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Review: Medeia
 
ABANDON ALL

Album:
 ABANDON ALL, 2011, Spinefarm

Stil:
 Death Metal, Deathcore

Wertung:
 6 von 7
6 von 7 Punkten
 R.J., 14.01.2012

Review:
 Bereits seit 2002 treiben Medeia aus Finnland ihr metallisches Unwesen. Nach dem Debüt QUANTUM HOLOCAUST: WORLD DOMINATION aus dem Jahr 2006 und CULT aus 2008, klopfen uns die Finnen mit ABANDON ALL erneut das Hirn in tausend Teile.
Oft genug haben mich Stimmen erreicht, die geunkt haben, dass der Death Metal stagnieren würde, ja dem Untergang geweiht sei. Es kommt nichts Neues mehr nach usw..Nun ganz Unrecht haben diese Stimmen sicher nicht gehabt. Aber Medeia kann nicht wirklich gemeint gewesen sein. Bereits das 2008er Album erntete allenthalben hervorragende Kritiken. Und genau da machen die Finnen weiter.
Den Unterschied zu einer normalen Death Metal-Band macht in dem Fall die Kreativität der Nordländer aus. Wenn anderswo als einzige Stilmittel Blastbeats, tief gestimmte Gitarren und Growls benutzt werden, gehen Medeia ein bis zwei Schritte weiter.
Aus dem Death Metal-Stamm ragen gar viele Äste und Zweigen heraus. Ein ganz dicker Ast ist sicherlich dem Deathcore gewidmet. Doch damit ist noch lange nicht genug, denn in jeden Song finden sich progressiv verzwickte Elemente. Auch auf Melodie und hier und da ein wenig Schwermut muss keiner verzichten.
Die Produktion geht amtlich in die Vollen. Die Gitarren reizen ihre sechs Saiten ziemlich aus, Sei es durch aggressive Riffs, oder durch eben die Frickelparts. Die Vocals des Herrn Keijo Niinimaa, seines Zeichens Brüllwürfel des finnischen Grindcore-Ensemble Rotten Sound, verleihen die ultimative Brutalo-Attitüde.

"We all Fail" ist gleich ein heftiges brachiales Beispiel. Mit einem mächtigen druckvollen Riff beginnt der Brocken bevor Keijo mit seiner überaus markanten Stimme den Track bereichert. Auch der immer wieder einsetzende mehrstimmige Gesang gibt dem Song etwas besonders. Dazu permanent mal hämmernde, mal wimmernde Gitarren, die dauerbolzende Rhythmusfraktion, dezente Synth. Fundament des Songs ist eine geile Grundmelodie bzw. ein geiles Grundthema und gipfelt in einem perfekten Spannungsbogen. Dieses Stück ist richtig geil und einer der besten, die ich dieses Jahr in diesem Genre gehört habe.
In "Suffocation Diuturnal" wird das Gaspedal erst mal durchgetreten. In dem Tempofetzen haben progressiv angehauchte Gitarreneinwürfe, aggressives Gebrüll und das donnernde Schlag- und Bass-Resort eindeutig das Sagen, obwohl zwischendurch fast zarte Melodien aufkeimenden. Nach zwei Dritteln haben feenartigen Stimmen den Song kurzzeitig von jeglicher Aggression befreit, aber wie gesagt nur kurzzeitig. Schöner kurzweiliger und durchweg interessanter Song.
"The Ultimative Disconnect from Humanity" beginnt mit einem heftigen Gewitter donnernder Stakkato-Riffs. Das Tempo wird überwiegend hoch gehalten. Immer wieder gesellen sich diese Frickel-Elemente dazu und lassen den Song nicht zu einem Stumpfgeballer verkommen.
"In Motionless Decay" ist ein Paradebeispiel für das innovative Songwriting von Medeia. Der Song verknüpft geschickt deftiges Death Metal-Gebolze mit verzwickten Gitarrenläufen, ohne irgendwie zu nerven oder drüber zu sein. Ebenso pfiffig werden kurze Breaks eingebaut, ohne wirklich den Energiefluss gänzlich zu stoppen.
"The Burning" ist mit knapp sechseinhalb Minuten das längste Stück auf diesem Album. Mit einem Piano-Intro startet der Track und wird dann unterstützt von seichten Gitarren und dezentem Schlagzeug. Tempo und Intensität werden immer weiter angezogen. Keijo erfährt beim Gesang Unterstützung und unterstreicht trotz seiner Deftigkeit die latent vorherrschende Düsternis. Ziemlich intensiver Song der allerhand heftige Emotionen mitbringt und erwecken kann.
Mit "Abandon All" folgt der Titeltrack dieses Albums. Gegenüber dem eher langsameren Vorsong geht es nun wieder heftiger zur Sache, obwohl auch hier keine Geschwindigkeitsüberschreitung vorliegt. Dafür klingt der Song wieder mächtig todesmetallisch. Aber auch in diesem Stück gibt es wieder Wendungen und es verbleibt nie gleichförmig.
"Stigmata" ist wieder ein solch vertrackter Prog-Death-Brocken, dessen Ausmaße sich einem nicht sofort komplett erschließen.
"The Will to Dominate" könnte das Motto von Medeia darstellen. Denn sie sind auf dem besten Weg, den Death Metal auf ihre Art zu dominieren, zumindest in finnischen Gefilden.
"The Undistinguished Name" müsste eigentlich jedem, der eine Ader für Gefrickel hat und auch nicht vor einer mächtigen derben Kante zurückschreckt, Freundentränen in die Augennischen treiben. Vertrackte Melodien gepaart mit drückendem Death Metal und derbem Deathcore, findet man nicht alle Tage.
Im Ausstiegsstück "Centurions" wird nochmal richtig in den Mischer gehauen. In diesem Song wird so ziemlich alles, was wir in den vergangenen knapp 35 Minuten gehört haben zusammen gefasst.

