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Review: Masquerage
 
MOONLIGHT TIME

Album:
 MOONLIGHT TIME, 2008, Eigenvertrieb

Stil:
 Power Metal, Hard Rock

Wertung:
 6,5 von 7
6,5 von 7 Punkten
 J.G., 22.09.2008

Review:
 Immer wieder bestätigt sich das Gerücht, dass hinter jedem Baum in Finnland eine Band lauert. Jeder Baum ist vielleicht übertrieben, aber hinter jedem Zweiten wäre ich mir dann schon ziemlich sicher. Den Beweis tritt diesmal das Quintett Masquerage mit ihrem selbst produzierten Album MOONLIGHT TIME an. Und um es gleich vorweg zu nehmen, stellt für mich dieses Album eines der Highlights des Jahres 2008 dar. Bedenke ich, wie viele klasse Werke in diesem Jahr bereits erschienen sind, wertet dies die gebotene Leistung noch deutlich auf.

Was Gitarrist Jukki Viitasaari, Sänger und Gitarrist Kimmo Perämäki, Keyboarder Mika Maunus, Bassist Mikael Kontolampi und Drummer Marko Ylä-Häkkinen auf ihrem zweiten Album zeigen, ist wirklich aller erste Sahne und schlägt einen weiten Bogen quer durch die Rock und Metal-Landschaften. Neben traditionellem Hard Rock gibt ebenso Power Metal, epische Stücke und geniale hymnische Rock-Balladen. Ohne wirklich zu kopieren, schaffen es die Finnen das Beste aus dem Schaffen von Bands wie Iron Maiden, Stratovarius, Edguy, Helloween, AC/DC und vielen weiteren Bands in ihr eigenes Songwriting einfließen zu lassen und sich trotzdem ihre Eigenständigkeit zu bewahren.
Der ex-Celesty/Athmosfear Mann Kimmo Perämäki und Drummer Marko Ylä-Häkkinen verstehen es dabei, ihre bisherigen Erfahrungen zu nutzen, um extrem eingängige und griffige Melodien zu schreiben, die einem ein bekanntes Gefühl vermitteln und auch sofort im Gedächtnis bleiben.

