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Review: Megaherz |
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Album:
| | GÖTTERDÄMMERUNG, 2012, Golden Core |
Stil:
Wertung:
| |  5 von 7 Punkten | | V.R., 13.01.2012 |
Review:
| | Als Rammstein im Jahr 1997 der absolute Durchbruch glückte, rückte eine damals noch relativ neue Musikrichtung ins Blickfeld der Medien und der Musikszene. Bis heute spricht man von der sogenannten Neuen Deutschen Härte, wenn eine Band mit deutschen Texten Rock, Industrial und elektronische Elemente miteinander vermengt. Nach und nach tauchten neue Bands am Himmel auf und auch ältere Bands wie Oomph!, die schon deutlich vor Rammstein diesem Musikstil frönten, konnten plötzlich Erfolgsluft schnuppern. Eine der Gruppen, die kurz nach Rammsteins Durchbruch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurden, waren Megaherz. Und während viele Bands mit den Jahren wieder in der Versenkung verschwanden, gibt es nur wenige Bands von damals auch heute noch. Und da wären neben Rammstein eben vor allem Megaherz zu nennen. Die Münchener Band hat immer konsequent ihr Ding durchgezogen, seit 1997 neun Alben veröffentlicht (Best of- und Remix-Scheiben mitgerechnet) und ist von ihrer stilistischen Linie nie abgewichen. Dreimal hatte es bereits für eine ordentliche Top 100-Platzierung in den Albencharts gereicht, zuletzt 2008 für das letzte reguläre Album HEUCHLER. Das ist inzwischen auch schon wieder vier Jahre her und so ist es 2012 nun wieder an der Zeit für eine neue Megaherz-Scheibe. Ob GÖTTERDÄMMERUNG gewohnte Megaherz-Qualität bietet, wird in den nächsten Zeilen geklärt.
Beim Opener "Jagdzeit" gibt es aus musikalischer Sicht wirklich keinerlei Gründe zum Klagen. Typische NDH-lastige Gitarrenriffs treffen auf die gewohnt unterkühlten Vocals von Alexander Wohnhaas, der mitunter auch von einer weiblichen Stimme begleitet wird – wenn man es denn Stimme nennen will, da sich die feminine Begleitung mitunter auch auf billiges Stöhnen beschränkt. Zu kritisieren sind an dem Song in jedem Fall die Texte, in welchen niederste Sexfantasien beschrieben werden. Manch einer mag ja auf so etwas stehen, aber dann möge das doch wenigstens etwas anspruchsvoller, ohne billige Ausdrücke wie ‚Bitch’ oder ‚Titten’, präsentiert werden.
"Heute Nacht" kommt glücklicherweise ohne derartige Peinlichkeiten aus und präsentiert sich als routinierter keyboardunterlegter Mid-Tempo-Rocker mit stimmiger Atmosphäre.
Wesentlich härter gehen Megaherz bei "Keine Zeit" zu Werke. Dabei scheut die Band auch nicht davor zurück, sich in NDH-untypischen Highspeed-Gefilden zu bewegen. Gerade durch immer wieder eingestreute Tempiwechsel ist der Song extrem abwechslungsreich gestaltet.
Balladesk geht es weiter mit dem atmosphärischen "Das Licht am Ende der Welt". Spätestens hier beweisen Megaherz, dass sie textlich viel mehr drauf haben als billige Sex-Phrasen, wie noch im Opener, und musikalisch ist der Song ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
Sozialkritisch versuchen sich Megaherz beim harten Midtempo-Song "Rabenvater", indem sie sich hier dem Thema der Kindesmisshandlung widmen und Assoziationen zum Fritzl-Fall aufkommen lassen. Dabei setzen sie allerdings weniger auf textliches Feingefühl, sondern viel mehr auf Vorschlaghammer-Methoden. Dennoch kann ein positives Fazit gezogen werden, da Musik und Text sehr gezielt zusammenwirken.