Fazit: Mein lieber Scholli, da haben die Finnen uns aber einen sperrigen und kantigen Todesblei-Monolith hinterlassen. Das Ding hat man nicht so eben mal runter geschluckt. Da heißt es kauen, kauen, kauen! Mit mal durch Hören und gut ist es da bei Weitem nicht getan – und das ist auch gut so! Bei jedem Durchgang gibt es etwas Neues zu entdecken.
Was sie mit CULT anfing, haben Medeia konsequent weiterentwickelt. Auf ABANDON ALL schlägt das Pendel etwas weiter in den Death Metal-Bereich aus. Fakt ist, dass Teil geht ganz mächtig nach vorn und hinterlässt bei mir mächtig Eindruck.
Das Gesamtpaket ist überaus stimmig. Die Produktion ist ziemlich druckvoll und außerhalb jeglicher Kritik. Die Vocals werden voller Inbrunst mit der eindrucksvollen Stimme von Keijo vorgetragen. Handwerklich überzeugt Medeia sowieso ohne Zweifel.
Je öfter ich das Album höre, desto besser gefällt es mir. So ähnlich ging es mir beim Vorgänger CULT auch schon, obwohl ich ABANDON ALL noch ein ganzen Stück reifer und überzeugender finde. Großer Filmpalast!

Anspieltipps:
 "We all Fall" für mich der beste Death Metal-Song in diesem Jahr! "Suffocation Diuturnal" abwechslungsreiches Inferno, "The Burning" düster, emotionsgeladen.

Tipp:
 Wer einen harten Kanten mit Abwechslung und nicht ganz einfacher Songstruktur liebt, ist definitiv hier richtig. Death Metal- bzw. Deathcore-Fans kann ich dieses Album ans Herz legen. Sollte es beim ersten Hören noch nicht gleich zünden, lasst es ein paar mal drehen, lasst Euch drauf ein und es soll Euer Schaden nicht sein.

Titel-Liste:
 
  1. We all fail
  2. Suffocation Diuturnal
  3. The ultimate Disconnect from Humanity
  4. In motionless Decay
  5. The Burning
  6. Abandon all
  7. Stigmata
  8. The Will to Dominate
  9. The undistinguished Name
  10. Centurions

Laufzeit:
 40:33 Min.

Band-Infos:
 
  • www.medeiaband.com 

  • Probehören und Kaufen:
    Medeia: ABANDON ALL

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