Der Opener "We will never learn", ist wahrlich ein Einstand nach Maß. Ein tierischer Midtempo-Groove treibt den melodischen Power-Song gnadenlos nach vorne und erinnert mich sehr stark an Songs der Schwedischen Nachbarn Dream Evil. Dabei soll es aber nicht bleiben, denn nach einer genialen Bridge folgt ein Highspeed-Intermezzo, wie zu Helloweens besten Zeiten. Wollten die Finnen bei ihrer zweiten Scheibe mit dem Opener Eindruck schinden, so ist dies rundum gelungen.
Beim Titelsong "Moonlight Time" wird nicht lange gefackelt, sondern sofort Vollgas gegeben. Ein paar Retro-Orgel-Klänge begleiten dabei die massiv agierende Gitarrenfront auf ihrem Weg zum Power-Olymp, die wohl irgendwo zwischen Edguy und Stratovarius liegen mag.
Etwas weniger Geschwindigkeit, aber dafür Druck von der Basis, bietet "I don't believe in you". Hier wird auch einmal der Bass von der Leine gelassen und bildet Untermalung für die an AC/DC erinnernden rockigen Riffs. Soviel zum 'Vorspiel', denn es folgt erneut ein melodischer Metal-Brocken, der geschickt die Themen des Intros aufgreift und zu einem immer dichteren Klangteppich verwebt. Klar, dass auch diesmal der Refrain vor Gefälligkeit nur so strotzt.
Der Arzt hat offensichtlich eine Großpackung Power Metal zur Heilung verordnet, den "Doctors Order" ist einer der dichtesten Songs des ganzen Albums und bietet Power und Spielfreude von der ersten bis zur letzten Sekunde. Egal ob ein kurzes Lachen als Filler oder das Gitarren-Solo, wurde hier an allen Ecken und Kanten gefeilt, um den Song auch richtig auszugestalten.
Ein kurzes Glockenspiel und Retro-Orgelklänge starten den nächsten Power-Song. "Retired Monster" macht seinem Namen alle Ehre. Damit sind aber weniger irgendwelche Gruselstimmungen gemeint, die eher mit einem zwinkernden Augen behandelt werden, denn ich vermute, das Monster hat einfach nur Verdauungsbeschwerden oder fürchterliche Zahnschmerzen. Vielmehr fasziniert der absolut nach vorne marschierende Rhythmus. So wie es vielleicht Helloween in ihren besten Jahren geschafft haben, wird hier jedes Riff mit Hochdruck auf die Lauscher gepresst.
"The Helpers" zeigt, dass man es durchaus auch versteht in ruhigeren Gewässern große Fische zu fangen. Power-Balladen müssen eben nicht zwangsläufig an Verschmalzung leiden, um als Ballade anerkannt zu werden. Wie man Gefühl und metallische Härte genial kombiniert, das kann man hier erleben.
Kurz an der Trommel gedreht, eingerastet und schon wird der nächste Song "Better Liar" abgefeuert. Angesichts des brachialen Power Metal-Feuerwerks müsste es das Kaliber einer .45er Magnum sein Hier jagen sich die Gitarren gegenseitig ohne sich in sinnlosen Duellen zu verlieren und über allem herrscht Kimmo Perämäki mit seiner charakteristischen Stimme.
"Silver Wings" mit etwas gemäßigterem Tempo, aber dafür den Ohrwurm-Faktor auf Maximalanschlag, kann von der ersten Sekunde an überzeugen. Diesmal sind es die traditionell gestimmten Gitarren und das transparente Riffing, welches in Kombination mit dem melodischen Refrain und dezenter Chor-Unterstützung einen rundum angenehmen Höreindruck hinterlassen.
Die schlechte Nachricht folgt auf dem Fuße, denn der nachfolgende Powersong "Everlasting good Luck" ist bereits das letzte Lied auf der CD. dafür verwöhnt uns der Song mit einem zuckersüßen Refrain, der sofort dazu animiert, nach den letzten Klängen wieder auf die Start-taste zu drücken.

Jetzt heißt es erstmal durchschnaufen, denn Masquerage haben es mühelos geschafft, dass ich den Hut ziehe und ihnen ein Niveau bescheinigen kann, welches in Augenhöhe mit dem der großen Bands liegt. Dabei ist es neben dem perfekten Songwriting vorallem die Liebe zum Detail. Hier ein Lachen, dort ein Hüsteln und im richtigen Moment ein Glockenspiel oder Hammond-Orgelklänge sind nur einige der kleinen Gimmicks, die jedoch nie aufgesetzt klingen, sondern immer organisch eingebunden wurden. Da sollten sich auch die 'Großen' mal eine Scheibe abschneiden, die allzu oft nur noch seelenlose Standard-Kost bieten.

Fazit: Auch wenn das Cover-Artwork einen etwas frostigen und düsteren Eindruck vermitteln mag, so sind die Songs doch durchwegs melodisch und freundlich gestaltet. Eine klasse Leistung der Finnen wurde durch eine druckvolle Produktion erst ins richtige Licht gerückt. Damit schaffen sie es mühelos jeden ihrer Songs mit maximalem Wirkungsgrad auf die Lauscher der Zuhörer zu 'pressen'. Egal ob Headbanger, Partytiger oder einfack Rock/Metal-Fan, hier wird man fast 36 Minuten voll bedient. Und nur die kurz Spieldauer ist es, die etwas traurig stimmt, denn bei dieser Qualität möchte man einfach mehr...

Tipp:
 Egal ob Hard Rock-Fan, Power-Metal-Liebhaber oder Melodic-Rockerin, hier werden alle vorzüglich bedient.

Titel-Liste:
 
  1. We will never learn
  2. Moonlight Time
  3. I don't believe in you
  4. Doctors Order
  5. Retired Monster
  6. The Helpers
  7. Better Liar
  8. Silver Wings
  9. Everlasting good Luck

Laufzeit:
 35:45 Min.

Band-Infos:
 
  • www.masquerage.net 


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