"Prellbock" kann das Niveau der letzten Songs zwar nicht ganz erreichen, fällt aber immer noch ganz ordentlich aus und läuft dann in der fiesen Bridge doch noch zur Höchstform auf.
Der nächste Song in Form des langsamen Düsterrockers "Mann im Mond" weiß dann leider durchweg nicht zu überzeugen, da es ihm einfach an Spannung fehlt, sozusagen ein typischer Plätschersong ohne Höhen und Tiefen.
Wesentlich besser machen es Megaherz dann bei "Feindbild", wo sie geschickt unterkühlte, fast schon rap-artige Strophen auf einen aggressiven keyboardunterlegten Refrain treffen lassen. Die Texte sind dabei zwar nicht besonders tiefgehend, verfehlen ihre Wirkung aber dennoch nicht.
Auf diesen Volltreffer folgt mit "Herz aus Gold" ein geradezu typischer Megaherz-Mid-Tempo-Song, bei dem die Band die Härte ein wenig zurücknimmt und dafür mehr auf Stimmung setzt. Als Highlight erweist sich dabei besonders der melodische Mitsing-Refrain.
"Abendstern" mutet dann sehr elektronisch und stellenweise fast schon poppig an, dementsprechend spielen die Gitarren hier eine eher untergeordnete Rolle. Aus diesem Grund sticht der Song innerhalb der Tracklist schon deutlich heraus. Musikalisch ist er allerdings etwas langweilig ausgefallen, was aber weniger an fehlenden Ecken und Kanten, sondern mehr an den uninteressanten Melodien liegt.
Als Abschlusssong wurde von der Band das rockige "Kopf oder Zahl" auserkoren, das vom üblichen NDH-Schema etwas abweicht und auch klassischere Rock-Elemente enthält, qualitativ aber leider nur Mittelmaß bietet.
Fazit: Abwechslungsarmut kann man Megaherz bei GÖTTERDÄMMERUNG nun wirklich nicht vorwerfen, da die Band immer wieder über gängige NDH-Klischees hinausgeht und hier und da auch genrefremde Einflüsse in ihrer Musik verarbeiten. Alleine aus diesem Grund fällt das Album schon um einiges interessanter als viele Platten ähnlicher Genre-Vertreter aus. Dennoch ist GÖTTERDÄMMERUNG leider kein Genre-Höhepunkt geworden, da nicht alle der elf Songs zünden können, was jedoch nicht immer in der gleichen Ursache begründet ist. Während beim Opener noch die billigen Sex-Lyrics unangenehm auffallen, stehen bei anderen Songs eher musikalische Unzulänglichkeiten im Vordergrund. Den schwächeren Titeln stehen aber auch sechs Volltreffer gegenüber, welche für Genre-Fans allemal genügend Kaufanreiz darstellen sollten. Megaherz-Anhänger können dieses Mal ohnehin blind zugreifen, da sie über weite Passagen gewohnte Qualität geliefert bekommen, während alle anderen vor dem Kauf noch einmal rein hören sollten. Trotz der genannten Kritikpunkte können Megaherz ihre Ausnahme-Position in der NDH-Szene mit dieser gelungenen Scheibe noch weiter festigen. |
Anspieltipps:
| | "Heute Nacht", "Keine Zeit", "Das Licht am Ende der Welt", "Rabenvater", "Feindbild", "Herz aus Gold". |
Tipp:
| | Megaherz bieten gewohnten NDH-Sound, weichen bei einigen Titeln aber auch davon ab und wagen den einen oder anderen Blick über den Tellerrand hinaus. Dennoch empfiehlt sich die Scheibe in erster Linie den Genre-Liebhabern. |
Titel-Liste:
| | - Jagdzeit
- Heute Nacht
- Keine Zeit
- Das Licht am Ende der Welt
- Rabenvater
- Prellbock
- Mann im Mond
- Feindbild
- Herz aus Gold
- Abendstern
- Kopf oder Zahl
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Laufzeit:
Band-Infos:
| | www.megaherz.de  |
Probehören und Kaufen:
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