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Review: Andre Matos
 
TIME TO BE FREE

Album:
 TIME TO BE FREE, 2008, Steamhammer

Stil:
 Melodic Metal

Wertung:
 5,5 von 7
5,5 von 7 Punkten
 S.M., 08.02.2008

Review:
 Der Brasilianer Andre Matos ist in Metal-Kreisen weiß Gott kein Unbekannter. Er machte sich einen Namen als Sänger der Bands Angra und Shaman. Nun wandelt er auf Solo-Pfaden und bringt mit TIME TO BE FREE das Debüt heraus.
Unterstützt wird Andre dabei von seinen früheren Angra- und Shaman-Kollegen Luis Mariutti (Bass), Huga Mariutti (Gitarre) und Fabio Ribeiro (Keyboard). Das restliche Line-Up besteht aus Andre Hernandez (Gitarre) und dem erst 16-jährigen Eloy Casagrande (Drums).
Produziert wurde das Album von Roy Z und Sascha Paeth. Erscheinen wird es am 22.02.2008 über Steamhammer/SPV.

Beim Intro "Menuett" wird´s erstmal richtig klassisch, bevor "Letting go" seinem Titel gerecht wird: Es wird druckvoll losgelegt; mit rhythmischem Fundament, hookführenden Riffs und melodiöser Keys-Untermalung wird auf den Refrain zugetrieben. Klassische Töne erwarten uns nochmal im instrumentellen Zwischenteil, dann wird kraftvoll ausgeleitet.
Tiefergestimmte Gitarren dominieren anfangs bei "Rio", doch bei der Refrainuntermalung wird es wieder melodischer. Ansonsten wartet "Rio" auch mit ein paar folkloristischen Anleihen und einigen progressiven Elementen auf. Andre Matos kann bei diesem Song mit seiner vollen Stimmbreite glänzen, reizt aber vor allen Dingen die hohen Töne aus, ohne dabei nervig zu werden.
Ein wenig irisch klingt die Einleitung von "Remember why". Das Stück entwickelt sich im weiteren Verlauf zu einer Halbballade, die aber immer wieder diesen dezenten irisch-keltischen Touch behält.
Mit "How long (Unleashed away)" folgt ein 1a-Melodic-Metal-Track. Die Hookline steuert punktgenau auf den eingängigen Refrain zu, bei dem Matos wieder sein starkes Timbre unter Beweis stellen kann. Sehr gut gefällt mir auch das Lead-Solo.
"Looking back" beginnt sehr ruhig, legt aber im weiteren Verlauf an Dynamik zu, bevor nach einem Break wieder ein gemäßigter Part regiert. Auch dieser Aufbau fällt stückweise in den progressiven Bereich, sorgt aber dafür, dass leider der Faden der Hook verloren geht. Ein richtiger Höhepunkt bleibt aus. Es ist auch der erste Song, bei dem sich Andre an so hohen Tönen versucht, dass meine Schmerzgrenze erreicht wird. Ein klarer Ausrutscher nach unten.
Als krasser Gegensatz folgt mit der Ballade "Face the End" das beste Stück der Scheibe. Eine wunderschöne Melodie mündet schließlich in einen unheimlich intensiven und emotionalen Refrain. Andre singt richtig stark und auch der instrumentelle Part ist einfach genial.
Der Titeltrack "Time to be free" beginnt mit ruhigem Gesang und Piano balladenhaft. Im weiteren Verlauf nehmen Druck und Geschwindigkeit zu, sodass das Stück fast den Power Metal tangiert, danach beginnt wieder der ruhig Aufbau. Der Song ist facettenreich und bietet einen starken Soli-Teil, aber ein guter Höhepunkt fehlt.
Ein indianischer Tanz mit entsprechender Akustik ist die ungewöhnliche Einleitung zu "Rescue", danach ist Melodic Metal angesagt, in den sogar ein paar Black Metal-Growls integriert werden. Ein ganz gelungener Aufbau wird im Refrain aber nicht optimal ausgereizt. Irgendwie verbleibt bei mir das Gefühl, es wäre noch besser und intensiver gegangen.
Auch "A new Moonlight" bringt noch einmal einige Anleihen bei südamerikanischen Ureinwohnern mit sich. Der Übergang in den eigentlichen Song ist absichtlich verzögert, dann wird balladenhaft mit Klavier aufgebaut. Ein wenig erinnert mich das an ein Stück von Queen oder Freddie Mercury solo. Sobald es etwas energetischer wird, kommt eine leicht symphonische Untermalung und recht dezente Riffs hinzu. Auch dabei habe ich wieder die Assoziation zu Queen. Es ist aber wieder ein emotionaler Song mit starken Vocals, und diese Stücke gelingen Andre Matos scheinbar am besten.
Bei "Endeavour" wird zum Abschluss nochmal ein Brickett mehr ins Feuer gelegt. Zwar haben wir auch hier eine symphonische Untermalung, aber der Grundrhythmus ist schneller und das Gitarrenspiel wesentlich druckvoller. Ein bisschen schimmert hier vielleicht das Angra-Erbe durch, aber "Endeavour" ist gelungen und zählt zu den besten Stücken auf TIME TO BE FREE. Andres Gesang ist nochmal allererste Sahne.

Fazit: Andre Matos serviert uns mit TIME TO BE FREE eine im Großen und Ganzen gelungene Scheibe. Es gibt einen einzigen klaren Ausfall, sowie ein paar durchschnittliche Stücke, aber auch echte Hammer-Songs. Desweiteren fällt auf, dass er sich seit seiner Zeit bei Angra auch stimmlich steigern konnte und bis auf eine einzige Ausnahme richtig stark und äußerst emotional singt.
Zweifellos hat er ein weitaus besseres Album abgeliefert, als seine ehemaligen Kollegen von Shaman mit IMMORTAL. Wenn er das nächste mal noch ein paar Songs mehr im Stile der Anspieltipps bringt, könnte es sogar für eine Top-Wertung reichen.

Anspieltipps:
 "How long (Unleashed away)", die Hammer-Ballade "Face the End", das stark an Queen-Hymnen erinnernde "A new Moonlight" und "Endeavour".

Titel-Liste:
 
  1. Menuett
  2. Letting go
  3. Rio
  4. Remember why
  5. How long (Unleashed way)
  6. Looking back
  7. Face the End
  8. Time to be free
  9. Rescue
  10. A new Moonlight
  11. Endeavour

Laufzeit:
 64:22 Min.

Band-Infos:
 
  • www.andrematos.net 


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