
 J.G., 08.07.2008

Review:
 Wer kennst sie nicht, die fröhlichen Straßenmusiker, die immer wieder versuchen an Straßenecken und in gut besuchten Fußgängerzonen die vorbei laufende Menge mit ihrer Musik zu erfreuen. Klar wird erwartet, dass man bei Gefallen ein paar Münzen in einen Hut oder geöffneten Gitarrenkoffer wirft. Auch wenn mir die Musik in der Regel nicht zusagt so bleibe ich manchmal doch stehen um zuzuhören. Manchmal sind richtige Multiinstrumentalisten am Werk, die über einen kleinen batteriebetriebenen Verstärker ihre Gitarre spielen mit einem Gestell in eine Mundharmonika blasen und dabei mit den Füßen noch ein auf dem Rücken angebrachtes Becken und eine kleine Trommel am Boden bedienen. Da könnte so manche Amateurband erblassen.
Aber soviel Aufwand muss man heutzutage kaum noch gleichzeitig betreiben. Im Zeitalter der digitalen Welten mit jeder Menge Speicherplatz, kann man sich getrost ein Instrument nach dem anderen vornehmen und erst am Ende alles zu einem Gesamtwerk zusammen mischen.
Das dachte sich auch der Schwede Micke Moberg, als er die Idee hatte, sein Album ROCKET ATTACK ganz alleine einzuspielen. Naja, nicht ganz alleine, denn ein Drumcomputer sorgt für den Rhythmus und Druck an der Basis. Aber ansonsten darf man durchaus von einem Do-it-yourself-Werk sprechen, denn Gesang, Gitarre, Bass, Keyboards, Songwriting und Komposition sind samt und sonders auf seinem Mist gewachsen. Damit möchte ich jedoch nicht gleich mein Urteil vorweg nehmen, denn ich ziehe durchaus meinen Hut vor Leuten, die alles selbst in die Hand nehmen. Denke ich da an Phil Collins oder Rolf Kasparek (Running Wild), sind die Ergebnisse durchaus erfreulich.
Für sein Album ROCKET ATTACK hat sich Micke recht hohe Ziele gesteckt. Es sollte ein symphonisches Rock-Album werden und dafür hat er sich kräftig in der Klischee-Schublade des Rock- und Pop-Genres bedient.

Sind es beim Opener "Rocket Man" noch klassische Hard Rock-Klänge, wie man sie vermutlich schon hunderte Male gehört hat, so habe ich gerade beim Gesang meine Probleme, der so garnicht zur angestrebten Härte passen will. Auch die leicht spacig angehauchten Synthesizer-Effekte, die hart an der Grenze des Fliegeralarms wimmern, passen vielleicht zum Projektnamen The Man from the Moon, aber nicht zum Song. Da helfen Texte, die gespickt wurden mit "...Motherfucker..." auch nicht wirklich, um Härte zu bringen. Wie man es richtig macht mit Rock und Text, das beweisen z.B. Taletellers mit ihrem geilen Song "Bad Motherfucker".
Die Gitarren lassen bei "Warm blooded Woman" die Hoffnung steigen, dass Besserung in Sicht ist. Ok, Micke's Gesang ist mir immer noch zu seicht, aber zumindest die Melodie ist ok, wenn auch weder neu noch abwechslungsreich.
Und noch eine Stufe härter klingen die Gitarren bei "Eagle Free". Zumindest die ersten 12 Sekunden, bevor Micke seine Texte zum Besten gibt. Insgesamt erinnert der Song an eine etwas dürftige Boston-Kopie, zumindest was den Gitarrensound angeht.
Als Halb-Ballade gehalten ist es "Revolution", das als erstes Stück wirklich punkten kann. Auch wenn mir die Sache mit einer Spur zu viel Pathos vorgetragen wird und Synthie-Klänge als Härtekiller agieren so klingt die Sache ganz passabel. Wäre jetzt ein richtiger Drummer hinter der Schießbude, dann könnte man sogar wirklich für Stimmung sorgen.
Weichgespülter US-lastiger Pop-Rock quillt für "President of Madness" aus den Boxen. Auch wenn die Botschaft durchaus gut gemeint sein mag, so hätte man vielleicht auch etwas weniger tief in die, von Klischees triefende, Schublade greifen müssen.
"In Love and Memory" hat Micke seinem verstorbenen Freund und "Bruder" Quorthon, wie er ihn bezeichnet, gewidmet. Hier möchte ich mich einer Wertung enthalten, da ich diesen "Good Will" durchaus würdige.
Wer jetzt immer noch hofft, das ultimative Rock-Album zu entdecken, den muss ich enttäuschen. "The Walker" wildert als Ballade in AOR-Gefilden. Auch das etwas härtere "I am your God" schlägt in die gleiche Kerbe. Ob hier der elektronisch verfremdete Klang besser klingt, als das Original, darf jeder selbst beurteilen. Mit Rhythmen aus der Drum-Konserve geht es in die nächste Runde namens "Ice Man". Bei solchen Klängen würde vermutlich sogar Jimmy Somerville wieder zum Hetero. "Dance Mamma", da lässt schon der Titel nichts Gutes vermuten, aber was dann folgt, ist doch noch eine Nummer schlimmer, als befürchtet. Jau, Refrain, au aua... Wer bis jetzt wacker durchgehalten hat, der sollte sich den nächsten Titel "Time gives a Moment" und die abschließende Schmonzette "My home Town" aber nicht entgehen lassen. Glücklicherweise bin ich schon vor Jahren auf elektronische Sicherungen umgestiegen und musste nur den Schalter bei mir nach oben legen. Mit alten Schmelzsicherungen hätte ich beim ständigen Wechseln vom Drehen vermutlich eine Sehnenscheiden-Entzündung bekommen.

Fazit: Nun, zunächst möchte ich durchaus lobend erwähnen, dass dieses Album samt und sonders das Werk eines Einzelnen darstellt. Warum es allerdings das heimische Wohnzimmer unseres Schweden Micke Moberg verlassen und die musikalische Freiheit erlangt hat, bleibt zu untersuchen. Vermutlich handelt es sich um einen terroristischen Akt radikaler Rock-Hasser, mit dem Hintergrund das fundierte Songwriting ganzer Bandgenerationen ad absurdum zu führen.
Lieber Micke, ich hätte vermutlich nicht einmal die Hälfte von dem geschafft, was Du geleistet hast, aber ich würde meine Songs auch nicht veröffentlichen.

Tipp:
 Wer sich in Fussgängerzonen an One-Man-Bands nicht satt hören kann und befürchtet dabei sein ganzen Kleingeld zu verlieren, der sollte lieber hier zugreifen.

Titel-Liste:
 
  1. Rocket Man
  2. Warm blooded Woman
  3. Eagle Free
  4. Revolution
  5. President of Madness
  6. In Love and Memory
  7. The Walker
  8. I am your God
  9. Ice Man
  10. Dance Mamma
  11. Time gives a Moment
  12. My home Town

Laufzeit:
 48:52 Min.


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